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Lauenburg Erfolg mit Hühnern, Hofladen, Häusern und Holzschnitzeln
Lokales Lauenburg Erfolg mit Hühnern, Hofladen, Häusern und Holzschnitzeln
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22:25 25.10.2013
Heike Martens ist seit dem Tod ihres Mannes die Chefin des Unternehmens und fast jeden Tag auf dem Geflügelhof in Breitenfelde anzutreffen. Frische Eier gibt‘s hier immer. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen
Breitenfelde —

Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Auf dem Geflügelhof Martens in Breitenfelde wird über solche Fragen nicht lange philosophiert, denn hier gibt es beides reichlich, Hühner wie Eier. Die 5000 Legehennen dieses Familienbetriebs legen Tag für Tag etwa 4500 Eier, und die werden stets direkt vermarktet — größtenteils über den Hofladen an der Bundesstraße, der weithin bekannt ist und schon seit rund 50 Jahren existiert.

Die Familie, die den Hof nun in vierter Generation betreibt, erwarb um 1880 den damaligen Mühlenbetrieb im Dorf Breitenfelde. Zwar war die Mühle noch bis 1957 in Betrieb, hergestellt wurden Futtermittel und Mehl. Doch andere Teile der Landwirtschaft nahmen einen immer größeren Teil der Arbeit ein. 1963 wurde dann einer der ersten Hofläden in der ganzen Region eröffnet. Das mit den Hühnern und den Eiern hat übrigens mit dem ursprünglichen Beruf von Wilhelm Martens zu tun. Der heute 72-Jährige ist gelernter Konditor und beschloss vor Jahrzehnten, für seine Kuchen und Torten nur eigene, garantiert frische Eier zu verwenden. Martens wurde später noch Landwirtschaftsmeister und gab den Konditorenberuf auf.

Aus einigen Hühnern wurden ein paar Hundert, inzwischen sind es 5000. „Natürlich gibt es noch viel größere Betriebe, aber wir wollen im überschaubaren Rahmen bleiben“, sagt der Senior, der inzwischen nach eigenen Worten als „Berater“ fungiert. Chefin des Betriebs ist Heike Martens, die eigentlich auch nicht aus der Landwirtschaft stammt und den Beruf der Verwaltungsfachangestellten erlernte. Ihr Mann Lorens Martens starb früh, die nun plötzlich alleinerziehende Mutter dreier Kinder musste nicht nur den persönlichen Schicksalsschlag bewältigen, sondern auch mit dafür sorgen, dass der Familienbetrieb nicht in Schieflage geriet.

Doch Familie Martens hält zusammen, alle packen mit an — und so steuerte man das gemeinsame Schiff, bildlich gesprochen, auch durch stürmische Zeiten. Vier Standbeine hat der Hof heute: Da sind zum einen die Hühner, deren Eier legefrisch verkauft werden. Wilhelm Martens gerät ins Schwärmen, wenn er von diesem Betriebsteil spricht: „In unserem neuen Stall können sich alle Hühner frei bewegen, scharren und Sandbäder nehmen. Sie haben dreimal mehr Platz, als es das Gesetz erfordert.“ Deshalb, so Martens, könne man den Stall auch als „Fünf-Sterne-Hotel für Hühner“ bezeichnen. Die Eier werden übrigens täglich über ein Laufband zum Abstempeln und Abpacken in einen Vorratsraum befördert. Die Hühner seien allesamt „kerngesund“, das wiederum liege an der Bodenhaltung im Stall. Martens: „Bei frei laufenden Hühnern ist die Gefahr groß, dass durch Wildvögel Krankheiten eingeschleppt werden.“ Und wenn es eine Öffnung gebe, durch die die Hühner aus dem Stall ins Freie laufen könnten, „dann können auch Mäuse und Ratten in die andere Richtung hinein.“ Bei unserem Besuch im rundum sauberen Stall fanden wir denn auch keine Maus, aber eine Menge aufgeregt gackernder Hühner vor. Kameras, erst recht mit Blitzlicht, erleben sie nicht alle Tage.

Standbein zwei ist der Hofladen, in dem nicht nur Eier und Geflügel verkauft werden, sondern unter anderem auch Wurstwaren nach altem Hausrezept, Bio-Käse, geräucherter Fisch, Gemüse, Salate, Säfte, Marmeladen oder auch Wein. Während der Saison gibt‘s daneben noch Spargel, Erd- und andere Beeren. Doch nicht alles, um das sich Familie Martens kümmert, kann man essen. Das gilt vor allem für die Holzhackschnitzel. „Wir häckseln im ganzen Kreis, manchmal auch in Mecklenburg“, so Wilhelm Martens. Auftraggeber sind Landwirte ebenso wie Straßenmeistereien oder Privatleute. Und was gehäckselt wurde, wird entweder als Brennmaterial verkauft oder selbst verbrannt. Standbein vier des Familienbetriebs sind nämlich Immobilien: Knapp 30 Wohneinheiten sind im Laufe der Jahre auf dem Grundstück in Breitenfelde entstanden. Beheizt werden sie allesamt mit Holzhackschnitzeln: „Das ist viel billiger als Öl oder Gas“, sagt der Senior, der immer irgendwo auf dem Gelände herumwuselt und wohl doch ein bisschen mehr macht als es ein Berater täte. Er selbst kommentiert das so: „Ich arbeite halbtags — von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends".

Selbst das stimmt nicht: Wenn mitten in der Nacht eine der elektronischen Überwachungsanlagen eine Störung im Hühnerstall anzeigt, ist Wilhelm Martens wenige Minuten später im Stall, um nachzuschauen, ob seine Hühner wohlauf sind. In einem Fünf-Sterne-Hotel wird man schließlich gut betreut . . .



Serie

Wirtschaft vor Ort: Wir

unternehmen was

Steckbrief
Firmenname: Geflügelhof Martens/Holzhackschnitzel Lorens Martens

Adresse: Bundesstraße 21, 23881 Breitenfelde

Gegründet: um 1880, Hofladen seit 1963

Mitarbeiter: zwölf

Auszubildende: derzeit keiner

Internet-Auftritt: www.standort-rz.de/martens-landhandel

Norbert Dreessen

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