Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Ergiebiger Regen sorgt für Rekorde an den Sträuchern
Lokales Lauenburg Ergiebiger Regen sorgt für Rekorde an den Sträuchern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:00 30.06.2016
Felix Wulff von der Seedorfer Himbeerplantage Wulff & Taube im Folientunnel, wo Himbeeren der Sorte Glen Ample als Terminkultur reifen (6 bis 8 Wochen später als die Feldkultur). Das Netz stützt die Pflanzen, die Schläuche sorgen für die Tröpfchenbewässerung. Fotos (3): Joachim Strunk

Das sind nun wirklich dicke Dinger! Felix Wulff hat wahllos in einen Strauch gegriffen und auf Anhieb daumengroße rote Früchtchen gepflückt: „Acht bis zehn Gramm wiegt jede einzelne ausgereifte Himbeere“, erklärt der Junglandwirt, der im nächsten Frühjahr seinen Gärtnermeister Fachrichtung Obstbau machen wird. „Das ist schon sehr gut und liegt daran, dass wir in den vergangenen drei, vier Wochen ordentlich Regen hatten. Da konnten sich die Pflanzen so richtig vollsaugen.“

Zur Galerie
Himbeerernte im Kreis hat begonnen – Auf der Seedorfer Plantage von Wulff & Taube können Selbstpflücker viel Geld sparen – Sträucher im „Tunnel“ garantieren längere Ernte.

Wobei man allerdings gleich entwarnen muss: Die Himbeeren selbst schmecken keineswegs wässrig, sondern sind süß und vollmundig. Das wissen Andrea Libor und ihr Lebensgefährte Tristan Köhler zu schätzen. Die beiden Berliner befinden sich gerade auf einer Radtour von Bad Harzburg bis nach Wismar entlang des „Grünen Bandes“ der ehemaligen innerdeutschen Grenze zur DDR.

„In Zarrentin haben wir ein Schild gesehen, dass jetzt die Himbeerernte in Seedorf begonnen hat. Da mussten wir einfach den kleinen Abstecher machen“, erzählt Libor. Als Selbstpflücker sind sie auf der Himbeerplantage neben dem Sportplatz in Seedorf, Dorfstraße 17, unterwegs und füllen ihren Karton – zum Kilopreis für Selbstpflücker von 5,20 Euro. Gepflückte Ware kostet zehn Euro.

Die Preise sind deshalb so hoch, weil der Himbeeranbau sehr arbeitsintensiv ist. „Wir müssen die Pflanzen beziehungsweise die alten Stöcke jedes Jahr händisch zurückschneiden. Auf einen Meter bleiben nur etwa acht junge Triebe stehen, die sorgen dann zur nächsten Ernte für schöne große Beeren“, verrät Felix Wulff.

Für die Haupternte, die offiziell mit dem Ende der Spargelzeit zum 24. Juni, dem Johanni-Tag, einsetzt, werden ab der kommenden Woche zusätzlich 22 Saisonkräfte als Pflücker eingestellt. Hinzu kommen noch einige Aushilfen im Verkauf und Vertrieb. Diese Leute müssen natürlich auch bezahlt werden – das macht den wesentlich höheren Preis der Pflückware aus.

„Der ergiebige Regen in letzter Zeit war für die Erdbeeren eine Katastrophe, hat unseren Himbeeren aber richtig gut getan“, sagt auch Birgit Wulff, Mutter von Felix, der sich intensiv mit diesem Zweig des elterlichen Landwirtschaftsbetriebes beschäftigt. Die Himbeerplantage besteht nun schon im 23. Jahr und ist ein Kooperationsprojekt der beiden Seedorfer Landwirtsfamilien Wulff und Taube.

„Wir hatten früher vor allem Milchvieh, doch aufgrund der schwierigen Situation auf dem Markt, haben wir nach Alternativen gesucht und 1992 die ersten Himbeersträucher angepflanzt“, erzählt Birgit Wulff. Die Himbeerplantage umfasst mittlerweile 6,5 Hektar, auf 2,5 Hektar wachsen Erdbeeren. Seit einiger Zeit hat Felix Wulff, der die Plantage als ausgegliederten eigenständigen Betrieb später leiten soll, auch auf einem Hektar rote und schwarze Johannisbeeren angepflanzt. Auch hier lassen sich erste Erfolge sehen. „Wobei es nicht einfach ist“, betont Birgit Wulff angesichts extrem niedriger Großmarktpreise für die Erzeuger. „Das lohnt sich für uns kaum. Deshalb suchen wir möglichst direkte Vertriebsmöglichkeiten – auch über Lebensmittelproduzenten wie Bäckereien oder den lokalen Einzelhandel.“

Kalkulierbare Ergebnisse und Erfolge durch Anbau im Tunnel

Das Hauptstandbein von Wulff & Taube soll die Himbeerplantage werden. Hier treibt Felix Wulff die Entwicklung voran. Neben den Sträuchern auf dem Feld hat er mehrere Folientunnel angelegt, in denen eine „Terminkultur“ wächst: „Diese Pflanzen – Glen Ample, also die selbe Sorte wie auch im Freiland – sind im Frühjahr im Kühlhaus geblieben. So wurde Wachstums- und Reifezeit um sechs bis acht Wochen hinausgezögert. Diese Früchte können wir ab August pflücken und verlängern so die Ernte um einen beträchtlichen Zeitraum.“

Die Pflanzen im Folientunnel sind allesamt eingetopft, stehen auf Kunststoffbahnen, die Unkräuter vermeiden sollen, und werden über Schläuche tröpfchenbewässert. Auch dies führt zu kalkulierbaren Ergebnissen.

Gespritzt werden müssen die Himbeeren dennoch – allerdings während der Blütezeit. Dann sind sie besonders anfällig für die Maden der Blütenstecher, kleine Käfer, deren Nachwuchs auch Hobbygärtner gar nicht leiden können. Das Insektizid ist nach zehn Tagen abgebaut. Die Ernte in Seedorf beginnt frühestens vier Wochen nach der Blüte. Abgewaschen werden müssen die Beeren nicht – das würde sie verwässern.

 Joachim Strunk

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige