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Lauenburg „Dorfsheriff“ Kiehn und das Ende einer Ära
Lokales Lauenburg „Dorfsheriff“ Kiehn und das Ende einer Ära
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19:17 29.11.2016
Wolfgang Kiehn (60) geht heute in Pension. Seit 1993 war er „Dorfsheriff“ in Dassendorf. Die Station in Dassendorf wird dann aufgegeben. FOTO: TIMO JANN

Er ist das Gesicht der Dassendorfer Polizei – Wolfgang Kiehn. Und wenn er am heutigen Mittwoch seinen Abschied vom Dienst nimmt, dann ist auch die Station Am Wendel Geschichte. Mit Wolfgang Kiehn (60) verabschiedet sich die Polizei im Zuge einer neuen Organisationsreform komplett aus Dassendorf. Sein bisheriger Kollege Jens Naundorf ist künftig vom Geesthachter Revier aus Ansprechpartner für Sachverhalte in Dassendorf. Bei Notfällen schickt die Leitstelle ohnehin schon jetzt die am günstigsten platzierten Streifen los.

Viel Sport und mehr Ruhe

Künftig wird sich der angehende Pensionär dem Ausdauersport und dem Tennis widmen. „Ich werde auch versuchen, gesünder zu leben und etwas Hektik aus dem Alltag rausnehmen“, sagt Wolfgang Kiehn.

Seit 1993 arbeitete Kiehn in Dassendorf. Erst noch in der Wache am Frachtweg, kurz darauf folgte dann der Umzug zum Wendel. Dort wurde schließlich erweitert. Das alles wird bald vorbei sein, die Volkshochschule ihren Sicherheit gebenden Nachbarn verlieren.

„Es war eine total schöne und vor allem sehr vielseitige und abwechslungsreiche Zeit hier in Dassendorf“, blickt Kiehn zurück.

Er hatte 1973 in Eutin seine Ausbildung zum Polizisten begonnen, war Teil der 5. Einsatzhundertschaft. Drei Jahren Ausbildung folgten zwei Jahre Dienst bei der Bereitschaftspolizei, es gab kaum eine große Demo zu der Zeit, bei der Kiehn nicht im Einsatz war. Die erste blieb unvergessen, 1975 war Franz-Josef Strauß in Lübeck – und Kiehn passte mit auf. Kiehn: „Da flogen die Eier.“ Oft war er auch in Brokdorf gegen den Bau des dortigen Kernkraftwerkes, das noch heute in Betrieb ist. Seine erste Dienststelle war dann Wentorf, von dort ging es schließlich schon nach Dassendorf. „Dass ich nur auf zwei Dienststellen war, habe ich stets als sehr großen Vorteil empfunden. Man kannte sich vor Ort ganz genau aus“, sagt Kiehn.

Viele schwere Unfälle auf der Bundesstraße 207 haben ihn beschäftigt. „Seit der Einführung von Tempolimit und Überholverbot hat es sich da glücklicherweise sehr entspannt“, so Kiehn. In Erinnerung blieb ihm auch die Nacht der innerdeutschen Grenzöffnung. „Ich hatte damals Dienst, die Leitstelle hat uns nach Lauenburg geschickt. Dort roch schon alles nach Zweitaktmotoren von den Trabis und wir wurden oft gefragt, wo es denn zur Reeperbahn nach Hamburg geht“, berichtet der Polizeioberkommissar aus der Wendezeit.

In all den Jahren musste er nicht ein einziges Mal die Dienstwaffe gegen einen Menschen einsetzen. Gegen Tiere umso öfter – wenn im Sachsenwald nach einem Wildunfall das Tier erlegt werden musste.

„In Erinnerung sind mir auch die vielen Scheunenfeten und die drei tollen Tage geblieben. Viele junge Leute, die man damals kennengelernt hat, trifft man heute mit ihren Kindern“, so Kiehn.

Auch Dinge zum Schmunzeln gab es im Dienst. Etwa als wegen des Diebstahls des Hamwarder Ortsschildes ermittelt wurde. Eine Gruppe junger Hamwarder hatte sich damit bei einem Festival fotografiert. Im Internet kam Kiehn der Gruppe auf die Schliche. Brisant war es, als zwei Strommasten des Kernkraftwerkes Krümmel gesprengt worden waren. Und die Festnahme des RAF-Terrorristen Christian Klar im Jahre 1982 im Sachsenwald fiel in seien Wentorfer Zeit. „Eigentlich ist es hier auf dem Land aber immer ruhig zugegangen. Man hat uns akzeptiert und mit uns gesprochen“, zieht Kiehn Bilanz.

Timo Jann

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