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Lauenburg Elbe-Flutopfer enttäuscht: „Soforthilfe“ kommt nicht an
Lokales Lauenburg Elbe-Flutopfer enttäuscht: „Soforthilfe“ kommt nicht an
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15:58 21.01.2014
Land unter: So sah es in Lauenburg im Juni aus. Quelle: Maxwitat
Herzogtum Lauenburg

Geschlossene Lokale, verzweifelte Wirte: In der vom Juni-Hochwasser stark betroffenen Elbe-Stadt Lauenburg warten viele Flutopfer noch immer auf ihre Entschädigung. „Die versprochene Soforthilfe ist gar keine“, beklagt Yildiz Frühauf (38), Hafenmeisterin der Marina Lauenburg und Besitzerin der seinerzeit überfluteten Gaststätte „Skippertreff“.

Die Bürokratie sei unerträglich. „Ich muss erklären, warum ich für die Reparatur eines Garagentors in Höhe von 93 Euro nicht drei Kostenvoranschläge eingeholt habe.“ Bei einem Gesamtschaden von 430 000 Euro sei dies eine Zumutung. Frühauf: „Wir stehen im Regen und das versprochene Geld kommt bei uns nicht an.“

Ähnlich hart trifft es Sönke Ellerbrock (54), Wirt der Gaststätte „Zum Alten Schifferhaus“. Sein Schaden beträgt rund 320 000 Euro. „Jeden Tag ruft die Investitionsbank des Landes bei mir an und teilt mir eine neue Bedingung mit.“

Kostenvoranschläge einzuholen sei meist nicht möglich gewesen, so Ellerbrock. „Es musste schnell gehen, damit wir schnell wieder öffnen konnten.“ Ersetzt würden nur Bauschäden, von Umsatzverlusten rede niemand. „Die Saison ist für mich fast komplett ausgefallen.“ Er halte sich über Wasser, indem er seinen Hotelgästen das Essen in Zelten serviere. Immer noch setze er Hoffnungen in die Fluthilfe. „Aber die Nerven liegen blank.“

Im Kieler Wirtschaftsministerium hält man den bürokratischen Aufwand für unverzichtbar. Sprecher Harald Haase: „Wir können das Geld ja nicht auf blaue Augen hin auszahlen.“ Die Messlatte liege schon sehr tief.

Unmittelbar nach dem Hochwasser seien pro Person 500 Euro an die 456 Betroffenen in Lauenburg ausgezahlt worden, sagt Stadtkämmerer Thomas Burmester. 68 Grundstückseigentümer hatten zudem Anspruch auf je 5000 Euro.

„Damit kann man erst mal anfangen“, meint CDU-Stadtvertreter Jochen Wallmann, der selbst ein Haus im Hochwassergebiet besitzt und den eigenen Schaden mit 15 000 Euro beziffert „Für den Aufbauhilfefonds zum Ersatz weiterer Schäden musste eben erst ein Bundesgesetz her. So etwas geht nicht von heute auf morgen.“ Aus dem Fonds von Bund und Ländern stehen für Schleswig-Holstein zunächst 11,5 Millionen Euro zur Verfügung. Den Flutopfern solle zwischen 80 und 100 Prozent ihres Schadens ersetzt werden.

Der zunächst vom Land aufgelegte Soforthilfefonds in Höhe von zwei Millionen Euro, aus dem in Härtefällen bis zu 200 000 Euro bereits ausgezahlt wurden, gehe im Aufbauhilfefonds auf, so das Wirtschaftsministerium. Wer bereits Soforthilfe erhalten habe, könne trotzdem noch Aufbauhilfe beantragen, sagt der zuständige Ministeriumsmitarbeiter Johannes Hartwig.

Zudem dürfen die Flutopfer auf Spendengelder hoffen. Allein in Lauenburg stehen bislang 275 000 Euro bereit, sagte Kämmerer Burmester. Ausgezahlt aber wurde auch dieses Geld bisher nicht. Noch würden die Kriterien für die Vergabe erarbeitet.

Marcus Stöcklin

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