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Lauenburg Ein Konzert, das die Herzen berührte
Lokales Lauenburg Ein Konzert, das die Herzen berührte
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20:34 06.11.2017
Karolin Broosch kam mit ihrem Orchester „Camerata Laranjeiros“ am Sonntag ins Schwarzenbeker Gymnasium. Quelle: Fotos: Silke Geercken
Schwarzenbek

Geigerin Karolin Broosch (36) war mit ihrem zehnköpfigen Orchester aus Rio nach Deutschland gekommen, stellte ihr Sozialprojekt mit jugendlichen Instrumentalisten einem breiten Publikum vor – und das spendete sicherlich nicht nur in Schwarzenbek begeisterten Applaus. Das Streichorchester hatte in Regensburg, München, Hamburg und Travemünde gespielt und flog Sonntagabend nach Brasilien zurück.

Von Mozarts Kleiner Nachtmusik bis zum temperamentvollen Lambada reichte das Programm. Das Konzert der „Camerata Laranjeiras“ am Sonntag im Schwarzenbeker Gymnasium bot eine große musikalische Abwechslung und berührte die Herzen der rund 150 Zuhörer gleich mehrfach.

Vor sechs Jahren war Karolin, die in Schwarzenbek aufgewachsen ist, über ihr damaliges Orchester von Oslo nach Rio gekommen, hatte sich zunächst in die Stadt, dann in ihren Mann Tiago verliebt, ebenfalls Geiger und Mitbegründer des Orchesters „Camerata Laranjeiras“. Beide unterrichten in ihrer Musikschule auch Jugendliche aus den Favelas und von der Straße. Wie begabt diese Jugendlichen sind, erlebten die Zuhörer am Sonntag. Das junge Orchester, die jüngste Geigerin ist 14, spielte Mozart, aber auch brasilianische Komponisten. Da durften auch das bekannte Lied Ipamena, gesungen von Karolin, begleitet am Cello von ihrem Lübecker Musikkollegen Daniel Sorour, sowie der Tanz Lambada nicht fehlen. Für dieses Stück hatte sich das kleine Orchester instrumentale Verstärkung von Schülern des Hamburger Luisen-Gymnasiums geholt. Hier hatte Karolin Abitur gemacht, bevor sie in Dresden Geige studierte. Das Konzert war ein wunderbares und zugleich berührendes Erlebnis, denn Karolin präsentierte sich nicht nur als souveräne Moderatorin, sondern erzählte auch von ihrer neuen Heimat, von den Menschen und den Erlebnissen, die das Orchester auf der Straße hat, denn jeden zweiten Sonnabend gibt es öffentliche Konzerte in Laranjeiros, dem grünen Stadtteil Rios. Auch die jungen Orchestermitglieder ließ Karolin zu Wort gekommen. Alle waren das erste Mal in Deutschland, in Gastfamilien untergebracht, erstaunt darüber, dass es hier nicht zweimal am Tag Reis und Bohnen gibt. Berührt aber auch von dem warmen Empfang der deutschen Gastgeber. Nach seinem beeindruckenden Geigensolo ergriff auch Karolins Ehemann Tiago das Wort, wünschte sich, dass der in Deutschland erfolgte Frieden zwischen Ost und West sich auch in seiner Heimat Rio verbreiten möge. Straßenkämpfe und Schüsse seien dort keine Seltenheit. „Auch dafür machen wir Musik, denn Musik verbindet, egal woher die Menschen kommen, welche Farbe sie haben“, übersetzte Karolin ihren portugiesisch sprechenden Mann. Ganz vorn im Publikum saß eine kleine Dame, die mit den mahnenden Sätzen nichts anzufangen wusste, obwohl sie Deutsch und Portugiesisch gleichermaßen versteht: die fünfjährige Tochter Line wartete geduldig, bis ihre Eltern zu Ende musiziert hatten. Sie freute sich schon auf den Rückflug und die 30 Grad Wärme in ihrer Heimat.

Von Silke Geercken

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