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Lauenburg Einhellige Mahnung vor Ausländerhass
Lokales Lauenburg Einhellige Mahnung vor Ausländerhass
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15:26 24.11.2017
Gedenken an den Brandanschlag von Mölln: Faruk Arslan, Sohn der getöteten Bahide Arslan und Vater der ebenfalls getöteten Yeliz Arslan. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Mölln

Dieser 25. Jahrestag erfuhr eine starke Aufmerksamkeit vor allem bei Gästen aus der türkischen Politik. Zu den Spitzenvertretern dieser offiziellen Gedenkveranstaltung der Stadt Mölln zählten der türkische Botschafter in Deutschland, Ali Kemal Aydin, und Mustafa Yeneroglu, der durch seine engagierten öffentlichen Auftritte in Deutschland als türkischer Parlamentarier und Vorsitzender der Menschenrechtskommission der türkischen Nationalversammlung bekannt ist. Insgesamt waren fünf türkische Parlamentsmitglieder nach Mölln gekommen. Die Bundesregierung vertrat die Beauftragte für Integration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özogus.

Nach einer Gebetsstunde in der türkischen Moschee in der Hauptstraße begrüßte Bürgermeister Jan Wiegels die offiziellen Teilnehmer der Gedenkveranstaltung zu einer Pressekonferenz im Historischen Rathaus der Stadt. Der aktuelle Umgang mit dem Thema Ausländerhass und Rechtsradikalismus vor dem Hintergrund der Anschläge vor 25 Jahren stand im Mittelpunkt der Aussagen der Gäste und Fragesteller. Es müsse weiterhin und verstärkt gegen die Ursachen von Rassismus gekämpft werden, betonte Aydan Özogus und Mustafa Yeneroglu ergänzte, die aktuell wachsende Zahl von rechtsradikalen Straftaten in Deutschland sei eine Herausforderung an den Staat, aber auch an alle demokratischen politischen Kräfte, sich stärker gegen Ausländerhass zu stellen.

Dass in Mölln nach wie vor eine wirklich breit geschlossene Positionierung zu den Anschlägen vermisst wird, wurde aber auch bei dieser Veranstaltung deutlich. So rief der Opferangehörige Ahmed Arslan erregt in den Pressekonferenzraum: „Es sind doch jedes Jahr dieselben Gesichter hier, kaum ein Möllner ist darunter. Wann bewegt sich etwas in dieser Stadt?“

In St. Nicolai erlebten die Gäste des Gedenkgottesdiestes am Nachmittag ein harmonisches Miteinander verschiedener Religionen. Ansprachen hielten neben den evangelischen Pastoren Hermann Handler und Kerstin Engel-Runge auch der katholische Pfarrer Germain Gouèn aus Ratzeburg sowie der Attaché Cahit Küçükyildiz. Letzterer erzeugte mit seinem eindringlich intonierten arabischen Gesang und seiner Ansprache auf Deutsch die wohl größte Aufmerksamkeit. Denn dass ein muslimischer Geistlicher in einer evangelischen Kirche singt und eine Andacht hält, sahen viele Besucher zum ersten Mal. „Gemeinsam müssen Muslime und Christen dem Hass auf den Straßen entgegentreten und immer wieder Zeichen dagegen setzen“, erklärte Küçükyildiz. Pastorin Kerstin Engel-Runge verwies darauf, dass Mölln nicht der einzige Ort der Welt sei, an dem es derartige Gewalt gegen Menschen gegeben habe. „Ob Deutschte oder Türken, Muslime oder Christen: Wir sind Menschen – Gottes Kinder“, sagte die Pastorin.

Vor 25 Jahren erschütterten die Brandanschläge von Mölln weltweit die Menschen. Zum Jahrestag haben sich Politiker aus Berlin, Kiel und Ankara angesagt.

Zu den Gästen zählten auch Landrat Christoph Mager, Bischöfin Kirsten Fehrs, die Bundestagsabgeordenten Norbert Brackmann (CDU) und Konstantin von Notz (Grüne) sowie der Möllner Bürgermeister Jan Wiegels und viele Möllner aus Gesellschaft, Wirtschaft und Kommunalpolitik. Für Angehörige der Opfer wurde das komplette rechte Kirchenschiff reserviert.

Zum offiziellen Abschluss der öffentlichen Gedenkveranstaltung wurden am frühen Abend etwa ein Dutzend Kränze und Gebinde am Brandhaus in der Mühlenstraße niedergelegt. Anschließend wurde der Ereignisse vor 25 Jahren am zweiten Ort der Brandanschläge in der Ratzeburger Straße gedacht. 

Von Florian Grombein und Matthias Wiemer

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