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Dittmer: „Erbärmliches Verhalten“

Lauenburg Dittmer: „Erbärmliches Verhalten“

Lauenburgs Bürgervorsteher kritisierte in der Stadtvertretung das lange Warten auf Hochwasserschutz.

Bei der Flut 2013 drang das Wasser in die Altstadt vor.

Quelle: Fotos: Jann (2), Marohn

Lauenburg. Dass Lauenburgs Bürgervorsteher Bernd Dittmer (SPD) mal aus der Ruhe kommt, ist selten. In der Stadtvertretersitzung am Mittwochabend passierte es dennoch. In einer sehr emotionalen Rede wandte er sich an die Politiker. Als „erbärmlich“ bezeichnete er die Situation, man hätte seit dem ersten „Jahrhunderthochwasser“ 2002 drei Ministerpräsidenten und eine Bundeskanzlerin in der Stadt gehabt – und passiert sei trotzdem nichts. „Immer hat man uns gesagt, man helfe ganz schnell, aber passiert ist seit 2002 nichts“, erboste sich Dittmer. Er setzt seine Hoffnung jetzt in die neue Landesregierung, obwohl dort seine Sozialdemokraten nichts mehr zu melden haben dürften. „Man muss nur nach Niedersachsen blicken, die kriegen das blitzschnell hin“, berichtete Dittmer.

 

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„Immer hat man uns gesagt, man helfe ganz schnell, aber passiert ist seit 2002 nichts.Bernd Dittmer (SPD), Lauenburgs Bürgervorsteher

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Von Hanno Hannes

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Der wahrscheinlich künftige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), hatte gegenüber der Betroffenengemeinschaft aus der Lauenburger Altstadt bereits versichert, dass die CDU zu ihrem Wort stehen und den Hochwasserschutz bis Lauenburg zur Ländersache machen werde. Damit müssten die Anlieger keinen Eigenanteil mehr leisten.

„Natürlich geht es uns allen nicht schnell genug, aber man muss auch daran denken, dass es gilt, Fristen zu wahren“, bat Bürgermeister Andreas Thiede um Verständnis für die lange Zeit. Außerdem wurde erst nach der Flut 2013 verabredet, Lauenburg tatsächlich zu schützen. Voraussichtlich 2024 soll der Hochwasserschutz geschlossen vorhanden sein. „Wir haben aber keine Zeit“, mahnte Jochen Wallmann (CDU). „Die Betroffenen werden hingehalten“, findet Dittmer. Dem widerspricht Reinhard Nieberg, der Leiter des Stadtentwicklungsamtes, deutlich. „Die Vokabel ‚erbärmlich' tritt jeden mit Füßen, der sich engagiert. Den Beteiligten ist der aktuelle Stand nicht geschuldet“, so Nieberg. Außerdem habe man bereits Millionen ausgegeben – nur sei man halt noch nicht fertig. „Es ist bei uns verdammt schwierig, so eine Lage, wie Lauenburg sie hat, ist an der Elbe ziemlich einmalig“, sagte er.

Markus Matthießen (CDU) kritisierte derweil die Idee, dass Studenten aus Hamburg im Rahmen einer Semesterarbeit die Evakuierungspläne der Stadt überprüfen sollen. „Ein Plan, den man im Katastrophenfall minutiös abarbeiten kann, wird nicht funktionieren“, erklärte er und warnte: „Jede Gefahrensituation ist anders.“ Dittmer fürchtet gar, die Studenten könnten bald praktisch üben – beim nächsten Hochwasser, das er noch vor der Fertigstellung des Hochwasserschutzes kommen sieht.

KOMMENTAR

Schnell geht anders

Kanzler Gerhard Schröder in Gummistiefeln im Hochwasser der Elbe in Sachsen: Dieses Bild hat sich in unser kollektives Gedächtnis eingegraben. Spätestens seitdem gehören Besuche in Hochwassergebieten zum Pflichtprogramm des politischen Spitzenpersonals der Bundesrepublik. Und das Versprechen der „schnellen Hilfe“ auch. Eine „Jahrhundertflut“ später erlebte auch Lauenburg einen solchen Besuch.

2013 versprachen Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Torsten Albig Hilfe, schnelle natürlich. Und kaum elf Jahre später könnte dieses Versprechen eingelöst sein. Für 2024 ist der Abschluss der Schutzmaßnahmen für die Altstadt geplant.

Seien wir nicht ungerecht: Es ist bereits einiges passiert. Söllerwiesen, Palmschleuse, Bahndamm. Aber zur Wahrheit gehört auch: Schnell geht anders.

Timo Jann

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