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E-Autos sind im Kreis kaum ein Thema

Mölln E-Autos sind im Kreis kaum ein Thema

Mehr Elektroautos bis 2020: Die LN haben sich bei Autohändlern im Lauenburgischen umgehört.

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Der neue Pastor der evangelischen Kirchengemeinde Nusse, Tobias Pfeifer, fährt, seit er vor drei Monaten nach Nusse kam, ein winzig kleines und sehr sparsames Elektroauto. Die maximal 90 Kilometer Reichweite pro Ladung reichen ihm völlig aus.

Quelle: Fotos: Burmester

Mölln. Bis 2020 sollen auf Deutschlands Straßen eine Million Elektroautos unterwegs sein. Das ist das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung. Im Kreis Herzogtum Lauenburg kann man die zugelassenen E-Autos fast an einer Hand abzählen. Die genaue Zahl lässt sich derzeit aber nicht ermitteln.

Offenbar gibt es bei vielen Händlern noch gar keine richtigen Elektroautos. Bei Volkswagen soll erst im Herbst ein E-Modell des VW Up auf dem Markt kommen. „In welchem Preissegment das Auto sich bewegen wird, ist noch nicht endgültig klar. Aber wir werden hier bei uns als einer von drei VW-Partnern in Schleswig-Holstein an einem Pilotprojekt zur Einführung des ‘E-Up‘ teilnehmen“, sagt Florian Jahnig vom Möllner Autohaus Riemer.

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Klein und unscheinbar sind die speziellen Ladesteckdosen.

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Bei Renault ist man schon etwas weiter. Dort wird schon seit einiger Zeit der Twizy vertrieben, den auch das Pastorenehepaar Tobias und Doris Pfeifer erwarb. Doch das Modell sei gar kein Auto, sondern von der Zulassung her ein Quad, erklärt Renault-Händler Detlef Osterhoff aus Sandesneben. Dennoch sei der französische Autobauer wohl führend bei den E-Autos. Immerhin werden vier verschiedene Modelle angeboten. „Der Kangoo und der Fluence sind allerdings umgebaute Verbrenner, der Twizy ein Quad, nur der Zoe ist ein echtes Elektroauto“, weiß Osterhoff. Der Händler aus Sandesneben hat genau so ein Modell jetzt bestellt, will es seinen Kunden näher bringen. „Eine Million E-Autos bis 2020 sind utopisch“, sagt Osterhoff. Die Regierung könne froh sein, wenn man am Ende ein Viertel schaffe.

Osterhoff war kürzlich in Amsterdam und ist davon überzeugt, dass man es dort richtig anpackt: „Wir können solche Fahrzeuge nur dann verkaufen, wenn wir den Kunden die Modelle zeigen und die dann auch damit Probefahren können. Wir müssen die Kunden überzeugen — und das geht nur, wenn man das Modell auch direkt ausprobieren kann.“ Überdies biete die holländische Stadt den Besitzern von Elektroautos kostenloses Parken und ebenso kostenloses Aufladen der Batterien. Es reiche eben nicht, dass die Händler viel dafür tun, solche Autos zu verkaufen. Die Kommunen seien genauso gefordert, dabei durch solche Programme wie in Amsterdam zu unterstützen, so Osterhoff.

BMW wird wohl auch noch in diesem Jahr ein E-Auto auf den Markt bringen, Mercedes schickt den Smart mit E-Antrieb auf die Straße. Im Möllner Ford-Autohaus an der Salzstraße weiß man zwar, dass in der vergangenen Woche gerade die Fertigung des Ford Focus Electric begonnen hat. Wann aber ein erstes Modell in Mölln auf dem Hof steht, konnte man nicht sagen.

So bleibt am Ende eher die Erkenntnis, dass es zwar Fortschritte in Sachen Elektroauto gibt, dass aber der Wille, am Ende des Jahres 2020 eine Million Elektroautos auf den deutschen Straßen zu haben, völlig utopisch ist. Einzig die Hersteller der zur Zeit noch teuren Akkus für solche Autos haben schon viele Fortschritte gemacht. Renault möchte offenbar das Projekt „better place“ verfolgen. Dabei geht es darum, Tauschstationen für Akkus einzurichten. Die Akkus gehören „better place“ und sind dann nur geleast.

Hans-Joachim Dwilling aus Klein Zecher bei Ratzeburg fährt schon seit etwa zehn Jahren mit einem Elektroauto. Allerdings muss er seine Fahrten derzeit ein wenig einschränken, da die Akkus in seinem betagten Auto inzwischen altersschwach sind und kaum noch Leistung bringen. „Wenn ich jetzt die alten Akkus gegen moderne Lithium-Ionen-Akkus ersetzen möchte, kostet dass viel Geld. Ich bin nicht sicher, ob ich dass noch investieren will oder ob ich mir ein neues Elektroauto zulege. Da bin ich gerade in einer gewissen Findungsphase“, sagt Dwilling im Gespräch mit den LN.

Natürlich hat der Mann aus Klein Zecher auch noch ein Auto mit Otto-Motor. „Ganz ohne geht das einfach nicht“, weiß der Mann, der von erneuerbaren Energien überzeugt ist. Im Winter könne man kaum mit dem Elektroauto fahren, weil die Heizung zu viel Strom verbrauche und so die Reichweite enorm einschränke. In der dunklen Jahreszeit sei der Energieverbrauch durch Licht auch deutlich höher.

Was Hans-Joachim Dwilling aber stört, sind die Gebühren, die man beispielsweise in Mölln zahlen muss, wenn man sein Elektroauto an eine öffentliche Steckdose anschließen will. „Dafür muss man zum Abstellplatz für Campingwagen am alten Klärwerk fahren und die Stellplatzgebühr für einen Tag zahlen. Das waren einmal sieben Euro“, sagt Dwilling.

In Ratzeburg sei das besser geregelt, so Dwilling. Da könne man am Aqua Siwa auf dem dortigen Wohnmobilplatz kostenlos stehen und müsse nur den Strom bezahlen. Das gehe wie ein Staubsaugerautomat an einer Tankstelle immer 50-Cent-weise. Für sein Auto sei das völlig ausreichend.

Bisher nur wenige Tankstellen
„In Schleswig-Holstein gibt es derzeit circa 20 öffentliche und etwa 30 private oder halböffentliche Stromtankstellen bei verschiedenen Firmen“, erklärt Volker Mielisch, Sprecher der EON Hanse. Im Kreis Herzogtum Lauenburg allerdings hätten seine Kollegen keine öffentliche Tankstelle gefunden, sondern nur eine halböffentliche im SenerTec Center in Lauenburg.

Jens Burmester

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