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Eine Leidenschaft für Afrika

LN-Interview: Andrea Jeska, freie Journalistin und Buchautorin aus Rondeshagen Eine Leidenschaft für Afrika

Für ihre Reportage „Der Mann, der die Wüste aufhielt“ ist die Autorin mit dem Theodor-Wolff-Preis geehrt worden. Die freie Journalistin reist häufig nach Afrika und schreibt über ihre Erlebnisse.

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Andrea Jeska ist freie Journalistin und hat den Theodor-Wolff-Preis für ihre Reportage „Der Mann der die Wüste aufhielt“, in der es um einen afrikanischen Bauern geht.

Quelle: Foto: Alessandra Röder

Rondeshagen — In einem eleganten schwarzen Kleid sitzt die Journalistin in ihrem Wohnzimmersessel und beantwortet geduldig und mit ruhiger Stimme alle Fragen. Ihren ernsten blauen Augen sieht man an, dass Andrea Jeska schon mehr in ihrem Leben gesehen hat, als die meisten Leute je sehen werden. Darunter viel Leid und Ungerechtigkeit, aber auch besondere Schönheit und Faszination. Mehrmals im Jahr fährt sie nach Afrika und berichtet über den Kontinent und seine Menschen.

Lübecker Nachrichten: Sie haben mit dem Theodor-Wolff-Preis einen bedeutenden Journalistenpreis gewonnen. Was bedeutet Ihnen so ein Preis?

Andrea Jeska: Das ist ein Preis. Ich habe mich natürlich über die Anerkennung gefreut. Aber das ändert nichts an meiner Arbeit. Als Journalist ist es vor allem wichtig, gute Themen und Arbeitsbedingungen zu haben.

LN: Wie sind Sie auf das Thema der preisgekrönten Reportage gekommen?

Andrea Jeska: Ich habe auf einer afrikanischen Website eine kleine Meldung über einen Dokumentarfilm gesehen, der über den Protagonisten meiner Geschichte, einen afrikanischen Bauern, gedreht wurde. Ich hatte das Gefühl, da steckt eine Geschichte dahinter.

LN: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie über ihre Reisen und politische Themen schreiben? Wollten Sie das schon immer oder sind Sie beim Reisen auf Themen gestoßen, über die Sie berichten wollten?

Andrea Jeska: Das war eine Mischung aus beidem. Als freie Journalistin muss man sich entscheiden, in welche Richtung man geht. Die Themen haben mit der Persönlichkeit zu tun. Vieles hat sich auf dem Weg ergeben, zum Beispiel meine Berichterstattung über den Tschetschenien-Krieg. Es gibt Dinge, wenn man die erstmal weiß, kann man sich nicht mehr umdrehen und so tun, als ob nichts gewesen wäre.

LN: Sie schreiben sehr oft über Afrika. Wie oft waren Sie schon dort?

Andrea Jeska: Unzählige Male.

LN: Was fasziniert Sie so an diesem Kontinent?

Andrea Jeska: Ich mag die Mentalität der Menschen. Ihre Lebensfreude trotz der Umstände, die manche Leute hier in schwere Selbstmitleidskrisen stürzen würden. Also die Stärke der Menschen.

Ich mag die Schönheit des Landes. Aber ich hasse es manchmal auch und frag mich, was ich dort eigentlich tue, wenn ich die schlimmen Menschenrechtsverletzungen sehe.

LN: Möchten Sie mit Ihren Artikeln etwas bewegen?

Andrea Jeska: Das würde ich für arrogant und größenwahnsinnig halten. Ich möchte einfach nur erzählen, wie es ist. Den Menschen Probleme näher bringen und Vorurteile entschärfen.

LN: Ist Afrika ein gefährlicher Kontinent?

Andrea Jeska: Autobahnen sind auch gefährlich.

LN: Trotzdem gibt es in Afrika doch viele Widrigkeiten wie Krankheiten und Korruption.

Andrea Jeska: Ich habe mir schon zahlreiche Krankheiten eingehandelt, das stimmt. Aber wenn ich Afrikaner bin und durch eine dieser heruntergekommenen Großstädte in Mecklenburg gehe, ist die Gefahr genauso groß, wie wenn ich als Weißer durch eine afrikanische Großstadt gehe. Der Kontinent ist nicht zwangläufig gefährlicher als andere Gegenden. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass die Gefahren in den verschieden Ländern Afrikas sehr unterschiedlich sind. Gefährlich ist es vor allem da, wo es kriegerische Auseinandersetzungen gibt.

LN: Sie berichten viel über die optimistischen Seiten von Afrika . . .

Andrea Jeska: Das Problem bei der Berichterstattung ist, dass es dabei belassen wird, über die schreckliche Konflikte zu berichten. Man muss auch die mutigen und optimistischen Menschen zeigen.

LN: Würden Sie gerne nach Afrika ziehen?

Andrea Jeska: Ja, ich habe oft überlegt, dort hinzuziehen. Aber meine Kinder haben hier ihren Lebensmittelpunkt.Wenn die alle erwachsen sind, ziehe ich vielleicht ins südliche Afrika.

LN: Wer finanziert denn eigentlich die Reisen?

Andrea Jeska: Am Anfang habe ich vieles erstmal selbst finanziert und dann die Artikel verkauft. Heute hole ich mir erst die Aufträge.

LN: Was war die erste Reise, die Sie als Journalistin unternommen haben?

Andrea Jeska: Die erste Reise habe ich mit meinem eigenen Auto unternommen und ohne viel Budget und Planung. In die Slowakei, den damals unbekannten Osten. Ich bin mit einem befreundeten Fotografen los, und wir haben damals viele schöne Geschichten eingesammelt. Wir hatten vorher keine Ideen, sondern haben uns einfach treiben lassen.

LN: Wenn Sie in Kriegs- und Krisengebiete reisen, haben Sie da nie Angst?

Andrea Jeska: Ich glaube, meine Arbeit kann man nicht machen, wenn man Angst hat. Aber es gibt Situationen, in denen ich mir denke: Andrea, du blöde Kuh, wie konntest du da nur reingeraten?

Einmal haben mir zum Bespiel Kindersoldaten im Kongo eine Waffe an den Kopf gehalten. Die Situation war dann aber schnell entspannt.

LN: Was halten ihre Töchter davon, dass Ihr Job manchmal gefährlich ist?

Andrea Jeska: Das ist schon ein Thema bei uns Zuhause. Aber meine Töchter befürworten meine Arbeit sehr und stehen hinter mir. Auch in schwierigen Zeiten, freiberuflich zu arbeiten ist finanziell eine Achterbahn, haben meine Töchter mich immer motiviert, dabei zu bleiben.

LN: Sie wohnen auf dem Dorf. Ist die Dörflichkeit nicht ein krasser Gegensatz zudem, was sie auf ihren Reisen erleben?

Andrea Jeska: Jeder braucht so etwas wie ein Zuhause. Ich liebe mein Haus. Außerdem ist es schön still hier. Ich bin kein Stadtmensch, das dörfliche ist meine Zuflucht. Ich sehe soviel Leid und Katastrophen. Da ist es gut, sich irgendwo auszuruhen.

LN: Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person
Andrea Jeska (49) ist seit 15 Jahren freie Journalistin und berichtet über Krisengebiete, kritisiert politische Missstände und erzählt die Geschichten von anderen Kulturen. Jetzt hat sie den Theodor-Wolff -Preis für ihre Reportage „Der Mann, der die Wüste aufhielt“ bekommen. Die Journalistin und Buchautorin hat schon fast die ganze Welt bereist. Vor allem in Afrika war sie unzählige Male und schreibt regelmäßig über ihre Erlebnisse in dem fernen Kontinent. Die dreifache Mutter arbeitet für Zeitungen wie Die Zeit und die Frankfurter Allgemeine.

Interview: Alessandra Röder

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