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Lauenburg Ein Jahr nach dem Hochwasser
Lokales Lauenburg Ein Jahr nach dem Hochwasser
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12:57 11.01.2019
Hochwasser Quelle: LB
Brunstorf

Sintflutartige Regenfälle sorgten im Januar 2018 für einen Großeinsatz von Feuerwehr und THW im Süden des Kreises Herzogtum Lauenburg. Seitdem ist viel geschehen, um eine Wiederholung zu vermeiden.

Hunderte Helfer von THW und Feuerwehr kämpfen mit aus ganz Schleswig-Holstein angeforderten Hochleistungspumpen tagelang rund um die Uhr gegen die Fluten. Die Ursache für die Wassermassen waren starke Regenfälle und durchnässte Böden, die nichts mehr aufnehmen konnte. Die Gründe für die Folgen waren hingegen vielerorts Versäumnisse und Fehler der Vergangenheit.

Entsprechend laut waren noch während des Einsatzes der Rettungskräfte die Forderungen nach Veränderungen. Und ein Jahr später ist tatsächlich einiges angeschoben.

Gemeinde hat saniert

In Brunstorf, wo sich vor einem Jahr das Wasser der gesamten Region im völlig überlasteten Siekgraben gesammelt einen Teich überflutet hatte und die Kläranlage teilweise überspült wurde, hat die Gemeinde kräftig investiert. Und auch der trockene Sommer zeigt seine Wirkung.

So hat die Gemeinde die Auffahrt zum Klärwerk erhöhen und zwei Trümpfe einsetzen lassen. Der Bereich war bislang die niedrigste Stelle, sodass das Regenwasser über die Auffahrt in Richtung Klärteiche strömte. Auch das verstopfte Leerrohr mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern, dass bei Starkregen eigentlich zusätzlich Wasser unter der Straße durchleiten sollte, wurde gereinigt und der Schacht neu verfugt.

Komplizierte Situation in Kollow

„In diesem Jahr wird außerdem unser Klärwerk saniert“, kündigt Bürgermeister Claus-Heinrich Nesemann an. „Wir sind zwar keine reiche Gemeinde, aber wir versuchen das mit günstigen Mitteln und eventuellen Zuschüssen hinzubekommen.“ Denn das Klärwerk sei einfach oberwichtig und lebensnotwendig und als Bürgermeister habe er zusammen mit den Mitgliedern des Gemeinderates die Verantwortung für 740 Einwohner, so Nesemann. Auch die Wasserbehörde habe die bereits erfolgten Maßnahmen schon abgenommen.

Deutlich komplizierter ist die Situation in Kollow. Das Speichervolumen der drei dort vorhandenen Teiche reicht zur Hochwasser-Abwehr nicht aus, beschreibt Bürgermeisterin Ines Tretau die Situation. Neu ist die Erkenntnis nicht, aber bei der Suche nach Lösungen hat die Gemeinde anders als in früheren Jahren Unterstützung. „Der neue Landrat Dr. Christoph Mager hat uns direkt das dem Hochwasser Unterstützung zugesagt und zwei Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde zur Seite gestellt. Ich bin glücklich, dass wir als Gemeinde nun auf diese Fachkompetenz zurückgreifen können“, sagt Tretau.

Kollow setzt auf private Firma

Nach der Bestandsaufnahme sei klar, dass mehrere Faktoren letztlich zu den kritischen Situationen führen: Einerseits seien bereits bei der Flurbereinigung falsche Berechnungen für das Wasseraufkommen zugrunde gelegt worden. Dann seien in den Jahrzehnten zahlreiche Drainagen zusätzlich angeschlossen worden und nicht zuletzt weitere Flächen versiegelt worden, sodass das Wasser dort nun zusätzlich oberflächlich abfließe.

„Früher war als Lösung ein zweiter Straßendurchlass gefordert worden. Aber das würde das Problem nur in andere Orte verlagern“, sagt Tretau. Einzige Lösung sei, dass Wasser länger „in der Fläche zu halten“. Aber die Äcker und der Gülzower Forst seien Privateigentum und daher alles nicht so einfach. Eine Lösung werde daher noch dauern. Immerhin: Damit beim nächsten Hochwasser nicht wieder Einsatzkräfte aus ganz Schleswig-Holstein mit ihren Hochleistungspumpen anrücken müssen, kann die Gemeinde künftig auf die Unterstützung einer privaten Firma zurückgreifen. Auch eine Straßensperrung soll dann nicht mehr erforderlich sein, so Tretau.

Viel Unverständnis bei der Denkmalpflege

Die Hände eher gebunden sind der Gemeinde Kuddewörde in Bezug auf die Situation an der Grander Mühle. Zuständig sei der private Eigentümer des denkmalgeschützten Gebäudes. Das weiß auch Bürgermeister Wolfgang Gerlach. Dieser sei dabei, mit einem Ingenieurbüro ein Konzept zu erarbeiten. Allerdings habe dieser mit der „engstirnigen Denkmalpflege beim Kreis“ zu kämpfen. „Dort gibt es leider sehr viel Unverständnis“, klagt Gerlach.

Um das Gebäude wirksam zu schützen, sei eine Spundwand erforderlich – und zwar dort, wo inzwischen dauerhaft eine Sandsackbarriere liegt. „Wir wollen, dass es die Grander Mühle auch noch in 100 Jahren gibt. Aber wenn der Kreis so weitermacht, wird es bald kein zu schützendes Gebäude mehr geben“, sagt Gerlach. Auch das Wegräumen umgestürzter Bäume im Unterlauf der Bille, würde aus Gerlachs Sicht helfen. Doch auch das bestreite der Kreis.

„Wir sitzen in der Klemme“

Ein Baustein, der einen – Gerlach spricht von einem angeblichen – Beitrag zur Verbesserung der Situation beitragen könnte, wäre ein Abriss der historischen Brücke. Einst fuhren dort die Autos drüber, inzwischen wird sie nur noch von Gästen der Grand Mühler zwischen Parkplatz und Restaurant genutzt. „Für einen Abriss würden wir vielleicht EU-Mittel bekommen. Aber die Kosten für einen Neubau würden bei der Gemeinde hängen bleiben“, sagt Gerlach und spricht von 150000 Euro – Geld, das die Gemeinde nicht hat. Zumal auch die andere Bille-Brücke an der Kirche eigentlich ersetzt werden müsste. „Wir sitzen also in der Klemme zwischen zwei Brücken“, sagt Gerlach.

Hochwasser sind natürliche Prozesse

Deutlich entspannt hat sich immerhin die Situation in Aumühle. Das Wehr am Mühlenteich, das noch vor einem Jahr zu brechen drohte, ist dieses inzwischen saniert und die Brücke zumindest für Fußgänger wieder begehbar. „Zumindest von Aumühler Seite hat sich das Thema erledigt“, sagt Bürgermeister Knut Suhk. Was bleibe, sei das Problem der Brück an sich und der Befahrbarbeit durch Fahrzeuge. Aber das müssten der Kreis und die bismarcksche Verwaltung untereinander klären, so Suhk.

Der Kreis warnt allerdings davor, sich an allen kritischen Orten in falscher Sicherheit zu wähnen. „Hochwasser sind natürliche Prozesse im Gewässer und im Wasserhaushalt. Daher werden sich diese nicht gänzlich vermeiden lassen“, heißt es.

Holger Marohn

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