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Lauenburg Eltern verzweifelt: Kasse zahlt nicht
Lokales Lauenburg Eltern verzweifelt: Kasse zahlt nicht
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19:10 23.06.2013
Mölln

Der kleine Bruno aus Mölln, zehn Monate alt, ist auf den ersten Blick ein fröhliches Kind. Doch Bruno ist krank, sehr krank sogar. Und seine Eltern bekommen für ihren Sohn nicht die Hilfe, die sie ihm gern geben würden.

Bruno wurde im August 2012 in Ratzeburg geboren, musste aber schon an seinem zweiten Lebenstag auf die Intensivstation der Uni-Klinik Lübeck gebracht werden. „Er hatte nicht genug Sauerstoff im Blut“, erzählt seine Mutter Marta Kieltyka. Auf der Intensivstation wurden dann schwere Herzrhythmusstörungen festgestellt, außerdem wurde bei Bruno eine sehr seltene und sehr schwere Erkrankung der Gallenwege diagnostiziert. „Durch die Erkrankung wird Bruno in Zukunft eine Transplantation der Leber und der Niere brauchen“, so seine Mutter. Auf der Warteliste steht er bereits.

78 Tage musste der kleine Bruno auf der Intensivstation verbringen — da er eine Blockade im Nacken hatte, konnte er nur auf der rechten Seite liegen. Das führte wiederum dazu, dass sein Köpfchen sich verformte und auf einer Seite ziemlich platt wurde. Schon im Krankenhaus bekam er Physiotherapie, doch die zeigte kaum Wirkung.

Marta Kieltyka: „Nach der Entlassung aus der Klinik haben wir alles versucht, damit Brunos Kopf nicht noch platter wird und wieder in Form kommt. Egal, was wir versucht haben, es hat nichts gebracht.“

Ärzte rieten der Familie daraufhin zu einer „Kopforthese mittels Cranio-Helm“. Ein solcher Helm wird individuell für das jeweilige Kind angefertigt und drückt den Kopf langsam und schmerzlos in die erwünschte Form.

„Das Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf hat bei Bruno inzwischen eine weitere Verschlechterung festgestellt. Der Grad der Deformation ist mittlerweile Typ 5, welches die höchste Einstufung ist und nur noch mit einem Cranko-Helm behandelt werden kann“, sagt Gerit Helbing, der Vater des kranken Jungen.

Natürlich wandten sich die Eltern, die beide arbeitslos sind, an ihre Krankenkasse, die AOK. Die Kosten für den Helm von 1200 Euro können sie nämlich nicht tragen. Die AOK aber weigerte sich, die Helmkosten zu übernehmen. Die Wirksamkeit der Therapie mittels Kopforthese sei „immer noch nicht ausreichend belegt“, heißt es in einem Schreiben der Krankenkasse. Es bestehe außerdem „die nicht unwahrscheinliche Möglichkeit der Verbesserung des Befundes durch entsprechende fortgesetzte Lagerungsmaßnahmen und durch den natürlichen Wachstumsverlauf.“

„Jeder, der Bruno sieht, merkt sofort, dass er entstellt wirkt“, entgegnet seine Mutter. Wenn er nicht bald behandelt werde, werde er „den Rest seines Lebens mit einem deformierten Kopf herumlaufen“.

Die LN fragten bei Stefanie Vatandost von der zuständigen AOK in Ahrensburg nach, ob so eine Helmtherapie nicht in Ausnahmefällen bezahlt werden könne. Sie erklärte, solche Hilfsmittel könnten „ohne die positive Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschusses nur in notstandsähnlichen Krankheitssituationen in Betracht kommen“. Diese Voraussetzungen seien bei Bruno „nicht erkennbar“. Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen müssten „dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Kenntnisse entsprechen, ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein.“ Sie dürften „das Maß des Notwendigen nicht überschreiten“.

Brunos Eltern gaben nicht auf und haben gegen diesen Bescheid inzwischen beim Sozialgericht in Lübeck geklagt — aber auch dort verloren. Das Gericht bestätigte die Haltung der Krankenkasse, obwohl die Eltern nachweisen konnten, dass andere Krankenkassen eine Helm-Therapie durchaus übernehmen.

„Diese Familie braucht schnelle Hilfe“, erklärte Peter Schmid, Vorsitzender des lauenburgischen Vereins „Unterstützung schwersterkrankter und behinderter Kinder“, als er durch die LN vom Fall Bruno erfuhr. Sein Verein will ab sofort Spenden für den Helm sammeln. Geld kann auf das Vereins-Konto 2016699 bei der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg, Bankleitzahl 23052750, eingezahlt werden. Dabei bitte das Stichwort „Bruno“ angeben.

Ein Verein, der in Notfällen einspringt
Peter Schmids Tochter starb an Leukämie. Als alleinerziehender Vater musste er die Erfahrung machen, dass ihm in den schweren Jahren kaum Hilfe, weder finanzieller noch ideeller Art, zukam. So veranstaltete er im Sinne seiner verstorbenen Tochter zunächst Benefizaktionen für kranke und behinderte Kinder, 1998 gründete er dann Verein „Unterstützung schwersterkrankter und behinderter Kinder“. Schmid (Foto) erläutert: „Wir sind heute 270 Mitglieder und haben uns zur Aufgabe gestellt, betroffenen Kindern und deren Eltern im Kreis Herzogtum Lauenburg, die in großer finanzieller Not sind, umgehend und unbürokratisch zu helfen. Wir springen da ein, wo die gesetzliche Krankenversorgung keine Leistungen erbringen will oder kann, sind stets Ansprechpartner und leisten Hilfe, wo sie dringend notwendig ist.“ Mehr als 1,2 Millionen Euro konnte der Verein bisher sammeln und auszahlen.
„Die Physiotherapie im Krankenhaus zeigte kaum Wirkung.“
Marta Kieltyka, Brunos Mutter

Norbert Dreessen

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