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Lauenburg Diesmal brennt Scheune in Kählstorf – Polizei richtet „Soko“ ein
Lokales Lauenburg Diesmal brennt Scheune in Kählstorf – Polizei richtet „Soko“ ein
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20:05 15.04.2019
Die Scheune und ein darin befindlicher Traktor sind den Flammen zum Opfer gefallen. Quelle: Mike Orend/Mopics
Berkenthin

Gegen 23.50 Uhr am späten Sonnabendabend löste die Leitstelle Alarm für die Wehren aus Berkenthin, Klempau, Rondeshagen und Ratzeburg aus. Als die ersten Einsatzkräfte vor Ort ankamen, stand eine Scheune in Kählstorf, Ortsteil von Berkenthin, bereits im Vollbrand, erklärte Amtswehrführer und Einsatzleiter André Papalia.

Einen direkt angrenzenden Stall mit Jungrindern konnten die mit insgesamt 70 Kameraden angerückten Feuerwehren aufgrund des schnellen Eingreifens mit mehreren Strahlrohren und dem günstig stehenden Wind retten, die Tiere konnten im Stall bleiben. Die Scheune selbst und ein darin befindlicher Traktor fielen den Flammen zum Opfer.

Polizei: Wir benötigen den „aufmerksamen Nachbarn“

In den Dörfern geht die Angst um. Eigentümer und Nachbarn betroffener Gebäude bangen um ihr Hab und Gut, ja selbst um ihr Leben. Immerhin übernachteten beim Brand am vorletzten Wochenende in Rondeshagen drei Schüler in einem Bauwagen nur etwa zehn Meter entfernt von dem Tatort. Was tut die Polizei konkret gegen die Angst und für das Sicherheitsgefühl der Bürger?

Hans-Jürgen Köhnke, Leiter der Polizeidirektion Ratzeburg, dazu: „Wir intensivieren die Ermittlungsarbeit durch die Einrichtung einer Ermittlungsgruppe. Der betroffene regionale Bereich wird von der Polizei künftig verstärkt bestreift.“

Aber müsste die Polizei hier nicht viel offensiver informieren, um die diffusen Ängste und Unklarheiten zu beseitigen? Köhnke: „Wir werden dem zunehmenden Informationsbedürfnis in enger Abstimmung mit der Ermittlungsgruppe durch aktive Öffentlichkeitsarbeit nachkommen.“

Und was können oder sollten die Bürger und Dorfbewohner selbst tun, um der Polizei bei deren Ermittlungen zu helfen? Köhnke: „Ergänzend zu den polizeilichen Maßnahmen benötigen wir den ,aufmerksamen Nachbarn’. Wir möchten ausdrücklich dazu ermuntern, die Polizei bei ,merkwürdigen’ Beobachtungen auch über den Notruf 110 zu informieren. Wir nehmen jeden Hinweis dankend auf und überprüfen ihn. ,Fehlalarme’ haben keinerlei negativen oder finanzielle Konsequenzen!“

Mit einem zweiten Traktor zogen die Helfer das abgebrannte Fahrzeug aus der Scheune, um an das gelagerte Stroh – etwa 100 Quaderballen – zu gelangen. Diese wurden genau wie die dort lagernden Düngemittel abgelöscht. Der entstandene Sachschaden beläuft sich laut Polizei Ratzeburg auf rund 100 000 Euro.

„Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist von Brandstiftung auszugehen“

Für Kriminaldirektor Hans-Jürgen Köhnke, derzeit kommissarischer Leiter der Polizeidirektion Ratzeburg, und seine Kollegen ist der Fall hier klar: „Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist von einer Brandstiftung auszugehen, andere Brandursachen konnten ausgeschlossen werden.“

Insgesamt 14 Großbrände - also keine kleinen Feuerchen in Papierkörben oder Mülltonnen - registrierten die Beamten der Kripo in der Polizeidirektion Ratzeburg seit November 2018, wie Köhnke im Interview mit den Lübecker Nachrichten erläuterte (siehe Beistück). Grund genug für ihn, nun eine „Soko“, eine Sonderkommission beziehungsweise Sonderermittlungsgruppe mit fünf Beamten einzurichten, die sich künftig „konzentriert und ausschließlich“ um diese Brände kümmern werden.

Von den 14 Bränden, so Köhnke, könne man fünf nicht unbedingt in einen direkten Zusammenhang bringen: „Ob und inwieweit außerdem tatsächliche Zusammenhänge bestehen, ist fortlaufender Bestandteil der kriminalpolizeilichen Ermittlungen und Bewertungen. Bisher ist nichts belegt, aber auch nicht auszuschließen.“ Immerhin: Zumeist brachen die Brände häufig am Wochenende aus.

Was viele Beobachter vor Ort, Dorfbewohner oder Feuerwehrleute bemerkten und auch der Polizei nicht entgangen ist: dass sich die Brände zudem vorwiegend „in Anbauten, Scheunen, Unterständen und vergleichbaren Gebäuden, häufig in landwirtschaftlichen Betrieben“, ereigneten. Über eine entsprechende Konsequenz wollte sich Köhnke aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht äußern.

Weitere Erschwernis: Wasserversorgung brach zusammen

Zwischenzeitlich brach während der Löscharbeiten die Wasserversorgung zusammen. Mit einem Pendeldienst mussten Löschfahrzeuge aus einem Nachbarort Wasser heranschaffen, um die Nachlöscharbeiten sicherzustellen.Was zum Zusammenbruch der Wasserversorgung geführt hat, konnte auch ein nächtlicher Anruf des Einsatzleiters beim Wasserbeschaffungsverband nicht klären.

In der Nacht zu Sonntag ist eine Scheune in Berkenthin abgebrannt. Die Wasserversorgung bei den Löscharbeiten brach zwischenzeitlich zusammen.

Insgesamt waren etwa 70 freiwillige Feuerwehrkameraden bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz.

Lesen Sie hier das LN-Interview mit Polizeichef Hans-Jürgen Köhnke. Er sagt: „Ein Zusammenhang zwischen einzelnen Bränden ist bisher nicht belegt.“

Joachim Strunk und Mike Orend

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