Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Einsamer Alltag eines Flüchtlings in der fremden Kultur
Lokales Lauenburg Einsamer Alltag eines Flüchtlings in der fremden Kultur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:13 15.04.2016

Versunken schaut Hamza Al Jazaeri auf das Display seines Smartphones. Ein kleiner Junge lacht fröhlich in die Kamera: Hamzas Sohn. Ein Sonnenschein, wie aus dem Bilderbuch, und, wie es aussieht, des Vaters ganzer Stolz. Nur: Hamza ist in Deutschland, genau gesagt in Groß Molzahn, und sein Sohn wartet mit seiner Frau im syrischen Damaskus darauf, zum Vater reisen zu dürfen.

Hamza Al Jazaeri zeigt, wo Syrien liegt. Umgeben von vielen anderen Ländern — aber die Grenzen sind dicht. Quelle: Dorothea Baumm

Hamza Al Jazaeri ist die Flucht gelungen, der Asylantrag ist durch, der Antrag auf Familienzusammenführung gestellt. Jetzt heißt es warten. Mit einem einsamen Leben in völlig fremder Umgebung und Kultur klarzukommen, eine fremde Sprache zu lernen. Ganz schön viel auf einmal. Einen Eindruck davon, wie er sich in dieser schwierigen Situation zurechtfindet, warum er aus seinem Heimatland Syrien geflohen ist, bekamen die Besucher des Schlagsdorfer Grenzhus‘ bei dem Abend „Über Grenzen. Ein anerkannter Flüchtling aus Syrien erzählt über seine Erfahrungen“.

Der 31-jährige Al Jazaeri hat in Syrien Philosophie an der Universität in Damaskus studiert und sich intensiv mit dem Islam auseinandergesetzt. Was er in recht gutem Englisch vom Alltag im kriegsgebeutelten Syrien erzählte, war zum großen Teil aus Funk und Fernsehen bekannt. Und doch ist es eine ganz andere Sache, Szenen von Krieg und Terrorregime aus erster Hand von einem direkt Betroffenen geschildert zu bekommen.

Hamza Al Jazaeri hat sanfte Augen und ein freundliches Lächeln. Dass ihn auch hier, in Sicherheit und fern von Bombenhagel und Geheimdienst, noch immer Albträume plagen, sieht man ihm nicht an.

Nachdem er sich der Protestbewegung angeschlossen hatte, wurde auch er irgendwann verhaftet. Und gefoltert. Reine Glückssache, dass er wieder freigelassen wurde. Reine Nervensache, dass er sich danach zwei Wochen nicht getraut hat, das Haus zu verlassen.

„Ich habe gesehen, was Bomben anrichten. Ich habe gesehen, wie Menschen erschossen wurden. Wie Kinder regelrecht explodiert sind.“ Als er geheiratet hat und seine Frau schwanger war, beschlossen beide, dass er die Flucht wagen und seine Familie nachholen soll. Der Weg nach Deutschland führte den Syrer über den Libanon und die Türkei sowie auf dem Seeweg — zu gefährlich für ein Neugeborenes — über Griechenland. Dass er in Nordwestmecklenburg gelandet ist: reiner Zufall. Für den er heute dankbar ist, denn er fühlt sich dort sehr herzlich aufgenommen. Dennoch lässt Al Jazaeri an einem keinen Zweifel: liebend gern würde er zurückkehren in seine Heimat. In eine freie Heimat, ohne Terror, Mord und Totschlag. Bis dahin trauert den ersten Schritten des Sohnes nach. Den ersten Worten.

Denn all das hat er nicht erlebt. Ihm bleibt vorerst nur der Blick auf das lachende Kindergesicht auf dem Handydisplay.

Von Dorothea Baumm

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Sponsoringvertrag zwischen der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg und der Kreismusikschule wurde um ein weiteres Jahr verlängert. Außerdem gab es eine Spende von 25.000 Euro.

15.04.2016

Hoher politischer Besuch in Wentorf bei Hamburg. Die Grünen-Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz und Cem Özdemir sowie die Landtagsabgeordnete Eka von Kalben haben die Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) besucht.

15.04.2016

Ungewöhnlicher Einsatzort für Geesthachts Feuerwehr am Donnerstagabend: Der Keller des Swingerclubs „The Freaky Rock“ Am Schleusenkanal stand unter Wasser. In dem Club vergnügen sich normalerweise freizügige Singles und Paare miteinander.

15.04.2016
Anzeige