Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Diese Ladys haben Männerberufe erobert
Lokales Lauenburg Diese Ladys haben Männerberufe erobert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:24 26.09.2013
Wenn Frauen auf dem Bau gut sind, werden sie auch voll akzeptiert.“Christine Plogmaker, Tischlerin

Die junge Frau rührt erst die graue Fugenmasse in dem Eimer an, dann greift sie zum Spachtel und beginnt die Löcher in der Schulwand zu füllen. Ihre langen Haare sind zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie ist geschminkt und trägt auffälligen Ohrschmuck. „Manchmal verwechseln die mich hier mit einer Schülerin, aber die klär ich dann ganz schnell auf“, sagt Corinna Hauke lachend. Die 23-Jährige ist Hausmeisterin des Berufsbildungszentrums in Mölln und die erste Frau, die jemals diesen Posten an der Schule einnahm. Ihre Ausbildung zur Trockenbauerin schloss sie als Landesbeste ab.

Stolz präsentiert Christine Plogmaker (21) ihr Gesellenstück: Es ist — ganz Ladylike — ein Schmuckkästchen. Ihre Freundin brachte sie auf die Idee, denn die wusste nie, wohin mit ihren Ketten. Auch Christine Plogmaker hat eine ganze Sammlung glitzernder Schmuckstücke. Die junge Frau ist bei ihrer Tischlerausbildung Jahrgangsbeste gewesen. Das weiße Schmuckkästchen mit Spiegeln hat die beste Bewertung bekommen und auch bei dem theoretischen Teil erreichte sie die Note eins. Corinna Hauke und Christine Plogmaker haben sich für einen sogenannten Männerberuf entschieden. Durch ihren Erfolg beweisen die hübschen Powerfrauen, dass sie sich gegen ihre männlichen Mitstreiter mehr als durchsetzen können. Den ganzen Tag im Büro zu sitzen, wäre nichts für die beiden Handwerkerinnen.

„Da sind schon einigen die Augen aus dem Kopp gefallen, als ich auch noch die Beste geworden bin“, sagt Corinna Hauke. Bei der Berufsberatung wurde ihr vorgeschlagen, sich für eine Ausbildung im Trockenbau zu bewerben. Zuerst zögerte die junge Frau. „Ich war mir nicht sicher, ob ich das hinkriege“, sagt sie. Doch bei ihrem Vorstellungsgespräch, überzeugte sie sofort.

„Nach zehn Minuten hatte ich das Ding. Die waren begeistert von meinem Selbstbewusstsein. Zumindest habe ich selbstbewusst getan“, erklärt Corinna Hauke augenzwinkernd. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie zunächst eine Weile als Trockenbauerin, bis sie an der Schule anfing.

Der Hausmeisterjob ist ihr absoluter Traumberuf. „Das ist so vielfältig. Ich kann Klempnern, Tischlern oder Gärtnern“, erklärt sie mit strahlenden Augen. Praktisches Arbeiten läge ihr sehr. Christine Plogmaker machte ihr Abitur mit dem Schwerpunkt Technik. „Ich bin besser im logischen Denken als im auswendig Lernen“, erklärt sie. Danach machte sie die Tischlerausbildung. „Es hat mir Spaß gemacht mit meinen Händen zu arbeiten“, sagt die junge Tischlerin. Ab Oktober möchte sie Bauingenieurwesen studieren.

Unter Männern zu arbeiten ist für die beiden Handwerkerinnen kein Problem. „Wenn Frauen auf dem Bau ihre Arbeit gut machen, werden sie auch voll akzeptiert“, sagt Christine Plogmaker.

Wirklich fiese Reaktionen haben die beiden noch nicht erlebt. „Das hätte ich dir jetzt echt nicht zugetraut. Ich dachte, du wärst so ein Modepüppchen“, ist der blödeste Spruch, den Corinna Hauke gehört hat. Ihr Verlobter sei sehr stolz auf sie und würde immer mit ihr angeben. „Die Männer auf dem Bau haben gar nicht so ein Problem damit. Es sind dann eher Menschen, die eigentlich gar nichts mit dem Beruf zu tun haben, die komisch reagieren“, sagt Christine Plogmaker. Frauen in Männerdomänen seien keine Besonderheit mehr, da immer mehr Frauen sich für traditionell von Männern bevorzugten Berufen entschieden, glaubt sie.

Corinna Hauke: „Ich würde sagen, jeder soll das machen, was er gerne mag und sich zutraut.“

Alessandra Röder

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Drei Termine zum bundesweiten Tag des Flüchtlings.

26.09.2013

Im Lokschuppen Aumühle dreht sich am 3. Oktober alles um Lokomotiven und Schienen.

26.09.2013

Die Diskussion um den Leerstand in Möllns Innenstadt geht weiter. Geschäftsleute fordern jetzt Profis.

26.09.2013
Anzeige