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Lauenburg „Discounter wollen City plattmachen“
Lokales Lauenburg „Discounter wollen City plattmachen“
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22:18 01.07.2018
Leere Schaufenster, darüber Wohnungen: Im Teil der Möllner Hauptstraße zwischen Wassertor und ehemaligem Möllner Grill gibt es nur noch ein Geschäft. Das City- und Standortmarketing hat diesen Bereich aufgegeben. Ziel ist es nur, den Rest der Hauptstraße zu beleben. Quelle: Fotos: Grombein
Mölln

„Discounter fahren eine knallharte Strategie, um den Einzelhandel plattzumachen“, sagte Konstantin von Notz (Grüne) in der Sitzung. Aktuell ging es um den Penny-Markt am Wasserkrüger Weg.

Das Thema Leerstand kocht in Mölln wieder hoch: In der Stadtvertretung haben die Grünen bemängelt, dass die Politik diverse Erweiterungen von Discountern auf der „grünen Wiese“ erlaubt hat. Das zerstöre die Innenstadt. Tatsächlich ist die Zahl der Leerstände trotz Marketings konstant hoch.

Diese Strategie, so von Notz, sei sehr erfolgreich. Es sei in den vergangenen Jahren nicht eine Discounter-Erweiterung in Mölln abgelehnt worden. Wenn man nicht steuere,was im Handel geschehe, dürfe man sich später nicht über Innenstadtprobleme beklagen. Am Innenstadtsterben sei nicht nur das „böse Internet“ schuld. Discounter hätten zunehmend Vollsortimente.

Ein Blick in die Hauptstraße offenbart das Ausmaß des Leerstandes. Dort zählt man im Augenblick 17 leere Schaufenster. Zwischen Wassertor und dem früheren Möllner Grill sind es zehn leere Läden. Drei davon sind zwar mittlerweile Wohnhäuser, sie zeugen dennoch vom Rückzug des Handels. Aktuellster Abgang: Das Antiquitätengeschäft Nr. 123 hat aufgegeben.

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Lesen Sie dazu auch den LN-Talk über den Zustand der Möllner Innenstadt.

Rückblick: Bei einer Talkveranstaltung zum Thema Innenstadtenwicklung in Mölln bei der Messe Regiotrend 2017 hatte der Lübecker Professor für Stadtplanung, Dr. Frank Schwartze, Folgendes gesagt: „Die Politik muss sich klar werden, dass nicht alles auf einmal geht. Sie können nicht in eine ,grüne Wiese’ investieren und gleichzeitig die Innenstadt zur Erlebniseinkaufsmeile machen“, so Schwartze damals. Schwartze erklärte, dass Discounter sehr wohl eine Konkurrenz zur Stadt sein könnten, da bestimmte Ketten zum Beispiel in Deutschland die größten Verkäufer von Textilien seien.

Wer sich Einblick in einen großen Discounter neuen Typs verschaffen möchte, besucht das Geschäft gegenüber dem Ratzeburger Bahnhof: Fünf lange Reihen mit Werkzeug, Kleidung, Maschinen und vielen anderen Artikeln befinden sich in der Mitte der Verkaufsfläche. Es gibt offenbar ein breites und festes Sortiment – nicht nur Aktionen mit Textilien und Haushaltswaren.

„Die Innenstadtrelevanz haben wir nicht gesehen. Wir haben begrüßt, dass überhaupt jemand bereit ist, sich dort anzusiedeln“, sagte hingegen Swantje Meins (CDU) in der Sitzung zur aktuellen Discounter-Erweiterung. Die Maßnahme diene der Nahversorgung von Menschen vor allem mit Lebensmitteln. „Die nähere Bevölkerung kann in dem Discounter einkaufen, ohne umständlich mit dem Auto durch die Stadt zu kutschieren“, sagte auch Uwe Schlegel (SPD), Vorsitzender des Bauausschusses. Die Auswahl in besagtem Discounter werde durch die Erweiterung größer, was die Versorgung der Bewohner verbessere.

Damit gab Schlegel den Kritikern der Erweiterung trotz abweichender Meinung sogar ein Stück weit Recht. Genau diese Aussagen kritisierte Regina Hälsig (Grüne) dann auch: „Je größer wir unsere Discounter machen, desto mehr Innenstadt-Relevanz geben wir ihnen.“ Dadurch ziehe man auch Kunden aus der Innenstadt ab, was die Nahversorgung in der City verschlechtere. Die Grünen lehnten den Satzungsbeschluss (B-Plan 116) für die Erweiterung des Discounters am Wasserkrüger Weg ab (7 Gegenstimmen), wurden jedoch von der Mehrheit überstimmt.

Laut City- und Standortmarketing ist der Leerstand gleichbleibend bedenklich. „Wir halten den Status Quo – aber schon das ist kräftezehrend“, sagt Monika Siegel. Einen großen Sprung nach vorn gebe es nicht – trotz umfänglicher Bemühungen. Standorte wie Lübeck oder Hamburg seien zum Shoppen interessanter als Kleinstädte. Und es sei nach wie vor nahezu unmöglich, bestimmte Lücken zu schließen.

Einige Ketten zum Beispiel im Interieur-Bereich interessierten sich nicht für Mölln, da man für sie keine attraktiven Flächen bieten könne. Man gare, vorsichtig gesagt, eher im eigenen Saft.

„Doch wir behaupten uns gut. Das liegt an der guten Zusammenarbeit und dem Engagement der Händler“, so Siegel. Was viele Kunden schätzten, sei der noch immer erhaltene Fachhandel mit Beratung. In diesem Bereich sei man gut aufgestellt. Einige Lücken verschwinden. So hat im vergangenen Monat etwa die „L’équipe Cocktail & Shisha Lounge“ in der Nr. 63 eröffnet. Dort wurde viel investiert.

Monika Siegel freut sich auch darüber, dass mit dem „Noi Due“ endlich wieder ein italienisches Restaurant, noch dazu mit Seeblick, vorhanden ist. An vielen Stellen verlagere sich der Handel jedoch nur. Etwa „Carolas Blumenladen“ sei an der Hauptstraße umgezogen. Eine Lücke schließt sich, eine andere klafft auf.

Am oberen Ende der Hauptstraße zwischen Wassertor und ehemaligem Möllner Grill gibt es nur noch ein Geschäft: „DK Arbeitsschutz“. Seit 2012 hält sich der Laden. Was ist die Strategie? „Unsere Kombination aus Ladengeschäft und Online-Versand“, erklärt einer der Inhaber, Jan Drews. Das läuft so gut, dass der Betrieb zehn Mitarbeiter beschäftigen kann und auch Lehrlinge ausbildet.

Am frühen Nachmittag rauschen unzählige Autos dicht am Geschäft vorbei und lassen die Schaufensterscheibe vibrieren. Auf die Frage, wie man Aufenthaltsqualität und Shopping-Erlebnis verbessern könne, sagt Drews spontan: „Für den Autoverkehr sperren“, um gleich danach wieder zu zweifeln. Denn er fragt sich, ob Kunden bereit seien, außerhalb zu parken. Eine Frage, die in Mölln wohl sehr viele Händler beschäftigt.

Von Florian Grombein

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