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Ein Unbequemer mit politischer Bodenhaftung

Porträt: Konstantin von Notz (Grüne) Ein Unbequemer mit politischer Bodenhaftung

Konstantin von Notz (Grüne) tritt bei der Bundestagswahl für seine dritte Amtszeit an. Wir stellen ihn vor.

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Die Kürbissaison ist eröffnet

Konstantin von Notz möchte weiterhin den Wahlkreis 10 im Bundestag vertreten - für die Grünen.

Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa

Mölln. Kein anderer lauenburgischer Abgeordneter ist in den bundesweiten Medien so präsent wie der Grüne Dr. Konstantin von Notz aus Mölln. Der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion tritt für seine dritte Amtszeit an. Dabei war lange nicht klar, ob er überhaupt kandidieren wird. 

Konstantin von Notz, von seinen Parteifreunden gerne „Konsti“ genannt, ist in diesen Tagen viel unterwegs. Während seine Mitbewerber von Haustür zu Haustür ziehen oder in Nachbarschaftskreisen diskutieren, ist der 46-jährige Realo als Vize seiner Fraktion auf Bundesebene im Wahlkampf ein vielgefragter Mann - und das längst nicht nur im eigenen Wahlkreis.

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Zu den Spezialgebieten des Grünen zählt die Netzpolitik. Ein Thema, das sich vor Jahren selbst noch in der Nische eine Nische suchen musste. Doch spätestens seit den Angriffen auf das Bundestags-Netzwerk, die möglichen Wahlbeeinflussungen durch Russland und die massenhafte Verbreitung von Trojanern wie WannaCry und Co ist das Thema allgegenwärtig - und damit auch immer wieder der Möllner Bundestagsabgeordnete vor laufenden Kameras zu sehen. Und weil von Notz in Berlin so gefragt ist, müssen bei Podiumsdiskussionen im Wahlkreis dann schon mal andere für ihn einspringen - eine Praxis, mit der die Grünen allerdings nicht allein sind.

Und von Notz ist unbequem. Als Berichterstatter für die Grünen-Fraktion im NSA-Untersuchungsausschuss war der Netzspezialist maßgeblich an den Enthüllungen über illegale Abhörpraktiken auch beim Bundesnachrichtendienst (BND) beteiligt. Offenbar so unangenehm, dass er kurz vor der Veröffentlichung des Abschlussberichtes gemeinsam mit der Linken-Vertreterin aus dem Ausschuss ohne Vorankündigung als Berichterstatter entfernt wurde. „Nachdem die Opposition derart hinterrücks ausgeschaltet wurde, konnten die Koalitionsfraktionen nach ihrem Gutdünken die Beschlussempfehlung und den Bericht verabschieden“, beschreibt von Notz die Folgen.

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Zuvor hatte die Opposition ein Sondervotum zum Abschlussbericht mit eigenen Einschätzungen auf den Tisch gelegt. Sein „Hauptanliegen ist nun, dass es der Großen Koalition nicht gelingt, mit dieser Posse die wichtigen Erkenntnisse des NSA-Untersuchungsausschuss zu überspielen und zu vertuschen“, schreibt von Notz.

Vor Ort kämpft von Notz gegen den möglichen Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals - und damit auch gegen einen der Hauptbefürworter des Ausbaus im eigenen Wahlkreis. „Hier droht knapp eine Milliarde sinnlos verbuddelt zu werden. Als reines Prestigeprojekt einiger Wahlkreisabgeordneter hat das mit kluger, nachhaltiger Verkehrspolitik rein gar nichts zu tun“, kritisiert von Notz und fordert, Fakten auf den Tisch zu legen. Die Diskussion im Detail überlässt er allerdings vor allem Verkehrsexpertin Valerie Wilms - grüne Arbeitsteilung.

Dass von Notz sich überhaupt Gedanken über eine dritte Wahlperiode als Bundestagsabgeordneter machen kann, hing am seidenen Faden. Wäre der schleswig-holsteinische Energiewendeminister Robert Habeck, mit dem von Notz auch privat befreundet ist, bei der Urwahl zum grünen Spitzenkandidaten auf Bundesebene gekürt worden, hätte es für von Notz nicht mehr für den sicheren Platz zwei auf der Landesliste gereicht. Doch bekanntlich verpasste Habeck die Nominierung knapp. Bodenhaftung holt sich von Notz regelmäßig als Stadtvertreter zurück. Dabei macht er nicht selten deutlich, dass ihm das über Jahrzehnte gefestigte konservative Netzwerk im Zehntrum christdemokratischer Kreismacht einiges Kopfzerbrechen macht. Doch genau mit dieser CDU wird sich von Notz auf Bundesebene möglicherweise arrangieren müssen, will er endlich mitgestalten und nicht auch seine dritte Wahlperiode auf der Oppositionsbank verbringen müssen.

Zur Person

Geboren 1971 in Mölln, wuchs Konstantin von Notz in Hamburg und Frankfurt auf. Bei der Bahnhofsmission auf dem Frankfurter Hauptbahnhof machte er seinen Zivildienst, studierte Jura in Heidelberg und schrieb seine Dissertation in Evangelischen Kirchenrecht. Sein Referendariat und das zweite Staatsexamen führten ihn schließlich zurück nach Schleswig-Holstein ans Lübecker Landgericht. Von 2004 bis 2009 arbeitete von Notz als Rechtsanwalt in Mölln - und engagierte sich im Anwaltsnotdienst bei den G-8-Protesten in Heiligendamm.

In die Grünen trat von Notz 1995 während seines Jurastudiums in Heidelberg ein, wechselte 2004 mit seinem Umzug nach Mölln in den Kreisverband, trat bei der Bürgermeisterwahl an und wurde nach den Kommunalwahlen noch im selben Jahr grüner Fraktionschef in der Möllner Stadtvertretung. Bei seinem zweiten Versuch als Direktkandidat für den Bundestag im Lauenburgischen schaffte er 2009 den Sprung nach Berlin.

Privat pendelt er mit seiner Frau Anna und seinem Kind regelmäßig zwischen Mölln und Berlin.

Kandidaten und Fakten

245062 Bürger dürfen am 24. September bei der Bundestagswahl im Wahlkreis 10, Herzogtum Lauenburg - Stormarn-Süd, in 297 Wahlbezirken ihre Stimme abgeben. Das sind über 4500 Wähler mehr als vor vier Jahren.

137114 Stimmberechtigte fallen auf den lauenburgischen Wahlkreisbereich.

7 Kandidaten bewerben sich im Wahlkreis 10 um den direkten Einzug in den Bundestag: Norbert Brackmann aus Lauenburg (CDU), Nina Scheer aus Siebeneichen (SPD), Konstantin von Notz aus Mölln (Grüne), Bernd Buchholz aus Ahrensburg (FDP, wird aufgrund seines Amtsantrittes als schleswig-holsteinischer Wirtschaftsminister auf sein voraussichtliches Mandat über die Landesliste aber verzichten), Heidi Herma Elise Beutin aus Köthel (Linke), Bruno Hollnagel aus Hoisdorf (AfD), Gregor Voht aus Lübeck (Freie Wähler).

Holger Marohn

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