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Lauenburg Eine gute Seele für die Fredeburger Wisente
Lokales Lauenburg Eine gute Seele für die Fredeburger Wisente
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11:39 07.07.2016
Die Fredeburger Herde vermehrt sich munter. Im Frühjahr 2015 wurde ein Kalb geboren. Quelle: Kronfeld

Acht große Wisente und ihr Mensch. „Fluke“, „Flaute“, „Flavio“ und weitere Mitglieder der Fredeburger Wisentherde, samt den drei Kälbern und natürlich der große Bulle „Döbert“ liegen entspannt im hohen Gras ihres Geheges und genießen den heißen Frühsommertag. Plötzlich kommt Unruhe in die Herde. Ein blubbernd dröhnendes Geräusch unterbricht die Stille: es ist Norbert Just auf seinem Motorrad. Sofort springen die Tiere auf und laufen freudig auf einen offenbar geheimen Treffpunkt im Gehege. Just kommt nur Sekunden nach den Wisenten am Treffpunkt an.

Norbert Just betreut seit zwei Jahren im Auftrag der Kooperationspartner Kreisjägerschaft Herzogtum Lauenburg und Eigenbetrieb Kreisforsten eine achtköpfige Wisentherde.

Freundschaftlich begrüßt er seine „Lieblinge“ mit kleinen Leckerlies und ruhigen Worten und erntet dafür ein beruhigendes Grunzen, Schnauben und Brummen, dass wie Just sagt „an eine Dampflok“ erinnert.

Er kennt jedes einzelne Tier mit Namen und sieht sofort, ob alle wohlauf sind, oder ob da etwas „nicht stimmt“. Wer ist Norbert Just? Norbert Just ist der „Wisentvater“ und betreut seit zwei Jahren im Auftrag der Kooperationspartner Kreisjägerschaft Herzogtum Lauenburg und dem Eigenbetrieb Kreisforsten die achtköpfige Wisentherde. Um alles kümmert sich Just, um: Zaun, Futter, Wasser, das Wohlbefinden und den Allgemeinzustand der Tiere und wie er sagt auch um „Unfug zu beseitigen“.

Mal ist es einfach nur Müll, mal sind es andere Sachen, die dort nicht hingehören. Just wundert sich über den Unverstand mancher Menschen und entfernt diese Dinge stillschweigend. Aber nicht nur das, auch für den Nachwuchs – der bei der Geburt immerhin dreißig Kilogramm wiegt – hat der Mann das richtige Auge und sucht deren Namen aus der Zuchtbuchliste aus.

Just ist in der Regel der erste, der merkt, wenn wieder ein Kalb zur Welt kommt oder gekommen ist. Das geht natürlich nur, weil Just mehr oder weniger permanent vor Ort ist. Nicht zuletzt deshalb, weil er direkt am Wisentgehege wohnt. Ruft der Bulle in der Nacht oder ist Unruhe in der Herde, hört Just es garantiert! Mehrmals am Tage besucht er „seine“ zotteligen Riesen. Das schafft Vertrauen. Dann steigt der drahtige Mann hemmungslos in das Gehege und sortiert trockene und abgenagte Äste, bringt frisches Weichholz und Laubäste, was die Wisente so sehr lieben.

„Das knabbern sie alles ab und kleine Äste fressen sie ganz“, erklärt der Wisentkenner. Er weiß auch, das noch ein weiteres Kalb kommt und vielleicht noch eines, aber da ist er sich noch nicht so ganz sicher. „Aber es könnte sein. Das kommt aber dann spät. Sehen Sie mal die Figur der Kuh.“ Ah ja, alles klar. Die Figur. Alle sind groß riesig und zottelig! Wo bitte erkennt man hier eine Trächtigkeit? Zehn Jahre ist die Leitkuh und der Bulle erst vier und somit noch ein Jüngling, hat aber schon für guten Nachwuchs (vier Kälber) gesorgt. Just hält einen kopierten Auszug aus dem Zuchtbuch bereit. Just braucht eigentlich keine Kopie, er kennt die Namen, Abstammungen und Nachkommen aus dem Kopf. Es sind eben „seine“ Wisente, zu denen er auch ein ganz besonderes Verhältnis hat.

Aber auch hier ist es immer ein Begrüßen der Kälber und ein Abschiednehmen, wenn einige Tiere zwecks Blutaustausches die Herde verlassen und in andere Gehege umgesiedelt werden. Dann ist Just in der Regel nicht dabei, denn das könnte „das Vertrauen schmälern“ begründet er diese Tatsache. Aber es ist klar, auch das kleine Bullenkalb muss eines Tage umziehen, denn mit Döbert wird es sich auf Dauer nicht verstehen. Aber so ist es eben. Nicht alle können auf ewig bleiben, es kommen ja auch wieder neue Tiere dazu und dann müssen sich Just und „die Neuen“ wieder aneinander gewöhnen. Spätestens im Winter, wenn frisches Grün nicht mehr zur Verfügung steht und Just den Wisenthunger mit zwei bis drei Klappen Heu pro Tag und Tier stillt, ist er auch bei den „Neuen“ Herr und Freund.

*die Autorin macht Öffentlichkeitsarbeit für die Kreisjägerschaft

Das Gehege

Auf Bestreben der Kreisfrostverwaltung ist im Jahre 1969 der erste Grundstein zur Errichtung eines Wisentgeheges in Fredeburg gelegt worden. Die ersten beiden Wisente kamen aus Schweden und blieben viele Jahre. Kurz danach kamen weitere Tiere und begründeten so die kleine Herde, die seitdem von der Kreisforstverwaltung betreut wurde. Im Jahre 2015 stand das Wisentgehege kurz vor der Auflösung, als die Kreisjägerschaft als Kooperationspartner für für den Eigenbetrieb Kreisforsten rettend eingriff und die Verwaltung und Pflege übernahm. Reparaturen, der Tierarzt und Futter kosten viel Geld. Sponsoren sind immer gern gesehen.

• Kontakt zur Kreisjägerschaft auf www.kjs-herzogtum-lauenburg.de

 Inga Kronfeld*

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