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Ein Wasserturm zu Ehren des Reichskanzlers

Aumühle Ein Wasserturm zu Ehren des Reichskanzlers

Das von Bismarck-Fan Specht erbaute Aumühler Denkmal ist heute ein Archiv.

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Gemeindearchivar Gerd Möller ist der Hüter des Bismarckturms in Aumühle.

Aumühle. Ein Wasserturm ist eigentlich ein Zweckbauwerk, in dem große Mengen Trinkwasser für die Versorgung einer Kommune gespeichert werden. Nicht so in Aumühle. Da entstand vor nunmehr 117 Jahren ein Wasserturm, der eher ein Huldigungs-Denkmal war. Das zeigt schon die große Widmungstafel am Eingang. Deren Text lautet: „Erbaut aus Dankbarkeit, Liebe und Verehrung für den Fürsten Otto von Bismarck von Emil Specht/Sachsenwald-Hofriede/1898/99“.

LN-Bild

Das von Bismarck-Fan Specht erbaute Aumühler Denkmal ist heute ein Archiv.

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Zitate von Gerda Nissen

In der vergangenen Woche haben wir in dieser Serie die Möllner Stadtmühle vorgestellt und dazu einige Erinnerungen eines früheren Bewohners veröffentlicht. Die Zitate sind korrekt. Sie stammten aber nicht, wie von uns angegeben, von Dr. Kurt Langenheim, sondern von Gerda Nissen. Wir bitten um Entschuldigung.

Specht war in Aumühle Besitzer der schicken Villenkolonie Hofriede und ein glühender Verehrer des ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck. 1897, noch zu Lebzeiten Otto von Bismarcks, regte er den Bau eines Wasserturms an, der natürlich „Bismarckturm“ heißen sollte. Schon ein Jahr später begannen die Bauarbeiten, die 1899 beendet wurden und 45 000 Mark kosteten. Die aufwändige Innenausstattung erforderte dann aber noch einmal zwei Jahre, so dass die offizielle Einweihung erst 1901 erfolgte. Otto von Bismarck, der am 30. Juli 1898 starb, hat „seinen“ Turm nicht mehr erblicken können.

Das als Aussichts- und Wasserturm mit einem Wasserbassin von 90 Kubikmetern Fassungsvermögen konzipierte Bauwerk von Architekt Hermann Schomburgk aus Hamburg erreicht eine Höhe von 27 Metern, wobei sich in 20 Metern Höhe eine Aussichtsplattform befindet.

Da schon das Grundstück, auf dem der Turm errichtet wurde, 39 Meter über dem Meeresspiegel liegt, steht man auf dieser Plattform wirklich in luftiger Höhe und kann weit über den Sachsenwald und bis nach Hamburg schauen. Als Baumaterial für den Turm verwendete man Ziegelsteine, die außen mit Zement verputzt wurden. Durch den weißlich-grauen Anstrich des Putzes täuschte man ein Quadermauerwerk vor.

Bauherr Specht, bis zu seinem Tod 1925 auch Besitzer des Turms, wollte hier mehr als ein Wasserreservoir schaffen. Unterhalb des riesigen Tanks ließ er im dritten Stock ein Bismarck-Museum und im zweiten Stock eine 6000 Bände umfassende Bismarck-Bibliothek einrichten. Um den Erwerb weiterer Ausstellungsstücke zu ermöglichen, wurden von jedem Besucher 20 Pfennig Eintritt kassiert. 1922 mietete die Gemeinde Aumühle den Turm, 1927 kaufte sie das Gebäude aus Spechts Nachlass. Da die Gemeinde nicht über die finanziellen Mittel verfügte, die Ausstellungsstücke und die Bibliothek ebenfalls zu erwerben, wurden sie an das neue Bismarck-Museum und an einen Verlag veräußert. Der Bismarckturm war nun nicht mehr öffentlich zugänglich und wurde unter anderem von einem Südfrüchtehandel als Lagerraum genutzt. 1963 zog die Gemeindebücherei in die unteren beiden Stockwerke ein, 1967 wurde im dritten Stock des Turms das Gemeindearchiv eingerichtet.

1985 endete die Wasserversorgung aus dem Turm-Behälter, 1987 erfolgte eine umfangreiche Sanierung des Bauwerks. Dabei wurde der Tank ausgebaut, Bücherei und Archiv bekamen mehr Platz. Auch die Aussichtsplattform ist seitdem wieder zugänglich. Seit der umfangreichen Sanierung 1987, die 1,2 Millionen Mark gekostet hat, befindet sich das Archiv anstelle des Wassertanks im oberen Teil des Turms. Auch die Bücherei bekam ein weiteres Stockwerk.

Seit 1998 ist in dem Fahnenmast auf dem Bismarck-Turm ein Mobilfunk-Antennensystem installiert, das von allen Mobilfunkanbietern gemeinsam betrieben wird. Im folgenden Jahr, also 1999, wurde der Turm schließlich vomLand unter Denkmalschutz gestellt.

Heute ist Gerd Möller, Gemeindearchivar in Aumühle, Hüter des Turms und seiner Schätze. „Ich habe den höchsten Arbeitsplatz im Ort“, sagt der 78-Jährige voller Stolz. Besucher, in Gruppen oder auch einzeln, führt er gern durch das Bauwerk mit seinen sechs Stockwerken. Wer es allerdings nicht mehr schafft, Treppen zu steigen, ist hier falsch. Einen Fahrstuhl gibt es nicht.

Der Bismarck-Turm

124 Stufen hat der Turm. Der Ausblick von der Aussichtsplattform ist eindrucksvoll.

Öffnungszeiten des Bismarck-Turms an der Bismarckallee 31 in Aumühle sind immer mittwochs und freitags von 16 bis 18.30 Uhr — jedenfalls für die in den unteren Stockwerken untergebrachte Gemeindebibliothek.

Die Aussichtsplattform und die obere Hälfte des Turms sind nicht durchgehend geöffnet. Wer die Bereiche besuchen will, sollte sich für eine Führung bei Gemeindearchivar Gerd Möller, Telefon 04104/2282, anmelden.

Der ehemalige Wasserturm bietet eine Menge zu sehen. Dazu zählt eine Sammlung zahlreicher Wappen von Kommunen, in denen der ehemalige Reichskanzler Otto von Bismarck Ehrenbürger war.

Vollständig ist sie aber nicht, denn es waren mehr als 500 Städte und Gemeinden.

Von Nd Norbert Dreessen

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