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Elbeflut: Altstadtbewohner boykottieren Rettungskonzept

Lauenburg Elbeflut: Altstadtbewohner boykottieren Rettungskonzept

Wenn eine Hochwasserwelle der Elbe auf Lauenburg zurollt, schrillen in der Altstadt die Alarmglocken. Um die Bewohner sicher evakuieren zu können, wollen Hamburger Studenten mit Hilfe der Anwohner ein Evakuierungskonzept entwickeln. Doch die leisten passiven Widerstand.

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Immer wieder vom Hochwasser der Elbe bedroht: Lauenburg.

Quelle: dpa

Lauenburg. 43 Fragen auf vier Seiten hatte der Fragebogen, den zwei Studenten des Studienganges Rescue Engineering Ende November jedem Lauenburger Altstadtbewohner in den Briefkasten gesteckt haben. Das Ziel: Mehr über die Wünsche und Herausforderungen bei einer im Hochwasserfall möglicherweise erforderlichen Evakuierung zu erfahren und in ein neues Konzept einzuarbeiten.

Hochwasser

Der Elbe-Pegel in Hohnstorf gegenüber von Lauenburg steht derzeit bei knapp unter sechs Meter – Tendenz fallend. Der Normalwasserstand liegt knapp unter fünf Meter, schiffbar ist die Elbe bis 8,20 Meter.

Der Strom in der Elbstraße wird bei einem Wasserstand von 9,17 abgestellt. 2013 stand die Elbe vor Lauenburg bei 9,58 Metern.

Denn so wie im Juni 2013, als die 450 Anwohner mitten in der Nacht die Aufforderung zur sofortigen Evakuierung der Altstadt erreichte, soll es bei einem möglichen erneuten Hochwasser nicht wieder ablaufen. Darin sind sich nicht nur in Lauenburg eigentlich alle einig. Doch statt die Bemühungen der beiden Rettungs-Ingenieure um ein möglichst breit aufgestelltes Evakuierungskonzept mit der Beantwortung der Fragebögen zu unterstützen, hat ein Großteil der Altstadtbewohner offenbar passiven Widerstand geleistet – ob nun bewusst oder unbewusst. Nur 63 der 357 verteilten Fragebögen haben die Studenten zurückerhalten. Und das trotz zweimaliger Fristverlängerung. „Das sind nicht einmal 20 Prozent. Das ist schon enttäuschend“, sagt Konzeptentwicklerin Alexandra Homann.

Im Saal mit den 60 Anwohner herrscht Stille. So richtig zu vertrauen scheinen die hochwassererprobten Altstadtbewohner den Hamburger Studenten nicht. Immerhin erwähnen diese in ihrem Vortrag auch eine schnellauftretende Sturmflut als mögliche Gefahr für die hinter dem Geesthachter Stauwehr liegende Stadt. „Wieso Vorwarnzeit? Ich muss doch nur aus dem Fenster zu schauen um zu sehen, ob das Wasser kommt“, heißt es aus den Reihen in der Turnhalle.

Die Anwohner über den Sinn einer Evakuierung zu informieren, erfordert einige Überzeugungskraft. Wenn die Elbe erst in der Elbstraße stehe, könne dort kein schweres Einsatzfahrzeug mehr fahren um Menschen zu retten oder zu löschen, heißt es. Dabei müssten dafür noch nicht einmal irgendwelche Sandsackbarrieren brechen. Da der Stand des Grundwassers dem Pegel der Elbe folge, drohe mit einem wasserdurchtränkten Untergrund die Straße ihre Tragfähigkeit zu verlieren.

Einige Altstadtbewohner halten mit Stochastik dagegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es während eines Hochwassers zu einem Brand in der Altstadt kommt, liege bei nicht einmal einem Prozent. „Es hat schon unzählige Hochwasser an Mosel, Rhein und Elbe gegeben und noch nie ist es zu einem Feuer gekommen“, wird argumentiert. Die Studenten halten dagegen: Wenn erst einmal der Strom abgeschaltet sei, würden möglicherweise Gas-Campingkocher hervorgeholt oder Kerzen als Lichtquelle aufgestellt. Und die Brandgefahr durch Unfälle mit brennenden Kerzen oder defekten Gaskochern sei bei abgestelltem Strom in einen bewohnten Haus ungleich höher als in einem evakuierten. Einen spürbaren Eindruck scheinen die angehenden Rettungsingenieure bei den Altstadtbewohner damit nicht zu hinterlassen.

 Holger Marohn

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