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Lauenburg Dorfmitte abgelehnt - Ist jetzt die Zukunft Berkenthins „tot“?
Lokales Lauenburg Dorfmitte abgelehnt - Ist jetzt die Zukunft Berkenthins „tot“?
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23:24 19.09.2016
„Ich bin maß- los enttäuscht.“ Gisela Bockholdt, ehem. Tourismusbeiratschefin

„Das ist der Tod für Berkenthin, allein schon für die Vereine und Institutionen“, prophezeite ein enttäuschter Wähler nach dem ablehnenden Entscheid der Berkenthiner Bürger am Sonntag zum Thema „neue Dorfmitte“.

Mit 749 Wählern bei 1670 Stimmberechtigten im Ort war die Wahlbeteiligung anerkanntermaßen hoch: 44,85 Prozent. „Das erreichen wir manchmal nicht bei Kommunalwahlen“, gestand Bürgermeister Michael Grönheim (SPD) ein. Abzüglich der fünf ungültigen Stimmen votierten von den verbliebenen 749 Berkenthinern 395 (= 53,1 Prozent) für „Ja“, also gegen den von SPD und BWI geplanten Dorfpark am Elbe-Lübeck-Kanal zwischen Schleuse und Fußgängerbrücke an der Kirche. Die Befürworter des Tourismus-Projekts (die mit „Nein“ stimmen mussten) waren nur 349, also 46,9 Prozent.

„Aufgrund der hohen Wahlbeteiligung wird das große Interesse an Mitbestimmung deutlich. Die Bürger wollten gefragt werden! Keine Entscheidungen im stillen Kämmerlein. Die neue Dorfmitte geht uns alle an, schon gerade, wenn wir das mit unseren Steuergeldern finanzieren sollen!“, erklärte nach dem Entscheid Mike Schwarz, einer der Initiatoren des Bürgerentscheids und Fraktionsvorsitzender der CDU in der Berkenthiner Gemeindevertretung.

„Total überrascht“ habe der Entscheid den Fraktionschef der Berkenthiner Wähler-Initiative (BWI), Friedrich Thorn. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, erklärte er gestern den LN. Aber er akzeptiere die demokratische Entscheidung, zumal die Wahlbeteiligung das hohe Interesse an dem Thema offenbare. Thorn blickt zurück: „Wenn SPD und CDU damals unseren Kompromissvorschlag – ohne die strittige Veranstaltungsplattform – angenommen hätten, könnten wir noch über die 50-prozentige Förderung der AktivRegion verfügen.“

Außerdem sei dann wohl auch nicht so viel Porzellan zerschlagen worden. Denn wie im Vorfeld angekündigt, hatten Künstler Tim Adam und die Tourismus-Beiratsvorsitzende des Amtes, Gisela Bockholdt, ihre Posten in dem Gremium mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Bockholdt: „Ich bin maßlos enttäuscht. Aber ich akzeptiere die Entscheidung der Bürger. Doch wenn der Ort gegen das Tourismus-Projekt ist, wäre es nicht ratsam, wenn die Beiratsvorsitzende aus eben diesem Ort käme. Und ohne die Unterstützung von Tim Adam ist für mich diese arbeits- und zeitintensive Vorbereitung nicht möglich.“

Jetzt könnten sich ja diejenigen einbringen, die im Vorfeld nur mit Kritik aufgefallen wären, so Bockholdt.

Diesem Vorschlag pflichtet Berkenthins Bürgermeister Michael Grönheim bei. Den prophezeiten „Tod“ Berkenthins als Tourismus-Ort könne er nicht bestätigen, „aber es muss jetzt schon was von den Protagonisten der Gegenseite kommen, die zeigen können, wie man es auch oder sogar besser machen kann“.

Projekte sterben zu lassen, weil sie etwas kosten, das könne er nicht nachvollziehen. „Kultur ist nicht effizient. Schwimmbäder oder Theater sind immer defizitär, ein Zuschussgeschäft. Aber sie sind identitätsstiftend. Allein das letzte Stecknitzfest hat mehr als 13000 Besucher angelockt, das hat eine Strahlkraft!“ Wer dieses Fest, das eigentlich im kommenden Jahr wieder stattfinden sollte, organisiert, steht in den Sternen. Bockholdt und Adam jedenfalls nicht. Und der stellvertretende Beiratsvorsitzende, Krummesses Bürgermeister Friedhelm Michaelis, winkt ab: „Keine Zeit“. Jetzt beginnen die Beratungen. Am nächsten Mittwoch tagt der Ausschuss wieder . . .

 Joachim Strunk

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