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Lauenburg Ehemalige Teppichfabrik fristet trauriges Dasein
Lokales Lauenburg Ehemalige Teppichfabrik fristet trauriges Dasein
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13:30 30.12.2017
Das 22 Hektar große Grundstück der ehemaligen Teppichfabrik an der Düneberger Straße verkommt zusehends. Ein Ergebnis bei den Kaufverhandlungen zwischen Stadt und Insolvenzverwalter ist nicht in Sicht. Quelle: Foto: Timo Jann
Geesthacht

Damit wären bei einem Verkauf oder Teilverkauf der Fläche keine anderweitigen Nutzungen möglich. „Wir wollen so verhindern, dass sich jemand Filetstücke rauszieht“, erklärt Torben Heuer, der Sprecher der Stadtverwaltung. „Dieser Beschluss der Ratsversammlung stärkt meine Verhandlungsposition“, gibt sich Bürgermeister Olaf Schulze (SPD) überzeugt. „Ich bin dankbar für diesen Beschluss“, so Schulze.

Einst preisgekrönt für Industrie in der Landschaft, heute Zankapfel: Die ehemalige Teppichfabrik an der Düneberger Straße.

Der Bürgermeister hatte im Herbst Kontakt zu Insolvenzverwalter Udo Müller (Hannover) aufgenommen und offiziell Kaufverhandlungen begonnen. Land und Bund würden Kauf und Entwicklung des Geländes an der Düneberger Straße bei einem Eigenanteil der Stadt von 800 000 Euro mit der doppelten Summe fördern.

„Wir ziehen alle an einem Strang, und das ist für das Projekt gut so“, sagt der Bürgermeister.

Doch Insolvenzverwalter Müller kann dem Beschluss der Stadt nicht allzu viel abgewinnen. „Das ist Kasper- und Kinderkram, was die da anstellen, ich denke mir dazu meinen Teil“, berichtet der Insolvenzverwalter. „Der Bürgermeister kommt und bietet mir einen Euro an, aber welcher Insolvenzverwalter verkauft 220000 Quadratmeter für einen Euro?“, fragt er. „Von mir aus kann das alles so bleiben. Aber dann ändert sich fünf oder zehn Jahre nichts, außer, dass der Gebäudezustand schlechter wird“, sagt Müller. Er, Müller, müsse im Sinne der Gläubiger verhandeln und spreche deshalb auch mit Investoren und Projektentwicklern, die sich für die Gesamtfläche interessieren würden.

Müller: „Aber die gehen dann ins Bauamt der Stadt, sprechen dort mit Ideen vor und bekommen zur Antwort, dass man ja gar nicht wisse, was man dort möchte. So kann das nichts werden.“

Die Norddeutsche Teppichfabrik war 2014 in die Insolvenz geraten, das Unternehmen Vorwerk (Hameln) hatte noch bis Herbst 2016 einen Teil der Produktion aufrecht erhalten, dann wurde die Ära der Teppichfabrik in Geesthacht komplett beendet.

„Wir haben zur Entwicklung des Geländes die Fördermittel in Aussicht und wollen deshalb eine Komplettlösung“, erklärt Bürgermeister Schulze. Doch konkrete Pläne gibt es trotz bereits vor Jahren angelaufener Diskussionen bisher nicht. Angedacht sind Wohnungsbau und Gewerbe.

Ein Investor war sich zum angeblichen Preis von fünf Millionen Euro bereits mit Müller einig, doch dann kamen vor einem Jahr Altmetalldiebe und plünderten die Fabrik aus. Die entkernten Gebäude sind heute ohne hohe Investitionen in die Infrastruktur nichts mehr wert, daher scheiterte das Geschäft. Seitdem liegt das Gelände brach, Vandalen haben viele Gebäude verwüstet.

Uneinigkeit im Kreis: Denkmal oder nicht?

Denkmalschützer halten Teile der ab 1953 von Hubertus Rösel aufgebauten Teppichfabrik für schützenswert. „Der Denkmalschutz verhindert eine sinnvolle Entwicklung“, sagt Insolvenzverwalter Udo Müller. Nachdem vor einem Jahr Teile des Areals verwüstet worden waren, forderte die bei der Kreisverwaltung angesiedelte Untere Denkmalschutzbehörde Müller auf, Maßnahmen zur Sicherung des Denkmals zu unternehmen. „Damals hatte man mir eine Frist von 14 Tagen gesetzt, eine Fristverlängerung wurde abgelehnt“, erinnert sich der Insolvenzverwalter und beauftragte einen Gutachter, die Denkmalwürdigkeit einzuschätzen. „Der sah keine Veranlassung, die Gebäude als Denkmal einzuschätzen“, so Müller. Parallel ließ er eine Architektin ermitteln, was Sicherungsmaßnahmen kosten würden.

„Das Nötigste zu tun hätte 100000 Euro gekostet.“

Im Juli fragte der Kreis erneut nach dem Stand der Sicherungsmaßnahmen und gewährte plötzlich eine Frist bis 30. August. Müller beauftragte einen Rechtsanwalt, der dem Kreis mitteilte, die Maßnahmen seien unverhältnismäßig. „Von da an reagierte der Kreis nicht, bis mein Anwalt im November nachfragte und eine Klage auf Feststellung, es sei kein Denkmal, erhob. Daraufhin kam der Kreis zu der Erkenntnis, dass er gar nicht zuständig sei. Ich habe den Eindruck, man weiß selbst nicht, ob es wirklich ein Denkmal sein muss und fürchtet sich deshalb davor, dass ich mir das Geld, sollte ich jetzt Sicherungen einleiten, zurückholen würde“, meint der Insolvenzverwalter. Und deshalb passiert von seiner Seite her jetzt nichts außer einer regelmäßigen Verkehrssicherung.

Timo Jann

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