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Lauenburg Eine junge Landwirtin aus Leidenschaft
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21:24 04.07.2013
Jeden Morgen steht Thälke Lüer um halb sechs auf, melkt die Kühe und füttert die Kälbchen auf ihrem Ausbildungsbetrieb von Dieter Burmeister in Rausdorf. Quelle: Fotos: Alessandra Röder
Niendorf

St./Rausdorf/Mölln — Landwirt ist wirklich kein Beruf für Faulenzer. Der Dreizehn-Stunden-Tag beginnt schon um fünf Uhr morgens mit dem Melken der Kühe, und eigentlich gibt es rund um die Uhr Arbeit. Gerade in den Erntezeiten zieht sich die Arbeit bis in die Nachtstunden hinein. Wer seinen eigenen Hof betreibt, ist zwar sein eigener Chef, bekommt aber auch die vollen Konsequenzen seiner wirtschaftlichen Entscheidungen zu spüren. Da der Hof gleichzeitig Arbeitsstelle und Zuhause ist, kann der Hofinhaber sich nie wirklich von der Arbeit lösen. Durch den extremen, schnell voranschreitenden Strukturwandel in der Landwirtschaft und die Konkurrenz der Billig-Nahrungsmittel in Supermärkten bekommen gerade kleine Höfe Probleme. Doch Thälke Lüer aus Niendorf an der Stecknitz hat sich trotz allem für eine Ausbildung als Landwirtin entschieden. Die 19-Jährige steht mit ganzem Herzen hinter ihrer Berufswahl und zeigt, wie erfüllend die Arbeit als Landwirtin für sie ist.

Thälke hat ihre roten Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden, sie trägt zu ihrer blau-weiß karierten Bluse und Perlenohrringen eine derbe Arbeitshose. Die Füße stecken in großen Gummistiefeln. Selbstbewusst rattert die junge Frau auf dem grünen Traktor über das Land ihres Ausbildungsbetriebes von Dieter Burmeister im stormarnschen Rausdorf. Gestern wurde sie zusammen mit ihren Klassenkameraden aus der Berufsschule in Mölln zur Landwirtin freigesprochen.

Die Betriebe werden

immer größer

Die junge Landwirtin sieht für die nächsten zwanzig Jahre eine gute Zukunft für die Landwirtschaft, was in vierzig Jahren sei, könne sie jedoch nicht einschätzen. Landwirtschaftsbetriebe seien zukünftig immer mehr auf die Spezialisierung auf ein bis zwei Produkte angewiesen. „Fünf Kühe, drei Ziegen und zwei Schweine hatte man vor 50 Jahren“, erklärt Thälke. Auch durch die technische Entwicklung verändere sich die Landwirtschaft rapide. Die Betriebe würden immer größer.

Thälke hält mit dem Traktor am Weizenfeld ihres Ausbildungsbetriebes und steigt ab, um die Gerste zu überprüfen und die Kühe zu zählen. Begeistert erklärt sie, welche Kuh unbedingt demnächst gemolken werden muss, oder dass die Gerste noch etwas zu grün ist. Durch ihre Kindheit auf dem Hof ihrer Eltern in Niendorf an der Stecknitz entwickelte Thälke ihre Liebe zur Landwirtschaft. „Da kommt man schon von Klein auf mit den Tieren in Berührung und darf mit Kälbchen spielen.“ Ihre Kindheit auf dem Hof ihrer Eltern sei wunderschön gewesen. Die frisch gebackene Landwirtin möchte deshalb später einmal den Hof ihrer Eltern übernehmen. Davor wird sie aber, nach einem praktischen Jahr auf ihrem Hof, ihren staatlich geprüften Wirtschafter auf der Segeberger Landwirtschaftsschule machen und auf der höheren Landbauschule Agrarbetriebswirt lernen.

In der Landwirtschaft gäbe es aber noch mehr Berufsperspektiven als die Bewirtschaftung eines Hofes, erklären Thälke und ihr Ausbilder Dieter Burmeister. Viele gerade männliche zukünftigen Landwirte wollen als Lohnunternehmer arbeiten. Auch landwirtschaftliche Berufe in der Industrie wie der Verkauf von Landmaschinen und Beratertätigkeiten, beispielsweise als Rinderspezialberater, sind denkbar.

Viele hängen nach der Ausbildung noch ein Studium der Agrarwirtschaften dran. „Qualifizierte Fachkräfte werden gebraucht“, erklärt Thälke.

Aufstehen morgens

um halb sechs Uhr

Thälke ist auch heute morgen um halb sechs zum Kühemelken und Füttern der Kälbchen aufgestanden. Während ihrer Ausbildungszeit wohnte sie auf dem Betrieb von Dieter Burmeister. Bis 18 Uhr übernimmt sie Feld- und Stallarbeiten. „Es ist natürlich schwierig, etwas zu planen.

Meine Freundinnen verstehen nicht, dass ich während der Ernte auch mal länger arbeiten muss.“ Dafür könne sie sich ihre Pausen selber einteilen und arbeite später auf ihrem eigenen Hof quasi zu Hause. Für die Familienplanung ist diese Konstellation von Vorteil. „Ich sehe das an meinen Eltern, in der Landwirtschaft haben traditionelle Familienwerte wie gemeinsames Essen und Gespräche noch einen sehr hohen Stellenwert.“

Dass Landwirt eigentlich ein Männerberuf sei, findet die 19-jährige nicht. „Vielleicht brauche ich bei bestimmter schwerer Arbeit mal Hilfe, aber sonst können wir den Beruf genauso gut machen.“ Unter ihren 24 Mitschülern waren auch vier Mädchen. Nach Thälkes Einschätzung werden in Zukunft mehr Mädchen eine Ausbildung zur Landwirtin machen.

Im Stall füttert Thälke mit strahlenden Augen die kleinen Kälbchen, die sich gierig auf das Futter stürzen. Die Arbeit mit den Lebewesen und der intensive Kontakt zur Natur machen die Tätigkeit als Landwirtin zu ihrem Traumjob. Sie hat eine enge Verbindung zu den Tieren. Besonders Pferde und Kühe haben es ihr angetan. Außerdem gefällt ihr die Abwechslung auf dem Land. „Mir macht der Beruf Spaß, weil er so vielfältig ist und jeden Tag etwas anderes passiert. Ein Job, in dem ich steif im Büro sitzen muss, käme für mich nicht in Frage.“ Für diese Freiheiten nimmt sie die Herausforderungen in der Landwirtschaft gerne in Kauf.

Ausbildung beendet
Diese Landwirte der Möllner Berufsschule wurden gestern freigesprochen: Sophie Bendfeldt, Cismar; Jan-Hendrik Buhk, Schnakenbek; Carl Busche, Ballenstedt; Theodor Degener, Heiningen;

Nico Dührsen, Sieversdorf; Caspar Engelmann, Westerau; Theresa Heß, Klausdorf; Stefan Jureit, Ziggelmark; Thälke Marie Lüer, Niendorf a. d. St.; Johann Lütke Schwienhorst, Vetschau; Jan Meese, Hohenhameln; Johannes Meins, Kronsforde; Sascha Mitschke, Borstorf; Jochen Ohlrogge, Koberg; Sören Peters, Panten; Björn Stamer, Breitenfelde; Gonne Thun, Tönning; Niklas Wulff, Fitzen

Alessandra Röder

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