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Lauenburg Echte Flammen wie im Ernstfall
Lokales Lauenburg Echte Flammen wie im Ernstfall
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18:13 05.07.2017
Diese drei Ratzeburger Feuerwehrmänner tragen drei unterschiedliche Schutzanzüge. Sie testen zurzeit unterschiedliche Modelle. Quelle: Fotos: Timo Jann

Vor der Sommerpause absolvieren Ratzeburgs Feuerwehrleute traditionell eine Einsatzübung. Doch als die Retter von der Wache am Dienstagabend zum Übungsort an der Kolberger Straße fuhren, ahnten sie wohl, dass sie diesmal ein besonderes Szenario erwarten würde: Über dem Viertel stiegen Rauchwolken auf, beim Einbiegen in die Kolberger Straße waren aus dem bereits teilweise abgerissenen alten Aldi-Markt lodernde Flammen zu sehen. „Wir haben hier Dank der Unterstützung von Aldi und des Abrissunternehmens eine perfekte Möglichkeiten, einmal richtig zu üben“, erklärte Feuerwehrchef Christian Nimtz. „Sonst müssen wir ja immer aufpassen, um nicht irgendwo etwas zu beschädigen, das war hier kein Problem“, sagte der Wehrführer.

Ratzeburger Wehr probte in teilweise abgerissenem, brennenden Aldi-Markt.

Gegen 19.30 Uhr fuhren die Einsatzfahrzeuge an der Kolberger Straße vor. Unter dem Rolltor der rückwärtigen Ladezone brannte ein alter Autoreifen, in den früheren Sozialräumen brannte in einer WC-Kabine etwas Holz. Das Feuer erfasste auch das Dach, was die Retter vor eine authentische Situation stellte. Nimtz: „Die Nagelplattenbinder des Dachstuhls, die in solchen schnell errichteten Gebäuden zum Einsatz kommen, haben keinerlei Brandwiderstand. Das war hier gut zu sehen.“

Während sich mehrere Löschtrupps mit Atemschutzgeräten ausrüsteten, wurde das Teleskopmastfahrzeug in Stellung gebracht. Die Zug- und Gruppenführer mussten die etwa 50 eingesetzten Kräfte dann koordinieren. Parallel zur Brandbekämpfung gingen mehrere Trupps zur Personensuche vor: Standard beim Einsatz mit als vermisst gemeldeten Menschen. „Hier waren die Zugänge allerdings eher schwierig, was eine besondere Herausforderung darstellte“, so Nimtz. Das Rolltor an der Ladezone musste mit dem Rettungsspreizer geöffnet und gehalten werden, die Atemschutzträger mussten sich darunter durch zwängen. Dahinter wartete dann eine massive Stahltür auf die Atemschutzträger, die sie mit einem Trennschleifer öffnen mussten. Auf der Vorderseite ging es über Trümmer hinweg in die Nebenräume. Dort musste das Feuer bekämpft werden. Vom ausgefahrenen Teleskopmastfahrzeug aus ging es an den bereits aufgerissenen Dachfirst.

Zahlreiche Schaulustige verfolgten die große Einsatzübung, anfangs hatten mehrere Passanten und Anwohner sogar Notrufe abgesetzt. „Es sah schon verdammt realistisch aus“, urteilte Nimtz, für den es als Wehrführer die erste große Einsatzübung war. Eineinhalb Stunden lang übte die Feuerwehr. Nachdem quasi die erste Phase unter Kontrolle war, kam auch eine Gruppe des Technischen Hilfswerks (THW) dazu. „Wir pflegen ja ohnehin eine gute Zusammenarbeit und konnten bei der Größe des Objekts alle trainieren“, so Nimtz. Er besprach den Übungsablauf anschließend mit seiner Mannschaft. „Einige Dinge hätten besser laufen können, etwa die Fahrzeugaufstellung. Aber dafür üben wir ja“, sagte er. Außerdem zeigte sich, dass, wenn mit der noch neuen Digitalfunktechnik in mehreren Gruppen gearbeitet werden muss, weitere Schulungen notwendig sind, damit die Kommunikation klappt.

Neue Schutzkleidung im Test

Für die Feuerwehr war es eine gute Gelegenheit, verschiedene Modelle moderner Schutzkleidung zu testen. 2018 und 2019 will die Stadt Ersatz für die in die Jahre gekommenen Anzüge ihrer ehrenamtlichen Retter beschaffen. „Wir testen deshalb zurzeit verschiedene Jacken und Hosen. Da bot sich die Übung an, um erste Erkenntnisse aus der Praxis zu erlangen“, berichtete Wehrführer Christian Nimtz. Von den Tests hängt ab, welches Modell beschafft wird. tja

Timo Jann

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