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Lauenburg Ein Schmuckstück, bis heute von der Elbe bedroht
Lokales Lauenburg Ein Schmuckstück, bis heute von der Elbe bedroht
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21:19 29.01.2016
Mara Emprechtinger arbeitet in der Restauratorenwerkstatt im Erdgeschoss des Hauses Elbstraße 68, hier mit Pigmenten für die Farbherstellung. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Dieser Bericht wäre beinahe nicht erschienen. Das Haus, um das es diesmal in unserer Serie geht, war nämlich am 11. März 1830 drauf und dran, zu verschwinden, und das auf höchst ungewöhnliche Weise: Enorme Eismengen drückten an jenem Tag auf das Gebäude, beschädigten es schwer und brachten es fast zum Einsturz.

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Das Haus an der Elbstraße wurde immer mal wieder saniert und gehört heute zu den hübschesten Gebäuden in der Altstadt.

Schuster Christian Reipke, damals Besitzer des Hauses an der Elbstraße in Lauenburg, ließ zum Glück die Schäden beseitigen, bekam aber auch erhebliche staatliche Beihilfen dafür. Das Eis war unaufhaltsam an das Haus herangerückt, weil die nur zehn Meter entfernte Elbe im Winter 1829/30 ein Vierteljahr lang zugefroren war. Als es nun zu tauen begann, setzte sich das gefrorene Wasser krachend in Bewegung — stromabwärts, aber auch seitlich. Den meisten Bauten an der Wasserseite der Elbstraße bekam das gar nicht gut.

Eis macht dem Gebäude heute kaum noch zu schaffen, Wasser schon eher. „Bei jedem Hochwasser säuft unser Keller ab“, erzählt Gerold Ahrends, der das Objekt mit der Adresse Elbstraße 68 gemeinsam mit seiner Partnerin Yvonne Erdmann vor neun Jahren erwarb.

Errichtet wurde das Haus im Jahr 1685, doch an der selben Stelle stand schon vorher ein Gebäude. Das Grundstück ist mit seinen 90 Quadratmetern vergleichsweise winzig. 70 Quadratmeter davon nimmt die Grundfläche des Hauses ein, der Rest entfällt auf die zur Flussseite gelegene Terrasse. Die drei Stockwerke weisen zusammen 180 Quadratmeter Wohn- und Arbeitsfläche auf.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Nutzung des Hauses immer wieder geändert. Hier gab es eine Schusterwerkstatt, eine Knopfmacherei, einen Zeitschriftenladen, ein Fachgeschäft für Hüte und Mützen und ein Architektenbüro. Und immer galt: Im Erdgeschoss wird gearbeitet, darüber wird gewohnt.

Das blieb auch so, als Gerold Ahrends und Yvonne Erdmann einzogen. Beide sind Restauratoren, die vor allem für Museen und Kirchen arbeiten. Viele der Kunstwerke, denen sie wieder ihren alten Glanz zurückgeben, werden vor Ort bearbeitet, manches aber auch in die Werkstatt nach Lauenburg mitgenommen.

Durch die Fenster im Erdgeschoss hat man einen guten Blick auf die Werkstatt, und manch Besucher der Altstadt bleibt hier stehen und schaut den Restauratoren bei der Arbeit zu.

Die Wohn-Geschosse oben im Haus sind rustikal, mit viel Holz liebevoll gestaltet und durch ein bodentiefes Fenster auch hell. Dieses Fenster war ursprünglich aber keins, denn die Öffnung war eine Luke, durch die angelieferte Ware per Seilwinde ins Haus geholt wurde.

Bei zwei Restauratoren ist es ja fast logisch, dass sie bei der Renovierung ihres Hauses auf historische Materialien wie Lehm, Kalk oder Leimfarbe Wert legten und morsche Balken gegen stabile, aber ebenfalls alte austauschten. Andererseits zog auch moderne Technik wie eine gasbetriebene Fußbodenheizung ins Gemäuer ein. „Wir haben lange nach einem so schönen alten Haus gesucht. Dass wir dieses hier gefunden haben, war ein echter Glücksfall“, sagt Yvonne Erdmann. Auf der einen Seite eine hübsche Altstadt, auf der anderen ein weiter Blick über die Elbe bis nach Niedersachsen, dazwischen pure Gemütlichkeit — das Glücksgefühl glaubt man ihr aufs Wort. Und an den meisten Tagen ist der Keller ja trocken . . .

Wenn Wasser über das Ufer der Elbe tritt
Hochwasser ist für die Bewohner der direkt am Fluss gelegenen Elbstraße in Lauenburg leider nicht selten. Dass es bei seinem Haus meistens bei der Keller-Überflutung bleibt, liegt laut Gerold Ahrends daran, dass dieser Teil der Elbstraße einen kleinen Buckel bildet und so etwas höher liegt als andere. „Wir wissen damit umzugehen“, sagt er scherzend: „Wir haben hier das Potenzial, Goldfische zu züchten“.
Ganz plötzlich komme das Hochwasser allerdings nie. „Etwa eine Woche Vorlaufzeit“ sorge dafür, dass man sich auf die Fluten vorbereiten könne. Wie hoch das Wasser dann genau im Haus stehe, könne man allerdings nie vorhersagen. Kurios: Einige Keller im Hochwassergebiet, die dem Wasser Stand halten, werden im Ernstfall gezielt geflutet, um Gegendruck zu erzeugen. Sonst könnten die Mauern bersten.

Norbert Dreessen

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