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Lauenburg Einzelheiten zu Augustinum-Betrug
Lokales Lauenburg Einzelheiten zu Augustinum-Betrug
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20:42 22.10.2017
Das Augustinum in Aumühle gehört zu den Immobilien, die zunächst verkauft und dann zurückgemietet wurden. Quelle: Foto: Florian Grombein
Aumühle/München

Auch zu dem Ablauf der möglichen Betrugsmasche äußerte sich die Staatsanwaltschaft. Danach waren an den über insgesamt vier Jahre laufenden Geschäften zum Nachteil der gemeinnützigen Augustinum-Gruppe, einem bundesweiten Betreiber von Seniorenresidenzen mit christlichem Hintergrund, fünf Personen beteiligt. Der frühere, inzwischen verstorbene Vorsitzende des Aufsichtsrats der Augustinum gGmbH und der kaufmännischen Geschäftsführer sollen dabei gemeinsame Sache mit einem Vermittler und zwei Käufern gemacht haben. Bei den 2010 bis 2013 abgewickelten Sale-and-rent-back-Immobilien- Geschäften hätten die fünf Beschuldigten die Augustinum-Geschäftsführung „sowie die übrigen Mitglieder des Aufsichtsrats über wesentliche Umstände getäuscht“, lautet der Vorwurf. Insbesondere über den wirtschaftlichen Hintergrund und „die Bonität der in Wahrheit vermögenslosen Käufergesellschaften“ seien diese getäuscht worden. Dadurch hätten sich die Angeschuldigten die Zustimmung zum Abschluss von für das Augustinum wirtschaftlich nachteiligen Verträgen erschlichen, um sich selbst zu bereichern.

Misstrauisch geworden war der Aufsichtsrat nach Ausführungen der Staatsanwaltschaft aufgrund eines anonymen Hinweises. Die daraufhin aufgenommenen internen Ermittlungen hätten in den durch das Augustinum selbstgestellten Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gemündet. Die Ermittlungen ergaben, dass beim dem Verkauf von neben dem Augustinum Aumühle zehn weiteren Augustinum-eigene Immobilien an Objektgesellschaften einer Immobilien-Firma mit Sitz in Heide der Kaufpreis von 506 Millionen über ein endfälliges Darlehen finanziert worden war. Dieses auch noch vom Augustinum selbst gewährte Darlehen wäre als nicht regelmäßig getilgt, sondern hätte erst nach 30 Jahren komplett getilgt werden sollen. Außerdem ließen sich die Käufer vom Augustinum offenbar Investitionskosten-Vorschüsse in Höhe von mehr als 70 Millionen Euro auszahlen. „Dabei soll verschleiert worden sein, dass diese Vorschüsse zu weit mehr als fünfzig Prozent zur Bezahlung von Scheinprovisionen an den Vermittler verwendet wurden“, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Diese Scheinprovisionen seien wiederum zu einem „erheblichen Anteil als Kickback-Zahlungen an den Aufsichtsratsvorsitzenden sowie den kaufmännischen Geschäftsführer weitergeleitet“ worden.

Gegen den kaufmännischen Geschäftsführer sei daher der Vorwurf der Untreue und des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs erhoben, gegen die drei übrigen Angeschuldigten der Vorwurf des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs erhoben worden. Darüber hinaus enthält die Anklage nach Angaben der Staatsanwaltschaft weitere Untreuevorwürfe mit Schäden in Millionenhöhe im Zusammenhang mit der Errichtung eines neuen Augustinum-Wohnstifts in Meersburg am Bodensee sowie im Zusammenhang mit dem Verkauf eines Grundstücks des Augustinum in Dresden.

Die zuständige Wirtschaftsstrafkammer habe die Anklage den Angeschuldigten und ihren Verteidigern zugestellt. Diese hätten nun Gelegenheit, zu den erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Nach der Einlassungsfrist habe das Gericht über die Zulassung dieser Anklage zu entscheiden.

Ein Sprecher des Augustinums betont, dass der Betrieb der Augustinum Häuser auch in Aumühle sowie Mölln ohne Beeinträchtigungen weiterlaufe.

 hm

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