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Lauenburg Empörung über Ententod gerechtfertigt?
Lokales Lauenburg Empörung über Ententod gerechtfertigt?
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18:16 20.02.2016
Diesen Beitrag hat Alessa Junghans, 15 Jahre, aus Mölln geschrieben.

Der Erpel habe noch einmal den grünen Kopf gehoben, als seine Entenfrau Richtung Küchensee flog, und sei dann leblos zusammengesackt: Das Thema der überfahrenden Ente vor dem Ratzeburger Rathaus verbreitete sich in der letzten Woche in ganz Norddeutschland und sorgte vor allem in den sozialen Netzwerken für viel Entsetzen und Empörung.

Allerdings äußern sich mittlerweile auch immer mehr Menschen, die die allgemeine Entrüstung als übertrieben empfinden. Wüsste man nicht, dass hier eine Ente das Opfer eines Verkehrsunfalls geworden ist, würde man auf Grund der großen Betroffenheit in vielen Kommentaren darauf schließen müssen, dass hier ein Mensch zu Schaden gekommen ist. Aber wahrscheinlich sind genau diese Reaktionen ein Phänomen der heutigen Zeit.

Täglich kommen Enten ums Leben, zum Beispiel durch das Fressen von Plastik, das in ihren Gewässern schwimmt. Täglich verfangen sie sich in Müll, verletzen sich, sodass sie nicht mehr für sich und ihre Jungen sorgen können. Täglich werden Enten krank, die in Gewässern leben, deren Verschmutzung auf die Überdüngung von Feldern zurückzuführen ist. Nun stellt sich doch die Frage, warum kein einziger Tod dieser Enten in unseren Medien erwähnt wird.

Na klar bin auch ich der Ansicht, dass der betroffene Autofahrer hätte mehr aufpassen oder abbremsen müssen, um diesen Unfall zu vermeiden. Aber ist es nicht ein bisschen ironisch, dass das Leben dieser einzelnen Ente, die auf so tragische Art und Weise ums Leben gekommen ist, bei uns soviel emotionale Entrüstung auslöst, während hunderte ihrer Artgenossen täglich durch unseren Zivilisationsmüll unbeachtet im Verborgenen sterben? Sollten wir nicht versuchen, auch diesen „Opfern“ und den Ursachen ihres Todes Aufmerksamkeit zu widmen und uns mit möglichen Problemlösungen auseinander setzen?

Aber so ist es halt, wenn wir mit einem einzelnen, dramatischen Schicksal auf so direkte Art und Weise konfrontiert werden. Dann erzeugt dies viel mehr Betroffenheit als die Vielzahl ähnlicher Schicksale, die jedoch tagtäglich im Unbekannten geschehen. Und jetzt können wir eigentlich nur noch hoffen, dass die zurückgebliebene „Enten-Witwe“ sich bald von ihrem Schock erholen wird und schnell einen neuen „Enten-Mann“ findet.

LN

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