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Lauenburg Ein Österreicher im „Galerieholländer“
Lokales Lauenburg Ein Österreicher im „Galerieholländer“
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21:15 08.04.2016
Hoch ragt die anno1876 erbaute Windmühle nahe der Bille mit ihren unverwechselbaren roten Flügeln in den Himmel von Hamfelde. Gemahlen wird hier seit 1955 nicht mehr. Stattdessen wird umso mehr gefeiert. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Hätten Sie gewusst, dass Deutschlands kleinstes Hotel nur ein Gästezimmer, aber vier Flügel hat und im Amt Schwarzenbek-Land liegt? Des Rätsels Lösung: Bei diesem Mini-Hotel, das sich vor allem bei Hochzeitspaaren enormer Beliebtheit erfreut, handelt es sich um die Windmühle in Hamfelde — im lauenburgischen Teil des Doppel-Dorfes, wohlgemerkt.

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Seit 20 Jahren betreibt Siegmund Leypold die Mühle in Hamfelde — Mehr als 1000 Hochzeitsfeiern organisiert.

„Mehr 1000 Hochzeiten haben wir hier schon gefeiert“, erzählt Siegmund Leypold, der die 1876 erbaute Mühle vor genau 20 Jahren übernahm — zunächst als Pächter, ab 1999 dann als Besitzer. Leypold stammt aus Österreich und war vor seinem Wechsel in das kleine Dorf an der Bille Küchendirektor eines Fünf-Sterne-Hotels in Hamburg.

Mit Österreich hat die Hamfelder Windmühle auch historisch ein wenig zu tun: Im deutsch-dänischen Krieg von 1864 kämpften die Österreicher unter der Führung von Major von der Thann an der Seite der Preußen. Nach dem Sieg der preußisch-österreichischen Armee wurde im Vertrag von Gastein die Aufteilung der eroberten Gebiete festgelegt. Die Preußen erhielten das Herzogtum Schleswig, die Österreicher das Herzogtum Holstein — samt Hamfelde. Gegen Zahlung von 2,5 Millionen Dänischen Talern trat Österreich seine Rechte an den König von Preußen ab. Erst 1996 hatte dann erstmals wieder ein Österreicher das Sagen in der bereits vorher zum Restaurant umgebauten Mühle.

Korn gemahlen wurde hier nur bis 1955. Die Windmühle, einen Steinwurf vom Flüsschen Bille entfernt, war da noch keine 80 Jahre alt. Eine Mühle hatte am selben Ort aber schon vor der Errichtung des jetzigen Bauwerks gestanden, doch sie wurde anno 1874 ein Raub der Flammen.

Zwei Jahre später war der Neubau fertig. Von ihrem Besitzer ist nur überliefert, dass er Böttger hieß. 1896 übernahm Holm Christopher Rahn aus Dithmarschen die Mühle und erweiterte sie um einen kleinen Dorfladen und eine Bäckerei. 1929 legte Rahns Sohn Jürgen die Müller-Meisterprüfung ab, 13 Jahre später wurde er der Mühlen-Chef und blieb es bis 1969. Das Mahlen des Getreides (bei Windstille wurde das per Dampfmaschine, später mittels eines Dieselmotors erledigt) war da schon längst Geschichte, aber Jürgen Rahn und seine Frau Martha hatten umgesattelt und in dem Gebäude eine Gastwirtschaft eingerichtet, deren Motto „Futtern wie bei Muttern“ lautete.

1969 gab es wieder einen Besitzerwechsel, denn nun kaufte Hans Joachim Pirsch-Steigerwald die Mühle, renovierte sie gründlich und taufte sie in Pirschmühle um. Die Restauration wurde etwas gehobener, und gleich nebenan baute Pirsch-Steigerwald noch ein Hotel. Fast alles, was noch an die alte Mühlentechnik erinnerte, wurde ausgebaut, nur von außen sah das Bauwerk aus wie immer.

So blieb es auch, als Siegmund Leypold erst das Restaurant übernahm, später die ganze Windmühle kaufte und abermals viel Geld in die Verschönerung steckte. Außerdem gab er der Küche einen österreichischen Touch, und so finden sich denn auf der Speisekarte unter anderem eine Kalbskeule vom steirischen Hirsch, Wiener Zwiebelfleisch sowie Fritaten- oder Paradeisersuppen.

Die Pirschmühle ist ein öffentliches Restaurant, wird aber gern komplett oder in weiten Teilen für Feste gebucht, hauptsächlich für Hochzeitsfeiern. Der Rundbau wird dabei stets festlich dekoriert - und das gilt auch für das romantische Hochzeitszimmer oben im Gebäude.

Die restlichen Gäste der Feier müssen anderswo nächtigen, zum Beispiel im benachbarten Hotel. Das Brautpaar aber darf in der Mühle bleiben und dort zunächst die Hochzeitsnacht im Himmelbett und am nächsten Morgen dann den phantastischen Ausblick über Hamfelde hinaus bis weit ins Stormarnsche hinein genießen.

Seit knapp einem Jahr kann die Trauung in dieser Mühle sogar amtlich vollzogen werden: Das Standesamt Schwarzenbek-Land richtet hier auf Wunsch und sogar am Wochenende eine Außenstelle ein.

Technik der Windmühlen

Die Windmühle in Hamfelde gehört zu den so genannten „Galerieholländern“. Die Holländerwindmühlen verdrängten ab dem 16. Jahrhundert vor allem in den Niederlanden und in Norddeutschland die bis dahin üblichen Bockwindmühlen. Bei denen steht das gesamte Mühlenhaus auf einem einzigen dicken Pfahl, dem sogenannten Bock. Auf dem Bock kann die komplette Mühlenmaschinerie in den Wind gedreht werden. Diese Methode ist jedoch bei wechselnden Windrichtungen recht beschwerlich.

Die Holländerwindmühlen haben dagegen eine drehbare Kappe. Dieser Mühlentyp ist moderner und meist auch größer als die Bockwindmühlen. Durch die größeren Bauhöhen war es aber oft nicht mehr möglich, die Flügel zu erreichen. Zur ordnungsgemäßen Bedienung der Windmühle wurde deshalb eine Art umlaufenden Balkon oder Galerie angebaut. In Holland wurden die Windmühlen übrigens meist nicht zum Mahlen von Getreide, sondern als Pumpen-Antrieb zur Entwässerung von Poldern genutzt.

Von Norbert Dreessen

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