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Lauenburg „Ed“, der Lieblingspolizist der Kinder
Lokales Lauenburg „Ed“, der Lieblingspolizist der Kinder
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01:08 20.08.2017

 „Wir sind die einzige Polizeibühne, die es in Schleswig-Holstein noch gibt“, sagt Ralf „Ed“ Kretz aus Bad Oldesloe, der seit neun Jahren zusammen mit Nadine Hamm und Mira Buchmann für 550 Kindergärten in Stormarn, Herzogtum Lauenburg, Lübeck, Ostholstein und Segeberg den Kasper macht. „In Flensburg und Neumünster wird die Verkehrserziehung mittlerweile von zivilen Spielern übernommen“, sagt Kretz. Er wünscht sich, dass der Vorhang für den Verkehrskasper der Polizei noch lange nicht fällt. „Wir hoffen, dass die neue Landesregierung ihn fortführen wird.“

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Der 57-jährige Ralf „Ed" Kretz ist als Verkehrskasper einzigartig.

Wenn Kretz und seine Kolleginnen spielen, brauchen sie keine Polizeisirene, im begeisterten Geschrei der Kinder wäre sie ohnehin nicht zu hören. Da wandert die Polizei-Mütze der Beamtin wie von Geisterhand davon, Ente „Watschel“ versteht alles falsch, Polizeihund „Schnuffeline“ stellt sich tölpelhaft an, und wenn der Kasper schnarcht, wackeln die Vorhänge.

Mit all dem Spaß werden wichtige Botschaften transportiert, allen voran, wie man sicher über die Straße kommt. „Die Aufgabe des Verkehrskaspers ist es, spielerisch die Verkehrsregeln beizubringen“, beschreibt Kretz das Erziehungsziel, dem „die Arbeit mit Kindern Spaß macht“. Er sagt: „Und man tut dabei auch noch etwas Gutes.“

„Watschel“ trägt einen Helm, weil sie Rad fährt – Prävention ist wichtig und bleibt auch Kleinen schon im Gedächtnis. „Ich erinnere mich bis heute, dass in meiner Kinderzeit der Kasper da war“, sagt Nadine Hamm. Polizisten live zu sehen ist für Kinder ein zusätzlicher Reiz. „Der Erstkontakt zur Polizei ist wichtig, um Ängste zu nehmen“, hat Kretz gemerkt. „Kinder sollen auch lernen, dass sie sich, wenn sie Hilfe brauchen, immer an uns wenden können.“ Deshalb gehört es zu den Aufgaben der Polizeipädagogen, in die Kindergärten zu gehen und praktische Übungen zur Verkehrserziehung anzubieten. Die Grundregel, wie man über die Straße geht, wird beim Polizeikasper in Gedichtform an die Zuschauer gebracht. Links, rechts, links gucken, aber dann tritt der garstige Verkehrsschreck auf. Der flüstert den Kindern gefährliche Dinge ein, und natürlich wollen sie Kasper helfen, ihm das Handwerk zu legen.

„Es macht Spaß“, bilanziert Kretz, „wenn man als Erwachsener mit Puppen spielen kann, wird man selber wieder Kind.“ Ehe Kretz in die Kasperrolle schlüpfte, war er 17 Jahre lang bei der Autobahnpolizei und zehn Jahre auf der Wache. Das neue Kapitel seiner Laufbahn bringt viel Kreativität mit sich, auch wenn das Stück immer dasselbe ist. Improvisation ist gefragt, denn durch die Zwischenrufe kann die Geschichte auch mal unerwartete Wendungen nehmen.

„Ed“ Kretz kennt die Bühne nicht nur von hinten, er steht auch als Frontsänger seiner Rock-Band „Dog Hill Session“ darauf, dann aber ohne Zipfelmütze. „Ich bin erst spät zur Musik gekommen“, erzählt der 57-Jährige, „meine Tochter hat mit ihrer Band in unserem Keller geprobt.“ Kretz wollte auch mal, ein paar Freunde ebenso, und schon sprang der Funke über. Heute sind sie regelmäßig die Stars beim Oldesloer Stadtfest und treten in der Region auf.

Bad Oldesloe ist Kretz Heimat. „Hier lebe ich seit meinem zehnten Lebensjahr“, sagt er. Seine Freunde haben ihm den Spitznamen „Ed“ verpasst, weil er einem Schlagzeuger namens Ed so ähnlich sieht, und „Ed“ ist er geblieben.

Als Schüler schon ist er beim Vogelschießen mitgelaufen – bis heute. „In diesem Jahr darf ich zum 15. Mal den Umzug anführen.“ Seit fünf Jahren kann man ihn auch bei der Oldesloer Bühne erleben. Wen wundert es da, dass Kretz auch einen eigenen Shanty Chor hat? Klar, dass ihm das Kasperlied leicht über die Lippen geht.

Die Geschichte des Verkehrskaspers

Der Verein zur Förderung der Methode Puppenspiel in der Kriminal- und Verkehrsprävention (VPKV) erzählt auf seiner Internetseite unter der Adresse www.vkpv.de die Geschichte des Verkehrskaspers.

In Neumünster wurde 1954 die erste Handpuppenbühne ins Leben gerufen, die erste Polizeipuppenbühne überhaupt wurde 1948 in Hamburg aus der Wiege gehoben.

Wegen der großen Nachfrage und der nicht zu übersehenden Erfolge wurde 1958 in Flensburg eine weitere Bühne geschaffen und 1975 eine zweite Bühne in Neumünster, die 2002 nach Bad Oldesloe verlagert wurde.

 Bettina Albrod

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