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Lauenburg Ein Betreuungsverein geht leer aus
Lokales Lauenburg Ein Betreuungsverein geht leer aus
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22:25 25.10.2013

Ihnen ist der „Papierkram“ über den Kopf gewachsen: Rund 150 Menschen, die allein nicht mehr zurecht kommen in ihrem Alltag, erhalten Unterstützung vom Betreuungsverein Schwarzenbek. Wie lange noch, wird sich zum Jahresende entscheiden. Der Kreis will nur noch einen der beiden Betreuungsvereine fördern: Schwarzenbek oder Büchen-Ratzeburg.

Im Rahmen der Haushaltssitzung im Dezember wird der Kreistag festlegen, welcher Verein im Kreis mit welchen Mittel gefördert wird. Um die Zuwendung für die Betreuungsvereine geht es allerdings nicht mehr. Hier läuft bereits eine Ausschreibung. Ab 2014 soll nur noch ein Betreuungsverein mit Mitteln in Höhe von 30 000 Euro gefördert werden. „Eine Folge der notwendigen Konsolidierung des Kreishaushaltes“, sagt Kreissprecher Karsten Steffen.

Der Schwarzenbeker Verein hat gerade sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. „Wir möchten unsere erfolgreiche Arbeit fortsetzen, brauchen dazu die weitere finanzielle Förderung“, sagt Geschäftsführerin Annette Reimers. In der Geschäftsstelle gibt es drei hauptamtliche Betreuerinnen, außerdem rund 100 ehrenamtliche Betreuer, die von den Mitarbeiterinnen ausgebildet und beraten werden. Bisher gab es Fördermittel von Land und Kreis, 50 000 Euro für jeden der beiden Betreuungsvereine. Nun aber will der Kreis seinen Anteil von rund 27 000 auf 30 000 Euro im Jahr erhöhen, aber nur noch einmal ausgeben. „Dann müssen wir die Sprechstunden reduzieren, die Zahl und Ausbildung der Ehrenamtlichen zurück fahren und selbst noch mehr Betreuungen übernehmen“, sagt Reimers.

Der Bedarf an Betreuungen sei in den vergangenen Jahren um etwa zehn Prozent gestiegen, schätzt Reimers. Die Frage nach einer gesetzlichen Betreuung stelle sich nicht nur im Alter. Reimers: „Die Notwendigkeit einer Betreuung kann von einem Moment zum anderen jeden treffen. Unfälle, schwere Erkrankungen, Depressionen, Desorientiertheit können dazu führen, dass jemand nicht mehr in der Lage ist, für sich selbstverantwortlich zu handeln.“ Eine Betreuung ist notwendig, wenn der Betroffene zu vielen selbstverständlichen Dingen im Alltag nicht mehr in der Lage ist: seine Geldgeschäfte zu regeln, Banküberweisungen zu tätigen, seine Miete rechtzeitig zu zahlen, seinen Versicherungen auf dem laufenden zu halten, zu Ärzten zu gehen, sich mit Behörden auseinander zu setzen, seine Rente zu beantragen. Zunehmend tauchen auch Fragen um Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen auf. Welche Ansprüche bestehen bei der Pflegeversicherung, welche ambulanten Versorgungsmöglichkeiten gibt es? „Die Menschen werden immer älter. Kinder sind oft weit weg. Eine Betreuung heißt aber nicht, dass der Betreuer persönlich Pflegeverrichtungen durchführt“, betont Reimers. Vielmehr sei er Bindeglied zu den Behörden.

Sorgen um die Zukunft macht sich auch der Betreuungsverein Büchen-Ratzeburg, der rund 100 Personen im Norden des Kreises berät. „Wir sind vor vier Jahren extra von Büchen nach Ratzeburg gezogen, um den Nordkreis abzudecken“, sagt Christina Jerratsch, eine der beiden hauptamtlichen Betreuerinnen. Nun sei der Verein aufgefordert worden, sich bis zum 4. November im Rahmen eines „Beleihungsvertrages“ um die Kreis-Mittel zu bewerben. Es geht um die oben genannten 30 000 Euro ab 2014 für die nächsten fünf Jahre. „Wenn die Mittel gekürzt werden, kann der Verein nur noch eine Mitarbeiterin finanzieren“, bedauert Jerratsch.

Fürsorge, nicht Pflege
Bei der Betreuung (früher Vormundschaft) handelt es sich um die Fürsorge für eine Person, die aufgrund von Krankheit oder Behinderung ihre Angelegenheiten vorübergehend beziehungsweise dauerhaft nicht selbst regeln kann. Hiervon sind rund 1,3 Millionen Bundesbürger betroffen.


Zuständig für die Anordnung einer Betreuung ist das Betreuungsgericht (Teil des Amtsgerichts). Hilfestellung hierzu geben die Allgemeinen Sozialen Dienste, die örtlichen Betreuungsbehörden, Betreuungsvereine sowie fachkundige Rechtsanwälte.

• www.familienratgeber.de
Betreuungsverein Schwarzenbek, Montag bis Freitag 9 bis 11.30 Uhr, Hamburger Straße 1, Telefon 0 41 51/30 16.


Betreuungsverein Büchen- Ratzeburg, Öffnung: Dienstag 9 bis 13 Uhr, Donnerstag 14 bis 17 Uhr, Große Wallstraße 9 in Ratzeburg, Telefon 0 45 41/85 79 90.

Silke Geercken

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