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Einblick in Alfred Nobels Wasserturm

Geesthacht Einblick in Alfred Nobels Wasserturm

Der stillgelegte Wasserturm in Krümmel ist hundert Jahre alt. Ein Verein kämpft um den Erhalt des Gebäudes. Es ist eines der letzten Original-Bauwerke der Sprengstofffabrik, die der Nobelpreis-Gründer bauen ließ.

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Die große Kuppel des knapp 31 Meter hohen Wasserturms von innen. Der Raum ist wegen Einsturzgefahr nicht mehr zugänglich.

Quelle: Jochen Meder/hfr

Geesthacht. Ein stillgelegter Industriebau in Krümmel, im Besitz des Energieriesen Vattenfall – das kann doch nur das Atomkraftwerk sein. Nein, da gibt es noch ein anderes Gebäude, das wenige hundert Meter entfernt auf dem selben Gelände in den Himmel ragt: der 100 Jahre alte Wasserturm nämlich. Der soll – ganz im Gegensatz zum ehemals recht störanfälligen Meiler nebenan – noch lange erhalten bleiben. Dafür setzt sich jedenfalls ein rühriger Verein ein.

LN-Bild

Stillgelegter Wasserturm in Krümmel ist hundert Jahre alt – Verein kämpft um Erhalt des Gebäudes – Es ist eines der letzten Original-Bauwerke der Sprengstofffabrik, die der Nobelpreis-Gründer bauen ließ.

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Der 1916 auf einem Elbhang errichtete Wasserturm ist eines der letzten Original-Bauwerke der von Alfred Nobel gegründeten Sprengstofffabrik im Geesthachter Ortsteil Krümmel. „Erst seit 2011 wissen wir, dass der Wasserturm von dem Bergedorfer Architekten Hermann Distel entworfen wurde“, erzählt Ulrike Neidhöfer, Vorsitzende des Förderkreises Industriemuseum Geesthacht. Diestel war seinerzeit ein gefragter Architekt, der in Hamburg unter anderem das große Vorlesungsgebäude der Universität geplant hat.

Der Turm in Krümmel ist fast 31 Meter hoch (zum Vergleich: der bekannte Wasserturm in Mölln ist nur fünf Meter höher). Es handelt sich um einen mit Backsteinen verblendeten Stahlbetonbau, den oben ein Kuppeldach abschließt. Im Inneren befand sich ein 780 Kubikmeter fassender Wasserbehälter. Dieses Wasser stammte nicht aus der Elbe, sondern wurde aus dem Erdreich gepumpt.

Das Bauwerk war allerdings nicht für die Versorgung der Geesthachter Bevölkerung gedacht, sondern diente als Wasserreservoir für die benachbarte Nitrozellulose-Fabrik. Dieser Stoff, extrem leicht brennbar und auch als „Schießbaumwolle“ bekannt, wurde seit dem Ersten Weltkrieg in Krümmel im Rahmen des Hindenburg-Rüstungsprogramms hergestellt.

In Betrieb war der Wasserturm nicht einmal 30 Jahre. Nach Kriegsende wurde er stillgelegt, der riesige Tank ausgebaut. Den Krieg selbst hatte das Gebäude trotz eines massiven alliierten Fliegerangriffs im April 1945 auf die Sprengstofffabrik in Krümmel nahezu unbeschadet überstanden. Mehr als 1000 Bomben wurden damals auf den weitläufigen Industriebetrieb abgeworfen, fast 100 Menschen kamen ums Leben. In den nachfolgenden Jahren wurden fast alle Anlagen auf dem Werksgelände abgebrochen, der Wasserturm jedoch blieb stehen.

„Das war für die Jugend aus Geesthacht viele Jahre lang ein Abenteuerspielplatz und eine Party-Location“, erzählt Ulrike Neidhöfer. Bunte Wandmalereien zeugen noch davon, dass sich immer wieder (natürlich unerlaubt) Besucher in dem Bauwerk aufhielten. 1997 wurde der Turm unter Denkmalschutz gestellt, der Zustand aber verschlechterte sich von Jahr zu Jahr. 2010 wurde schließlich eine 400 000 Euro teure „Ruinensicherung“ vorgenommen, finanziert je zur Hälfte aus Steuergeldern und aus Mitteln des Stromversorgers Vattenfall. Seitdem geschah nicht mehr viel. Der Zugang zum Turm ist inzwischen völlig versperrt, überall hängen Schilder mit dem Text „Zutritt verboten! Lebensgefahr!“ Das mag ein wenig übertrieben sein, aber wer an die Spitze des Wasserturms schaut, entdeckt dort etliche mittlerweile schon recht große Birken, deren Wurzeln sich ins Mauerwerk gebohrt haben und es in Teilen sprengen können. Fallen dann Ziegelsteine herab, wird es wirklich gefährlich. Um die Bäume zu entfernen, müsste ein riesiger Kran über holprige Wege an das Bauwerk herantransportiert werden.

„Vattenfall hat kein Interesse am Turm, seit der Schließung des Kernkraftwerks schon gar nicht“, klagt Ulrike Neidhöfer. Ihr Verein versucht seit seiner Gründung 1998, unter anderem mittels Ausstellungen, Vorträgen, Veröffentlichungen und immer wieder mit historischen Spaziergängen in Krümmel an jene Zeit zu erinnern, als dies hier ein weit über Deutschlands Grenzen hinaus bedeutender Industriestandort war. Der Wasserturm war ein Teil davon, und deshalb will der Verein ihn und die Erinnerung an die Jahre vor 1945 unbedingt erhalten.

Auf den Spuren Nobels in Geesthacht

Alfred Nobel , Stifter der alljährlich vergebenen Nobelpreise, ist weithin bekannt. Viele Menschen wissen aber nicht, dass der Schwede Nobel den Grundstein für sein Vermögen in Geesthacht gelegt hat. Hier, ganz im Süden des Lauenburgischen, erfand er das Dynamit, mit dem er sich weltweit einen Namen machte. Schwedische Geschäftsleute in Hamburg hatten die Verbindung zu dem Industriellen hergestellt. Die Lage an der Elbe mit der Nähe zum Hamburger Hafen war ideal. Zudem bot das dünenreiche Gelände gute Voraussetzungen für das Hantieren mit Sprengstoff.

Im Jahr 1866 fanden Alfred Nobel und seine Mitarbeiter einen Weg, das gefährliche Nitroglycerin besser handhaben und transportieren zu können, und zwar durch die Zugabe von Kieselgur.

Damit war das Dynamit erfunden. Geesthacht, damals noch ein Dorf mit nicht einmal 1500 Einwohnern, entwickelte sich zu einem Industriestandort.

Nobel lebte von 1865 bis 1873 in Geesthacht, bevor er als reicher Mann nach Paris zog. Seine Fabriken blieben aber an der Elbe. Der Wasserturm in Krümmel entstand erst Jahre nach Nobels Tod.

 Norbert Dreessen

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