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Ein Turm, in dem gefoltert wurde

Lauenburg Ein Turm, in dem gefoltert wurde

Das runde Bauwerk, 1477 fertiggestellt, ist der Rest der ehemals großen Schlossanlage in Lauenburg.

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Der Weitblick vom Turm über die Elbe bis tief nach Niedersachsen hinein ist schon sehr beeindruckend.

Lauenburg. „Dieser Weitblick ist einfach phantastisch“, sagt Andreas Geißler, der gerade zusammen mit seiner Frau Yvonne zusammen die steile Treppe des alten Lauenburger Schlossturms hinauf geklettert ist. Die Geißlers sind Touristen, stammen aus Dohna bei Dresden und befinden sich auf einer Radtour, die Elbe entlang. Lauenburg und sein Turm, ein echtes Wahrzeichen der Stadt, gehören da natürlich zum Besichtigungsprogramm.

LN-Bild

Das runde Bauwerk, 1477 fertiggestellt, ist der Rest der ehemals großen Schlossanlage in Lauenburg.

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Der Turm ist der älteste erhaltene Teil des früheren Schlosses und heute der einzige noch existierende freistehende Wehrturm aus dem Mittelalter in ganz Schleswig-Holstein. Er ist ein Beweis dafür, dass öffentliche Bauten auch früher schon viel Zeit benötigten: Nach immerhin zwanzigjähriger Bauzeit wurde der Rundling 1477 fertiggestellt.

Bauherr war Herzog Johann IV. Die Wände sind stolze zwei Meter dick. Von diversen Schießscharten aus konnte von hier das Umland kontrolliert werden, denn der von Besuchern so gelobte Weitblick war schon immer phantastisch. Er wurde jedoch über Jahrhunderte hinweg nicht touristisch, sondern kriegerisch genutzt.

Nach der Zerstörung des Schlosses im 17. Jahrhundert musste das oberste Stockwerk des Turms allerdings abgetragen werden, es wurde durch den heute noch vorhandenen barocken Dachreiter ersetzt.

Trotzdem kann man von der Schlossturmspitze wie eh und je über die Elbe bis tief nach Niedersachsen hinein blicken.

In der ersten Etage des Schlossturmes sind Gefängniszellen eingerichtet, die genau so aussehen, wie man sich einen mittelalterlichen Kerker vorstellt. Wer hier landete, hatte nichts Gutes zu erwarten: Die Zellen sind düster, eng und feucht, viele der Gefangenen sind hier mit Sicherheit auch gefoltert worden. Überliefert ist die Geschichte des Amtsschreibers Andreas Grimm, der von 1598 bis 1608 im Turm gefangen gehalten wurde, also mehr als zehn lange Jahre. Angeblich hatte er einen Mordanschlag auf Herzog Franz II. geplant. Grimm überlebte, weil er auch unter der Folter nicht gestand.

Die in Lauenburg gern erzählte Gruselgeschichte, bei Bauarbeiten am Schloss habe man Jahrhunderte später ein noch angekettetes Skelett gefunden, könnte dagegen erfunden sein. „Belegt ist das nicht“, erklärt Stadtarchivarin Dr. Anke Mührenberg, deren Büro sich übrigens nur wenige Meter vom Turm entfernt befindet.

Ganz friedlich ging es von 1922 bis 1928 zu: In jenen Jahren war im Turm eine Jugendherberge mit 22 Schlafplätzen untergebracht. 1927 erwarb die Stadt Lauenburg das Gebäude. In der ehemaligen Pulverkammer im Untergeschoss des alten Gemäuers befindet sich seit 1963 ein Lapidarium, also eine Sammlung von Steinbildwerken. Hier findet man unter anderem Reste einer großen Grabanlage, die Herzog Franz II. und seine Frau Maria in den Jahren 1595 bis 1601 im Chor der Maria-Magdalenen-Kirche errichten ließen. Die Teile galten lange als verschollen, doch 1960 wurden ausgerechnet im Kohlenkeller des Schlosses Bruchstücke der einst gewaltigen Grabanlage ans Tageslicht gefördert. Eine weitere Besonderheit im Lapidarium ist die 2009 von unbekannten Vandalen schwer beschädigte und teilrestaurierte Löwen-Plastik, deren genaue Herkunft unbekannt ist. Der mit dem Askanier-Wappen geschmückte Löwe hatte seit 1948 den Brunnen in der Oberstadt „bewacht“, ehe er von unbekannten Tätern fast völlig zerstört wurde. Am Brunnen steht heute eine Nachbildung.

Der Wehrturm steht interessierten Besuchern tagsüber offen und kann kostenlos besichtigt werden. Beim Aufstieg gilt nur eine Regel: Man sollte vorsichtig sein, um sich an den vielen Balken nicht den Kopf zu stoßen.

Ein Schloss als Dienstgebäude der Stadtverwaltung

Ein Schloss im engeren Sinne gibt es in Lauenburg schon lange nicht mehr. Die erste Burg auf einer Anhöhe oberhalb der Elbe, die „Lauenburg“, wurde 1182 von Bernhard von Sachsen errichtet, doch schon wenige Jahre später von Anhängern Heinrich des Löwen zerstört. Es erfolgte ein Wiederaufbau, im 15. Jahrhundert wurde die Burg erheblich ausgebaut und nun zu einem echten Schloss. 1616 brach in der benachbarten Schlosskirche ein Brand aus und griff auf Teile des Schlosses über.

Erneute Zerstörungen gab es 1656: Damals beschädigte kaiserlicher Artilleriebeschuss die noch vorhandenen Gebäude schwer. Herzog Julius Heinrich plante nach Kriegsende zwar einen Neubau, doch der wurde nicht mehr realisiert.

Im Jahr 1708 wurde dann das heute gern als Schloss bezeichnete Amtshaus neben dem alten Turm errichtet. Es dient seit rund 90 Jahren der Lauenburger Stadtverwaltung.

Norbert Dreessen

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