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15:17 07.04.2017
Nach 24-jähriger Tätigkeit als „Vörsitter“ des Freundeskreises Möllner Museum gab Hans am sein Amt ab. Quelle: Florian Grombein

Schwarzer Mantel, weißes Hemd und Schlips. Mit gepflegtem Zwirbelbart, kerzengrade auf seinen Stock gestützt, steht Hans Reis beim Fototermin auf dem Möllner Kopfsteinpflaster. Der Weg von der LN-Redaktion bis auf den Markt sei überhaupt kein Problem, betont der 87-Jährige. Der gelernte Bankkaufmann erblickte das Licht der Welt 1929 in Nusse, damals eine Lübecker Enklave, wie er betont.

 

Nach 24-jähriger Tätigkeit als „Vörsitter“ des Freundeskreises Möllner Museum hat Hans Reis sein Amt abgegeben. Quelle: Foto: Florian Grombein

„Ich habe das alles nie für die Urkunden gemacht. Es hat einfach Spaß gemacht.Hans Reis

Ehrenvorsitzender

des Freundeskreises

Möllner Museen

Die größten Spuren hat der engagierte Ehrenamtler allerdings in Mölln hinterlassen. Gerade ist er von seinem Posten als Vorsitzender des „Freundeskreises der Möllner Museen“ zurückgetreten – nach 24 Jahren an der Spitze des Vereins. Zwischen 2006 und 2016 ist es ihm und seine Mitstreitern gelungen, 200386 Euro und 57 Cent für Sanierungen und Reparaturen der Museen der Eulenspiegelstadt zu sammeln. Unter anderem die drei Filme über die Stecknitzfahrt sowie die Vorführungstechnik sind dem Verein um Reis zu verdanken.

„Wir haben uns immer gut verstanden im Freundeskreis“, sagt Reis. Nach dem Krieg gehörte das alte, ziemlich marode Rathaus noch dem Heimatbund und Geschichtsverein. Doch in der Beamtenstadt Ratzeburg habe man sich nicht um Gebäude in Mölln kümmern wollen, sagt Reis schmunzelnd. Neun Möllner, die sich gut verstanden, gründeten deshalb schließlich einen Verein: Den Freundeskreis Möllner Museen, der schon bald von zwölf Möllnern, inklusive Reis, gepflegt wurde. „Den zwölf Aposteln“, sagt der 87-Jährige und grinst breit. Später wuchs die Zahl der Mitglieder auf 72 an.

Der Verein habe die Geschicke des Historischen Rathauses im Jahr 1947 an sich genommen – inklusive 3000 Reichmark Schulden, die später in 300 D-Mark umgewandelt wurden. „Als das Rathaus leerstand und die Verwaltung nicht wusste, was sie damit machen soll, haben wir es an die Stadt verschenkt“, so Reis. Das sei in den 80er Jahren gewesen, als die Verwaltung ins neue Stadthaus zog. Mit der Schenkung legte man einen Grundstein für den heutigen Tourismus und den heutigen Sitz der Kurverwaltung im alten Rathaus.

Auf die Frage, wie er auf die Idee kam, sich für die Möllner Museen zu engagieren, sagt er nur: „Weil man mich gefragt hat.“ Das war bereits in den 1950er Jahren. Seine Antwort zeigt, wie das Selbstverständnis, sich freiwillig für eine Sache einzusetzen, sich im Laufe der Zeit geändert hat. Doch sicher sei es auch das Interesse an Geschichte und der alten Stadt Mölln gewesen.

Reis selbst bringt eine ganze Liste von Daten und Vereinsmitgliedschaften mit in die LN-Redaktion. Bereits 1972 spielt er im Polizeiorchester der Hansestadt Lübeck von 1912 das Flügelhorn. „Bei Musik kann man alles andere um sich herum vergessen“, sagt er. Das merkte er auch als musikalischer Leiter des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Niendorf/ St.. Musikfachwart des Kreisfeuerwehrverbandes wurde er auch und bekam 1994 das Deutsche Feuerwehrkreuz in Silber.

1983 dann wurde er vom Schriftführer zum Schatzmeister des Freundeskreises Möllner Museen – kein Wunder als gelernter Bankkaufmann. Zehn Jahre später dann übernahm er den Vorsitz und prägte die Arbeit der Museumsfreunde für 24 Jahre. Es sind aber auch noch seine Verdienste als Vorstandsmitglied im Heimatbund und Geschichtsverein, für die plattdeutsche Sprache bei der „Plattdütschen Vertellerrun’“ sowie seine frühere kommunalpolitische Tätigkeit als Ratsherr für die Freie Möllner Wählergemeinschaft zu nennen.

Für das ehrenamtliche Engagement ist der Möllner noch von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen mit der Ehrennadel des Landes ausgezeichnet worden. Außerdem spendete er bereits 60 Mal Blut – unentgeltlich, wie er betont. Und er ist im Besitz der Bismarck-Erinnerungsmedaille.

Wie er da so auf dem Markt steht, mit Zwirbelbart, gestützt auf seinen Stock, hat auch er etwas so Würdevolles wie der ehemalige Reichskanzler aus Aumühle. Reis: „Ich habe das alles nie für die Urkunden gemacht. Es hat einfach Spaß gemacht.“ Nach den kurzen und effizienten Sitzungen des Freundeskreises sei es immer schnell gemütlich geworden. Gemütliche Runden wird es hoffentlich noch viele geben. Reis bleibt den Freunden schließlich als Ehrenvorsitzender erhalten.

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Internet: www.helden-von-hier.de

 Florian Grombein

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