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Lauenburg Düchelsdorfer Brandschutz-Wende
Lokales Lauenburg Düchelsdorfer Brandschutz-Wende
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20:32 07.10.2014
Einstimmig waren alle Düchelsdorfer Gemeinderatsmitglieder dafür, den Brandschutz ab 2015 abzugeben — auch bei 2000 Euro Mehrkosten im Jahr. Quelle: Fotos: Christian Nimtz
Düchelsdorf

Die Gemeinde Düchelsdorf will mit Kastorf über die Sicherstellung ihres Brandschutzes verhandeln. Bisher gab es dazu eine Vereinbarung mit Sierksrade, aber dieser Vertrag ist von den Sierksradern schon vor Monaten gekündigt worden. Jetzt steht die Auflösung der Düchelsdorfer Wehr an, die zuletzt nur noch als kleine Löschgruppe existierte.

Wie es mit der Düchelsdorfer Wehr weitergeht, war am Montagabend Thema in der Gemeindevertretung der 150-Seelen-Gemeinde. Sierksrade hatte 2005 den Brandschutz für die Nachbargemeinde übernommen, weil zu wenig Mitglieder in der Feuerwehr Düchelsdorf im aktiven Dienst waren. Es wurde seinerzeit eine Löschgruppe Düchelsdorf gegründet, deren 17 Mitglieder fortan in der Feuerwehr Sierksrade beheimatet waren. Weil nun die ursprünglich 17 Mann starke Truppe in Düchelsdorf auf aktuell fünf Mann zusammengeschmolzen war, sah sich die Gemeinde Sierksrade zum Handeln gezwungen.

„Wir haben schon Mitte des Jahres den Vertrag gekündigt und darin auch deutlich gemacht, dass wir selbstverständlich zu Gesprächen bereit sind“, erklärte Sierksrades Bürgermeister Christian Prüßmann.

Und es habe seither mehrere Gespräche untereinander gegeben. Doch offenbar hat die Kündigung des Vertrages die Düchelsdorfer so getroffen, dass die nun Gespräche mit der Gemeinde Kastorf führten und eine Möglichkeit ausloteten, mit Kastorf einen neuen Vertrag zu schließen.

Was im Gemeinderat folgte, war die Beerdigung der Freiwilligen Feuerwehr Düchelsdorf. Dass die sieben Gemeinderatsmitglieder einschließlich Bürgermeister, der selbst wie ein weiteres Mitglied zu den verbliebenen fünf Kameraden zählt, ihren Entschluss pro Kastorf schon vor der Versammlung gefasst hatten, wusste niemand der Bürger und der etwa zehn Mitglieder der Nachbarwehr Sierksrade, die für einen übervollen Saal sorgten.

Amtswehrführer Andreas Koop wollte von Düchelsdorfs Bürgermeister Adolf Kahts wissen, ob die Gemeindevertreter mit den verbliebenen Feuerwehrleuten gesprochen und sie nach ihrer Meinung befragt hätten. „Ja, wir haben mit allen Feuerwehrmännern gesprochen. Nur mit deinem Sohn nicht“, erwiderte der Bürgermeister dem verdutzten Amtswehrführer. Die Erklärung lieferte er mit. Man habe mit Andre Koop nicht gesprochen, weil man davon ausgegangen sei, dass der sowieso gegen alles sei und immer gegenan reden würde. Die anwesenden Feuerwehrkameraden aus Sierksrade und viele der Einwohner schauten sich an. Man merkte förmlich, wie es ihnen die Sprache verschlagen hatte.

Doch damit noch nicht genug. Amtswehrführer Koop fragte weiter und wollte wissen, welche Kosten auf die Gemeinde zukämen, wenn Kastorf oder Sierksrade den Brandschutz übernähmen. Und wenn eine der Gemeinden mehr Geld bekomme, ob es dafür mehr Leistung gäbe. Bürger Harald Jaeschke, 62-jähriger Finanzbeamter, warf ein: „Im Ort wurde keine Umfrage gemacht. Man hätte aber uns Steuerzahler auch gern befragen können. Immerhin arbeitet ihr mit unseren Steuergeldern.“ Dazu der Bürgermeister: „Wo sollen wir anfangen? Wir stehen unter Druck. Wir versuchen, alles bestmöglich im Sinne der Gemeinde zu regeln.“

Kreiswehrführer Michael Raddatz, der wegen dieses Punktes zur Sitzung nach Düchelsdorf gekommen war, sprach sich klar für Sierksrade und gegen Kastorf aus. Immerhin würden die Kosten bei der Kastorfer Lösung deutlich höher liegen, und die Gemeinde Kastorf würde Düchelsdorf auch beim Neubau ihres Gerätehauses und eines neuen Einsatzfahrzeugs mit in die Pflicht nehmen. Mehr Leistung aber bekämen die Düchelsdorfer trotz höherer Abgaben nicht.

Auch Amtsvorsteher Karl Bartels appellierte an die Verantwortung der Gemeindevertreter und forderte sie auf, persönliche Animositäten hinten an zu stellen. Der Leitende Verwaltungsbeamte Frank Hase wies darauf hin, dass die Gemeinde verpflichtet sei, ihre Entscheidung in einer Einwohnerversammlung den Bürgern mitzuteilen. Schließlich rief Bürgermeister Adolf Kahts zur Abstimmung. Prompt votierten alle sieben Gemeindevertreter dafür, mit der Gemeinde Kastorf Verhandlungen zu führen. Warum man sich schon im Vorwege für diese Lösung entschieden hatte, blieben die sieben Gemeindevertreter den Zuhörern im voll besetzten Feuerwehrhaus schuldig. Auch der Bürgermeister wollte sich zu den Gründen auf LN-Nachfrage nicht äußern.

Kreiswehrführer Michael Raddatz kündigte nach der Entscheidung an, dass er jetzt umgehend den Kreis als Aufsichtsbehörde für die Feuerwehren informieren und darum bitten werde, der Feuerwehr Düchelsdorf den Brandschutz ab dem 1. Januar 2015 abzuerkennen. Schließlich gebe es die Wehr eigentlich schon seit Jahren nur noch auf dem Papier. Das dürfte die endgültige Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr Düchelsdorf bedeuten. Was aus den acht Ehrenmitgliedern der Wehr wird, ist ungewiss. Ebenso ungeklärt ist die Frage, was mit dem Feuerwehrauto und der technischen Ausstattung und allen anderen Dingen, die der Wehr gehören, passiert.

„Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht“, sagte Bürgermeister Adolf Kahts. Die Mitglieder der Sierksrader Wehr und der Amtswehrführer verließen nach der Entscheidung des Gemeinderates den Saal.

Auflösung kein Einzelfall
Die Feuerwehr in Düchelsdorf ist nicht die erste ihrer Art, die aufgelöst wird. Kürzlich erst wurde die Ortswehr Anker im Amt Sandesneben/Nusse abgewickelt. Den Brandschutz für den Ortsteil Anker übernimmt seither die Gemeinde Lankau.



Im Nachbarkreis Stormarn hatten sich vor wenigen Monaten die Kameraden der Feuerwehr Barkhorst nach über 100—jährigem Bestehen für die Auflösung entschieden. Daraufhin wurde der Brandschutz an die Gemeinde Lasbek übertragen.

Jens Burmester

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