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„Ein klares Zeichen gegen Nationalismus“

Ratzeburg „Ein klares Zeichen gegen Nationalismus“

Gelebtes Europa in Zeiten des „Brexit“: Eine Ratzeburger Delegation nahm am Treffen der Partnerstädte im belgischen Walcourt teil. Dort wurde die Freundschaft bekräftigt.

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Ratzeburgs stellvertretende Bürgermeisterin Bärbel Kersten mit dem frisch eingeweihten Krug „Charles Quint“ in Walcourt. Kersten: „Wir setzen mit der Verbrüderung ein klares Zeichen gegen Nationalismus.“

Ratzeburg/Walcourt. Europa driftet auseinander, Partner von einst gehen eigene Wege und stellen nationale Interessen in den Vordergrund. Das ist für viele der aktuelle Status quo nach dem „Brexit“. Doch es gibt auch ganz andere Ausrichtungen. Ein Beispiel hat gerade die Verbrüderungsarbeit der Stadt Ratzeburg gegeben. 740 Kilometer Fahrtweg hat eine 26-köpfige Delegation aus Ratzeburg auf sich genommen, um zu ihren Freunden in die belgische Partnerstadt zu reisen. Ein Großteil nahm dafür eine 12-stündige Busfahrt auf sich, zwei Teilnehmer reisten sogar in vier Tagesetappen per Fahrrad an. Ziel der Reise war die knapp 19000 Einwohner zählende Gemeinde Walcourt in der französischsprachigen Provinz Namur unweit der Grenze zu Frankreich, mit der Ratzeburg seit 1969 eine Städtepartnerschaft pflegt. Organisatorin Martine Stéphan-Stooß sowie Ratsherrin und stellvertretende Bürgermeisterin Bärbel Kersten begleiteten die Gruppe, die im Partnerland mit Abordnungen aus der französischen Stadt Chatillon-sur-Seine und dem weiteren beteiligten belgischen Ort Esneux zusammentraf.

LN-Bild

Gelebtes Europa in Zeiten des „Brexit“: Ratzeburger Delegation nahm am Treffen der Partnerstädte im belgischen Walcourt teil – Freundschaft wurde bekräftigt.

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Sechs Partnerstädte

Ratzeburg unterhält Städtepartnerschaften in den Ländern Frankreich (Chatillon-sur-Seine), Belgien (Walcourt und Esneux-sur-Ourthe), Polen (Sopot), Dänemark (Ribe) und Schweden (Strängnäs).

Delegationen aus den Städten kommen Jahr für Jahr reihum in einem Land zur Jumelage zusammen. Im nächsten Jahr ist Ratzeburg Ausrichter des Treffens, das vom 18. Bis 20. August durchgeführt wird. br

Von 14 bis 83 Jahre alt waren die Beteiligten, darunter „alte Hasen“ wie Friedrich-Karl Zechlin, für den die Wiedersehensfreude mit Gleichgesinnten besonders groß war, da er viele schon seit Beginn der Verbrüderungsarbeit kennt und sie wechselseitig im jeweiligen Land trifft.

Walcourt hatte sich für die aktuelle Zusammenkunft nach besten Kräften gerüstet und die rund 130 Gäste in Privatquartieren und Hotels untergebracht. Wer den Vorzug eines Familienanschlusses hatte, nahm die Mentalität und Esskultur der Gastgeber besonders intensiv wahr. „Man erlebt viel in kurzer Zeit“, umschrieb Organisatorin Stéphan-Stooß das Drei-Tage-Abenteuer, das sich als authentisch gelebtes Europa par excellence entpuppte und dadurch gekennzeichnet war, dass es für die Meisten keine große Besonderheit, sondern eher ein normales Miteinander mit Freunden darstellte.

Dazu trug auch das umfangreiche Veranstaltungsprogramm bei, das Walcourts Bürgermeisterin Christine Poulin mit ihrem Helferteam für alle Delegationen zusammengestellt hatte. Es reichte von einem Rathausempfang über den Besuch einer Schneckenfarm und des Benediktinerklosters Maredsous, der Teilnahme am Folkloremarsch Notre-Dame de Beauraing im zehn Kilometer entfernten Nachbarort Somzee bis zu der Einweihung eines neuen Wahrzeichens von Walcourt, dem vierhenkeligen Krug Charles Quint, der nun eine Kreuzung im Ort schmückt, und einer großen Wiedersehensfeier mit Festessen in der örtlichen Mittelschule. Musik und Tanz und das eine oder andere Bier oder ein Glas Wein sorgten dafür, dass sich die jeweiligen Nationen noch einmal besonders nahe kamen und die Sprachhürden leichter überwanden.

Ratzeburgs Repräsentantin Bärbel Kersten betonte die Wichtigkeit der Städtepartnerschaften in der heutigen Zeit und des damit verbundenen persönlichen Austausches: „Sie sind bedeutungsvoller denn je, setzen sie doch ein klares Zeichen gegen Nationalismus“.

 Ursula Braun

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