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Lauenburg Das Geheimnis der „Arschbackenbrühe“
Lokales Lauenburg Das Geheimnis der „Arschbackenbrühe“
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20:44 10.08.2018
Wenn die Elbe zufror, war das früher ein großes Problem. Wie man mit großen Sägen gegen das Eis kämpfte, wird in diesem Modell anschaulich gezeigt.
Lauenburg

Das Elbschifffahrtsmuseum findet man nur einen Steinwurf von der Elbe entfernt in der historischen Altstadt. Untergebracht ist es in einem für Lauenburg typischen Backsteingebäude aus dem Jahr 1740, in dem sich lange das örtliche Rathaus und ab 1926 ein allgemeines Heimatmuseum befand. Die Gründung des neuen Museums beschloss der Lauenburger Magistrat Anfang 1960. Schließlich, so die Lokalpolitiker damals, habe die Schifffahrt auf der Elbe mindestens seit dem 14. Jahrhundert die Entwicklung der Stadt entscheidend mitgeprägt. Das müsse der Öffentlichkeit auch entsprechend vermittelt werden.

Der offizielle Name der Stadt Lauenburg lautet Lauenburg/Elbe. Das verdeutlicht schon, welche Bedeutung der große Fluss für die kleine Stadt hat. Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist deshalb der Elbe, ihren Schiffen und den dazugehörigen Schiffern ein Museum gewidmet.

Das Museum an der Elbstraße wurde im Laufe der Zeit immer mal wieder erweitert und umgestaltet. 2014 gab es die letzte große Veränderung. Vier Millionen Euro wurden investiert, um das Gebäude zu sanieren und die Ausstellung erheblich moderner und attraktiver zu gestalten.

Wilhelm Bischoff vom Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums erklärte damals, was man bezwecke: „Wir haben ein lebendiges Museum entwickelt. Es sollen nicht mehr nur technikorientierte Informationen über Schiffstypen, Motoren und Modelle gezeigt werden, die ein Fachpublikum ansprechen.“ Man wolle eine breitere Zielgruppe erreichen – und das ist gelungen. Die Besucherzahlen sind seit 2014 spürbar gestiegen.

In allen Stockwerken wird nun optisch eindrucksvoll die historische Bedeutung der Schifffahrt auf der Elbe oberhalb von Hamburg bis nach Tschechien dargestellt. Mit Originalexponaten und Modellen wird die Entwicklung vom Einbaum bis zur modernen Schubeinheit aufgezeigt. Besonders sehenswert ist die technikgeschichtliche Abteilung.

In diesem Museum können viele Ausstellungsstücke direkt „begriffen“ oder in Aktion versetzt werden. So lassen sich über große Bildschirme Informationen in Form von Fotos oder Filmen abrufen. Jeder Besucher kann also selbst entscheiden, worüber er mehr wissen will.

Die Sammlung des Museums steht unter dem Motto „Mensch – Modell – Maschine“. Hier wird also nicht nur Technik von damals und heute gezeigt und erläutert, sondern auch die dazugehörige Lebenswelt – und wie beides zusammengehört.

Auch über Kurioses kann man staunen, etwa über in der Elbe treibende Wassermühlen oder gar über die „Arschbackenbrühe“. Das war ein bei den nicht sehr wohlhabenden Schiffern beliebtes Getränk, nämlich mit heißem Wasser übergossene Gerstenkörner als Kaffee-Ersatz.

Im Kellergewölbe ist schließlich der atmosphärische Höhepunkt des Museumsbesuchs zu erleben: Gewaltige alte Maschinen, Schiffsschrauben oder Schaufelräder sind hier in geheimnisvolles blaues und rotes Licht getaucht. Diese Ungetüme strahlen pure Kraft aus.

Und wer bei einem Besuch des schönen Hauses Lust bekommt, noch mehr über Lauenburg zu erfahren, der ist hier genau richtig: Die Schifffahrts-Sammlung teilt sich mit der örtlichen Tourismus-Information den selben Eingang.

Das größte Exponat: Museumsraddampfer „Kaiser Wilhelm“

Das größte Exponat des Elbschifffahrtsmuseums in Lauenburg befindet sich nicht im Museumsgebäude, sondern schwimmt ein paar hundert Meter weiter auf der Elbe: Der 118 Jahre alte Museumsraddampfer „Kaiser Wilhelm“ ist einer der letzten noch fahrenden mit Kohle befeuerten Schaufelraddampfer in Deutschland und präsentiert sich in nahezu original erhaltenen Zustand. Das Schiff wurde 1900 in Dresden gebaut und 1970 durch den „Verein zur Förderung des Elbschifffahrtsmuseums“ übernommen. Der denkmalgeschützte Dampfer ist ein echtes technisches und kulturelles Zeitdokument.

Von Ende April bis Ende September werden regelmäßig Fahrten angeboten. Ziele sind Bleckede, Geesthacht und Hitzacker.

Norbert Dreessen

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