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Lauenburg Ende für die Sondermülldeponie
Lokales Lauenburg Ende für die Sondermülldeponie
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00:48 11.01.2017
„Feierabend“ in der Sonderabfalldeponie (SAD) Groß Weeden. Der Polder I a ist der letzte, der jetzt bis fast unters Dach aufgefüllt wurde. Im Bild ist bereits eine erste von mehreren Erdschichten zu erkennen, die anschließend verdichtet werden. Demnächst wird die Halle abgebaut, danach beginnt die Rekultivierungs- und Nachsorgephase. Quelle: Fotos: Strunk (2), Biller

Silke Brandt und Norbert Quurk von der „Bürgervereinigung gegen die Giftmülldeponie Rondeshagen-Groß Weeden“, Volker Peters, Vorsitzender des Deponie-Ausschusses im Amt Berkenthin, sowie Berkenthins Bürgermeister Michael Grönheim machten sich gestern selbst ein Bild vom „Feierabend“ der Deponie.

Groß Weeden: Am 23. Dezember kam letzter Lkw, jetzt wird verfüllt, abgebaut und rekultiviert.

Kurze Historie

Die SAD Rondeshagen wurde 1982 in Betrieb genommen. 2005 ging der Betrieb von der MVA Stapelfeld auf die GBS der Länder HH und SH über. Geschäftsführer Berner verfolgte einen 10-Jahres-Plan, der nur geringfügig überschritten wurde.

In der 20000 Quadratmeter großen Halle von Polder Ia ist die „böse“ Unterlage bereits mit einer ersten Erdschicht bedeckt. In den kommenden Wochen wird peu à peu die Stahlkonstruktion der Halle, des „Hauses“, das für Windstille innen und damit höchste Sicherheit vor umherfliegenden giftigen Stäuben sorgte, abgebaut. Sobald es absehbar ist, dass witterungsmäßig eine trockene Phase kommt, also im Frühling/Frühsommer, werden die erforderlichen Rekultivierungsmaßnahmen mit weiterer Aufbringung von Erdschichten begonnen, so Hans-Joachim Berner, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Beseitigung von Sonderabfällen (GBS) mit den gleichberechtigten Gesellschaftern Hamburg und Schleswig-Holstein.

Berner wirkt erleichtert. 2004/05 hatte er die Leitung der GBS und damit den Betrieb dieser Sondermülldeponie übernommen. „Pleiten, Pech und Pannen“, so Volker Peters von der Bürgerinitiative, hätten für ein beständig schmuddeliges Image der Deponie gesorgt, das Berner dennoch beharrlich aufzubessern trachtete. „Ich musste mir erst ein klares Bild machen, ehe ich an die Öffentlichkeit gehen konnte“, erklärt er seine langwährende Zurückhaltung, die in der Bevölkerung nicht für Vertrauen sorgte.

Nachdem im Jahr 2007 die von ihm favorisierte Befeuchtungsanlage für Filterstäube und 2012 die beabsichtigte Anlieferung von Asbest- Material aus Hannover am massiven Widerstand der Anwohner und Kritiker scheiterten, wagte er den Schritt an die Öffentlichkeit. Mit wissenschaftlich fundierten Studienergebnissen überzeugte er die meisten Zweifler, dass „seine“ Deponie sicher sei.

„Was wir hier gemacht haben, lag weit über den gesetzlichen Anforderungen“, sagt er und meint damit die langfristig geplanten Sicherheitsvorkehrungen. „Wir haben damals rund sieben Millionen Mark investiert, um allein die Hallen über den Poldern zu bauen. Hätten wir das nicht gemacht, müssten wir heute dafür sorgen, dass das Sickerwasser kontinuierlich beseitigt würde – was schätzungsweise Kosten von 50 Millionen Euro verursacht hätte!“ Berner ist sich vollkommen sicher, dass „wir so gebaut haben, dass nicht auf Kosten der Allgemeinheit nachgebessert werden muss“. Überhaupt: Es wurden während der Betriebszeit Rücklagen für eine 30-jährige Nachsorgephase gebildet.

Silke Brandt, Norbert Quurk und Volker Peters, Mitglieder der Bürgerinitiative, zeigen sich einigermaßen zufrieden mit den Maßnahmen. „Wir erkennen an, dass bei der Verfüllung und Abdichtung des Deponiekörpers im Rahmen der Rekultivierung seitens der Deponieleitung höchste Sicherheitsstandards angelegt wurden und werden.“ Trotzdem sehen sie in der nahezu einer Million Kubikmeter Sonderabfälle eine „gewaltige Hypothek“, die hier „bis zum Ende aller Tage“ liegen bleibe. Eine verantwortungsvolle Nachsorge sei unablässig – mit Überwachung und Instandhaltung der Einzäunung, regelmäßigen Messungen und Kontrollen sowie der Pflege des gesamten Areals. Die BI und der Deponieausschuss des Amtes würden daher weiter wachsam bleiben: „Der Deponiekörper darf auch in Zukunft niemals sich selbst überlassen werden!“

Aufgrund der Rekultivierungsarbeiten werde es auch bis Ende 2018 noch zu Baulärm und Schwerlastverkehr (Antransport von Erdmaterial) kommen, erklärt Berner, der die Nachbarschaft darüber noch gesondert informieren will.

 Joachim Strunk

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