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Lauenburg Ein Stück deutscher Geschichte am Stecknitzkanal
Lokales Lauenburg Ein Stück deutscher Geschichte am Stecknitzkanal
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20:13 12.05.2017
Große Uhren, alte Öfen, viele Teppiche – das frühere Schleusenwärterhaus ist durchaus gemütlich eingerichtet. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen
Witzeeze

„Dieses Haus gehört nicht nur einer Familie, es ist ein Stück deutscher Geschichte und deutscher Kultur.“ Das sagt voller Inbrunst der Mann, der vor 21 Jahren das anno 1720 erbaute ehemalige Schleusenwärterhaus in Witzeeze erwarb und hier bis heute lebt. Der Fan deutscher Kultur heißt übrigens Abdulhai Hakimi und stammt aus Afghanistan.

Abdulhai Hakimi aus Afghanistan bewahrt ein Stück Kultur neben alter Schleuse.

Bis 1996 befand sich in dem großen Reetdachgebäude ein weithin bekanntes Lokal namens „Dückerschleuse“. Der zweite Teil dieses Namens bezieht sich auf eine uralte Schleuse, die schon 1398 in Betrieb genommen wurde, um die Schifffahrt auf der Delvenau als Teil des Stecknitzkanals zu ermöglichen. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde sie nach dem Schleusenmeister Hans Dücker benannt, der das Amt dann später an seinen Schwiegersohn Hans Ulrich Burmester vererbte. Dessen Name und die Jahreszahl 1720 finden sich heute noch in einem Balken außen am Gebäude. Meister Dücker selbst hat das Haus also gar nicht mehr erlebt.

Im Schleusenwärterhaus wurde nicht nur gewohnt, hier wurden die Stecknitzfahrer auch mit Bier und Branntwein gestärkt. Als anno 1896 der Stecknitzkanal aufgegeben wurde und die Dückerschleuse damit überflüssig geworden war, blieb die Bewirtung erhalten. Das Haus an der Schleuse war bei Ausflüglern ebenso beliebt wie bei den Bürgern aus Witzeeze und den Nachbarorten.

Das änderte sich auch nicht, als das Gebäude in eine absolute Randlage geriet: Von 1945 bis 1990 verlief die innerdeutsche Grenze entlang der Delvenau und damit mitten durch die ehemalige Schleuse.

Im Jahr 1996 aber wurde das Lokal geschlossen, das unter Denkmalschutz stehende Haus wurde verkauft. Erwerber waren der damals 33jährige Kaufmann Abdulhai Hakimi und seine Frau Petra. „Ich hatte von diesem geschichtsträchtigen Fleck zuvor noch nie etwas gehört“, erzählt Hakimi, der bis 1996 in Hamburg lebte und für seine Familie einen netten kleinen Wohnort auf dem Lande suchte. Genau den fand er mit dem Schleusenwärtergehöft samt dem fast 12000 Quadratmeter großen Grundstück in Witzeeze.

Ein paar Möbel der ehemaligen Gaststätte hat die Familie behalten, ansonsten zeichnen sich die Räume durch einen freundlichen Multikulti-Stilmix aus. Kunstvolle persische Seidenteppiche liegen auf dem rustikalen Dielenboden, als Wandschmuck dienen unter anderem große Uhren, ein goldverzierter Koran-Ausschnitt und eine Tambura, ein exotisches indisches Zupfinstrument. Auch Bilder aus seiner Heimat Afghanistan hat Abdulhai Hakimi aufgehängt. Er besitzt längst die deutsche Staatsbürgerschaft, aber seine Gedanken gehen natürlich immer mal wieder zurück in sein kriegsgeplagtes Geburtsland.

Da ist die Idylle am ehemaligen Stecknitzkanal weitab jeder Alltagshektik ein echtes Kontrastprogramm. Fünf Personen wohnen derzeit im Haus – noch ruhiger kann man wohl nicht leben. Dabei hätte Abdulhai Hakimi absolut gar nichts gegen etwas mehr Trubel auf seinem Grundstück, denn die neben dem Schleusenwärterhaus stehende frühere Gaststätte „Hexenklause“ würde er nach langer Pause gern wieder eröffnen. Pläne dafür gibt es, noch aber stellen sich wegen einiger baulicher Meinungsverschiedenheiten die Behörden quer. Der Kaufmann aus dem Orient zeigt sich dennoch als Optimist: „Hier ist bald wieder was los, denn die Hexenklause war immer beliebt. Das wird wieder so werden“, sagt er.

Nur zwei Schleusen übrig

Der Stecknitzkanal, zu dem auch die Dückerschleuse gehörte, war schon vor mehr als 600 Jahren der Vorläufer des heutigen Elbe- Lübeck- Kanals. 17 Schleusen wies der Stecknitzkanal auf, der insgesamt 97 Kilometer lang war. Nur noch zwei Schleusen aus der Ursprungszeit sind erhalten geblieben, nämlich die Dückerschleuse (in Teilen) in Witzeeze und die Palmschleuse in Lauenburg.

Der Elbe-Lübeck-Kanal, am 16. Juni 1900 in Betrieb genommen, ist viel moderner als der Stecknitzkanal. Der Elbe-Lübeck-Kanal ist aber nur 62 Kilometer lang und hat sieben Schleusen. Pro Jahr passieren etwa 2500 Güterschiffe mit etwa einer Million Tonnen Ladung den Kanal sowie rund 5000 Sportboote.

Norbert Dreessen

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