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Lauenburg „Dieses Haus spricht mit einem“
Lokales Lauenburg „Dieses Haus spricht mit einem“
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21:21 12.09.2016
Kaum ein Möllner kennt diesen historischen Gewölbekeller an der Ecke Marktstraße/Hauptstraße. Jürgen Burmeister stellte ihn vor. Quelle: Fotos: Dreessen

Die Bilanz ist ohne Frage positiv: Im Lauenburgischen jedenfalls kann man den „Tag des offenen Denkmals“ am vergangenen Sonntag als vollen Erfolg bezeichnen. Mehr als zwei Dutzend historische Gebäude und Anlagen standen jedem Besucher offen, darunter viele, die sonst nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind.

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Zum „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag luden viele Bewohner historischer Bauwerke im Kreis interessierte Besucher ein.

Das Interesse an diesem Tag, an dem sich das Herzogtum nun schon zum 20. Mal beteiligte, war groß. „Leben kann man Denkmalen sicher generell durch ihre Nutzung einhauchen“ hatte Susanna Helmert von der unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises vergangene Woche in einem Interview mit den Lübecker Nachrichten erklärt, und genau das war am Sonntag zu erleben.

Zahlreiche Bürger öffneten die Türen ihrer oft Jahrhunderte alten Gebäude und berichteten ihren interessierten Gästen, wie es sich denn darin lebt. Da ist zum Beispiel Margitta Schöning, die vor wenigen Monaten von einem modernen, aber gesichtslosen Neubau in die Möllner Mühlenstraße 1 umzog. Das Angebot hatte sie im Internet entdeckt. „Dieses wunderschöne Fachwerkhaus, 1558 erbaut, spricht mit einem“, sagt sie. Die Atmosphäre sei einzigartig.

Ein paar hundert Meter weiter findet sich das Haus der Familie Romer, das seit 1837 in der Altstadt steht. „Wir haben es vor einem Jahr gekauft und dann ein halbes Jahr lang vollständig saniert“, berichtet Dirk Romer. Der Arbeitsaufwand sei enorm gewesen, aber es habe sich gelohnt. Dass sich in dem Altbau jetzt moderne Technik für Heizung, Küche und Bäder finde, sei überhaupt kein Problem:

„Der Mix aus Alt und Neu ist durchaus reizvoll“, so der Besitzer. Er hofft, dass jene Wohnhäuser in Möllns Altstadt, die derzeit noch leer stehen, auch bald verkauft und wieder bezogen werden, Romer:

„Das ist doch das Kapital dieser Stadt.“ Erstaunt sahen sich etliche Besucher am Sonntag in dem vielen Möllnern nicht bekannten Gewölbekeller um, der sich an der Ecke Marktstraße/Hauptstraße gleich unter drei historischen Backsteingebäuden erstreckt. Der 600 Jahre alte Keller wurde einst von einer Brauerei genutzt, diente später als Lager für Eisen- und Haushaltswaren. Besitzer Jürgen Burmeister führte die Gäste durch die Räume, musste bei den engen Durchgängen immer wieder „Vorsicht, Kopf einziehen“ rufen und konnte höchst anschaulich einiges über die bewegte Geschichte des Gebäudeensembles erzählen.

Zu jenen Häusern, die in Ratzeburg besichtigt werden konnten, gehörte die „Herberge zur Heimat“ an der Schrangenstraße, ein zweigeschossiges Traufenhaus aus dem 17. Jahrhundert. Hier lebten und arbeiteten zunächst mehr als 100 Jahre lang verschiedene Bierbrauer, dann einige Kaufleute, ab 1832 ein Goldschmied, und 1864 wurde hier eine „höhere Tochterschule“ eingerichtet. 1885 wechselte das Gebäude erneut seine Bestimmung: Die „Herberge zur Heimat“ wurde geschaffen. Darin sollten „arme wandernde Handwerksgesellen und sonstige Arbeitnehmer jeglichen Gewerbes ein anständiges sauberes Quartier und gute Kost finden.“

Mitglieder des „Vereins zur Erhaltung einer Herberge zur Heimat“, dem das Haus gehört und die es hegen und pflegen, stellten es vor. Heute befinden sich im Erdgeschoss Büroräume der Kirchengemeinde St. Petri, im oberen Stockwerk betreibt Scelza Furio eine Musikschule. So kam es, dass die Besucher auch noch mit Livemusik auf dem Klavier unterhalten wurden.

Mehr als 8000 Bauwerke offen

Bundespräsident Joachim Gauck hat in einem Grußwort zum bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ darauf hingewiesen, dass dies „eine der meistbesuchten Kulturveranstaltungen nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa“ sei.

Mehr als 8000 Bauwerke aus vergangenen Zeiten konnten besichtigt werden, darunter sehr viele Privathäuser, aber auch Kirchen, Mühlen, Bahnhöfe oder Industrieanlagen.

Zu den ungewöhnlichsten Adressen im Lauenburgischen gehörten das 1925 erbaute Wasserkraftwerk Farchau in Schmilau, der Anlegeplatz des Raddampfers „Kaiser Wilhelm“ in Lauenburg und die Seilzugfähre, die über den Elbe-Lübeck-Kanal hinweg Siebeneichen und Fitzen verbindet.

 Norbert Dreessen

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