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Lauenburg Endlich Leben im Haus Mecklenburg
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10:33 01.11.2016
Die neuen Besitzer haben bereits mit der Umgestaltung der alten Räume auf der Domhalbinsel begonnen. Quelle: Fotos: Thomas Biller

„Die Verantwortlichen in Mecklenburg-Vorpommern hatten das Haus wohl einfach vergessen“, spekulierte Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß anlässlich der Erstausstellung in der neuen Galerie AC Noffke. Voß hatte vor gut eineinhalb Jahren in einem Brief an Ministerpräsidenten Sellering in Schwerin nicht mit Kritik gespart. Vielen Menschen in Ratzeburg machte es Kummer, mit anzusehen, wie das historische Gebäude ungenutzt dort wieder zu zerfallen drohte. Das Land Mecklenburg-Vorpommern, als Eigentümer, reagierte und bot die Immobilie über das Internet und schließlich einen Makler zum Verkauf an. Im August vergangenen Jahres besichtigten Claudia und Augustin M. Noffke das Haus.

Zur Galerie
Das historische Gebäude ist verkauft – Galerie AC Noffke bringt Kunst und Leben auf die Ratzeburger Domhalbinsel.

„Uns war sofort klar, dass unsere Familie hier Platz findet und die Räume im Erdgeschoss haben wir gleich als Galerie gesehen“, berichtet Claudia Noffke. Für die Dipl.-Ing. für Landespflege ist Erhaltung von Kultur essentiell. Das muss man erhalten und wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen, war sich das Ehepaar schnell einig. Künstler und Pädagoge Augustin M. Noffke erinnert sich, dass es insgesamt 13 Interessenten für das Objekt gab. Der Eigentümer wollte das Traditionsgebäude ursprünglich nicht in private Hände geben. Es sollte für Ratzeburg auch künftig ein kultureller Gewinn sein. Das von Noffkes vorgelegte Konzept hat dann schließlich auch in Schwerin überzeugt. „Bürgermeister Voß hat das sofort verstanden“, sagt Noffke.

Seit September füllt die Familie das Haus mit Leben und auch im Garten sind erste kulturelle Arbeiten sichtbar. „Wir sind hier so freundlich aufgenommen worden“, sagt Claudia Noffke, „alle Nachbarn sind dankbar, dass im Haus wieder Licht brennt.“

Nachbarn, Freunde, Neugierige, Bürgervorsteher Ottfried Feußner und Bürgermeister Voß kamen mit vielen weiteren Interessierten zur Eröffnung der Erstausstellung „heimat eins“ am vergangenen Wochenende (LN berichteten). Gut 100 Gäste schauten sich die aktuellen Exponate, aber auch die neue Gestaltung der Galerieräume aufmerksam an. „Gastfreundschaft ist ein Prinzip dieses Hauses“, so Noffke am zweiten Ausstellungstag im Gespräch mit den LN. „Wir sind sehr bewusst hergekommen und haben hier einen neuen Zeitbegriff gefunden“, erklärt Augustin Noffke. „Es soll hier eine erfrischende, lebendige Galerie sein, in die man gern einkehrt und Zeit verbringen kann“, so der aus Stormarn frisch zugezogene Sohn eines Pastors.

Pläne für die Zukunft stehen bereits: Im kommenden Frühjahr werden die „Norddeutschen Realisten“ in das Haus einziehen. Gedanken an ein Zurück gibt es nicht. Claudia Noffke: „Wir sind verantwortungsbewusst eine große Verpflichtung eingegangen. Für uns gibt es keinen Weg zurück.“

Die Ausstellung

„Heimat eins“ ist der Titel der Eröffnungsausstellung in der Galerie AC Noffke im ehemaligen „Haus Mecklenburg“ auf der Ratzeburger Domhalbinsel. Zu sehen sind Malerei, Skulpturen und Fotografie von Michael Arp, Otto Beckmann, Klaus Fußmann, Karl von Grafenstein und Bernd Hamann.

Die Ausstellung ist bis zum 29. Januar 2017 geöffnet; Sonnabends und Sonntags 11 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

Infos unter Tel. 045 41 / 856 1974.

Geschichte

Das um 1690 errichtete Gebäude mit barocken Zügen diente den mecklenburg-strelitzschen Regierungsbeamten. Später erfolgte die Nutzung als Mannschaftsgebäude des Lauenburgischen Jägerbataillons. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung „Domkaserne“. Bis 1937 befand sich das Gebäude auf mecklenburgischem Territorium. Durch das sogenannte „Groß-Hamburg-Gesetz“ wurde der Domhof Ratzeburg in den Landkreis Herzogtum Lauenburg eingegliedert. Seit 1981 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Nach der umfangreichen Restaurierung 1986 diente es der Stiftung Mecklenburg und dem Zentrum für Niederdeutsch für Holstein als Sitz, Ausstellungs- und Veranstaltungsort. 2007 beschloss die Stiftung, ihren Standort nach Mecklenburg zu verlagern. Die Verlagerung war im Jahr 2011 abgeschlossen, seitdem stand das Haus leer.

Quelle: Stiftung Mecklenburg

 Thomas Biller

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