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Eltern hilflos wegen Aus für Schulbegleiter

Mölln Eltern hilflos wegen Aus für Schulbegleiter

Kreisverwaltung fördert nach den Sommerferien keine Schulbegleiter mehr im Unterricht und verweist auf Zuständigkeit des Landes – Eltern gehen auf die Barrikaden.

Mölln. Erst sie ermöglichten vielen Kindern im Lauenburgischen den ganz normalen Besuch einer Regelschule: Schulbegleiter helfen Schülern mit bestimmten geistigen oder körperlichen Handicaps, den Schulalltag zu meistern. Die Hilfe reicht dabei von der Begleitung eines gehbehinderten Kindes zur Schule bis hin zur Beruhigung oder Strukturierung eines autistischen Schülers im Unterricht. Die Kommunen sehen sich allerdings nicht mehr in der Pflicht, die Kosten zu übernehmen. Das Kieler Schulgesetz sieht zur Umsetzung der von der EU vorgeschriebene Inklusion die „Förderung im Kernbereich pädagogischer Arbeit an Schulen“ vor. Laut Kreisverwaltung sind damit nicht die Arbeiten der Schulbegleiter im Unterricht gemeint. Eltern wehren sich nun.

 

LN-Bild

Die Kinder mit Handicap von Katja Prothmann (Sterley, vordere Reihe v. l.), Nicole Reincke (Gudow) und Stefanie Geisler (Lauenburg) leiden unter dem Wegfall der Förderung. Elternvertreterin Alexandra von Ramin (Sterley, hinten links) und Spielzeugland-Inhaber Konrad Gröne (Mölln, hinten, 2. v. rechts) unterstützen die Aktion der Mütter.

Quelle: fg

165 Kinder gefördert

Im Jahr 2015 wurden in der Jugendhilfe vom Kreis 63 Schulbegleitungen finanziert mit einem Gesamtaufwand von 918738 Euro, in der Eingliederungshilfe 102 mit einem Gesamtaufwand von etwa 1,27 Millionen Euro.

Landesweit werden Unterschriften gesammelt, um Kiel zum Einlenken zu bewegen – auch in Mölln liegen die Listen aus.

„Im kommenden Schuljahr wird das Inklusionskonzept zusammenbrechen. Die Kreisverwaltung leitet jetzt einen absoluten Cut ein“, sagt Katja Prothmann aus Sterley, Mutter eines Kindes mit Handicap.

Zusammen mit anderen Eltern und Schulbegleitern hat sie sich im Möllner „Spielzeugland“ im Wasserkrüger Weg getroffen und ausgetauscht. Dort liegt seit Kurzem auch eine Unterschriftenliste mit dem Appell an das Kieler Bildungsministerium aus.

Laut Prothmann müsse es schnell eine politische Entscheidung geben. Bis dahin will sie entschlossen auftreten und ein Zeichen setzen. „Wenn keine Schulbegleitung genehmigt wird, werde ich mich selbst mit meinem Kind in die Klasse setzen“, erklärt die Mutter eines Kindes an der kleinen Grundschule in Sterley. Allein dort gäbe es fünf Kinder, die bislang Schulbegleitung hatten und brauchten. Sie alle haben nach dem Sommerferien ein Problem. Denn die von der Schule eingesetzte Schulassistenzkraft, die vom Land finanziert wird, könne die Lücke, die durch den Wegfall der Schulbegleiter klaffe, nicht schließen. Schulassistenten würden nur systemisch in wechselnden Klassen eingesetzt.

„Nicht der Kreis lässt die Betroffenen im Regen stehen“, erklärte Kreissprecher Karsten Steffen. Das Land habe sich der Inklusion durch das Schulgesetz gestellt, habe mit dem Umsetzungsdefizit umzugehen und habe Betroffene nicht ausreichend unterstützt.

Die Kreisverwaltung habe trotz eines maßgeblichen Beschlusses des Landessozialgerichtes im Jahr 2014 gegen die Schulbegleiter im Unterricht bislang nur positiv beschiedenen. Und das obwohl der Kreis nicht zuständig sei. Das Land sagte dem Kreis während des zweijährigen Moratoriums noch Erstattungen für Schulbegleitung im Grundschulbereich zu – zumindest bis zur Etablierung der Schulassistenz.

Diese hat ihre Arbeit nun aufgenommen. Die Kreisverwaltung will Schulbegleitung jedoch von Fall zu Fall für weiterführende Schulen genehmigen. Steffen: „Das Land stattet die einzelnen Schulen nicht annähernd bedarfsgerecht mit Schulassistenten aus.

Der Kreissprecher bestätigt, dass jetzt diverse Anträge auf Schulbegleitung in Grundschulen für das neue Schuljahr abgelehnt wurden. „Seitens des Jugendamtes wurden insgesamt im Kreis 27 Anträge, davon sechs neue abgelehnt“, berichtet Steffen. Seitens der Eingliederungshilfe (EGH) werden voraussichtlich elf Anträge abgelehnt. Zehn Ablehnungsbescheide wurden bereits erteilt.

„Mein Kind hat das Asberger-Syndrom. Es deutet Mimiken und Gesten teilweise falsch“, erklärt Stefanie Geisler aus Lauenburg. Der Wegfall der Schulbgeleitung könne in vielen Fällen im Sinne der Eigen- und Fremdgefährdung nicht reinen Gewissens in der Schule verantwortet werden, glaubt sie. Die individuelle Schulbegleitung könne ihr Kind jederzeit beruhigen.

„Das Problem betrifft alle Beteiligten in der Schule. Auch die Lehrer müssen mit der neuen Situation umgehen“, erklärt Alexandra von Ramin, Elternbeirat an der Schule in Sterley. Sie selbst hat kein Kind mit Handicap. Sie setzt sich allerdings für das Anliegen ein, weil sie befürchtet, dass Lehrer in Zukunft immer mehr von ihren Lernzielen abgelenkt werden könnten, weil sie sich um die Probleme von Schülern mit höherem Förderbedarf kümmern müssten. Die in Schleswig Holstein eingesetzten Schulassistenten seien zu begrüßen, stellten aber keine Alternative dar.

Nun hoffen die Eltern auf Unterschriften für den Erhalt der Schulbegleitung. Die Zeit drängt. Bis Ende Juli müssen die Einsprüche in Kiel vorliegen.

Unterschriftenlisten liegen bei „Spielzeugland“, Wasserkrüger Weg 127 b, sowie in Supermärkten, Apotheken und bei Kinderärzten im gesamten Kreisgebiet.

Weitere Infos bei Katja Prothmann unter info@pranatura.de

Florian Grombein

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