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Lauenburg Erinnerung an einen Windkraft-Visionär
Lokales Lauenburg Erinnerung an einen Windkraft-Visionär
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20:43 16.06.2017
Die Küche in der Kogeler Mühle, die heute als Wohnhaus genutzt wird. Reichlich nostalgische Mühlen-Technik ist aber auch hier noch vorhanden. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Auf den ersten Blick sieht die Kogeler Mühle, auf halbem Wege zwischen den Dörfern Sterley und Salem gelegen, so aus wie eine ganz normale Windmühle. Weit gefehlt: Sie ist eine der wenigen noch erhaltenen Bilau-Mühlen in Deutschland, in Schleswig-Holstein sogar die einzige ihrer Art.

Die ungewöhnlich geformten Flügel, die den Ertrag steigerten, entwarf der Aerodynamiker Kurt Bilau.

Bilau-Mühlen haben ungewöhnlich geformte Flügel. Die entwarf der deutsche Aerodynamiker Kurt Bilau um 1930 und wollte mittels dieser Erfindung den Ertrag der Mühlen erheblich steigern. Bilau war Berufssoldat und arbeitete eigentlich für die Luftwaffe, doch Mühlen hatten es ihm zeitlebens angetan.

1935 schrieb er in einem Aufsatz: „Als Offizier der Schweren Artillerie habe ich Windmühlen als Messpunkte im Gelände immer benutzt und bin dabei mit manchem Müller bekannt geworden.“ Immer wieder, so Bilau, habe er in Gesprächen von den wirtschaftlichen Sorgen der Müller gehört, weil ihre Betriebe nicht genug abwarfen: „Die Not der Müllerfamilien griff mir ans Herz und ich beschloss, mit meinen dienstlich erworbenen aerodynamischen Kenntnissen durch Verbesserung des technischen Wirkungsgrades der Mühlen Abhilfe zu schaffen.“

Die Mühle auf dem Landgut Kogel in der heutigen Gemeinde Sterley wurde 1898 im Auftrag des Müllers Heinrich Kofahl errichtet. Der legte damals schon Wert auf moderne Technik und beauftragte mit dem Bau die Firma Hofwolt aus Rostock, die in dieser Hinsicht einen hervorragenden Ruf genoss – vor allem durch die Verwendung gusseiserner Getriebe. Vom Typ her ist das Bauwerk in Kogel ein „Erdholländer“, also eine Mühle, bei der das schräge Dach und die Flügelenden fast bis auf den Erdboden reichen.

Die Flügel der Windmühle in Kogel waren zunächst traditioneller Art, bestanden also aus einem Holzgerippe. 1936 wurden sie dann aber bei einem schweren Sturm beschädigt, und Müller Kofahl hatte inzwischen von Kurt Bilaus Erfindung gehört. Seitdem drehen sich nun an diesem Gebäude Bilau-Flügel – bis heute, obwohl der Betrieb schon 1968 aufgegeben wurde. Die jetzigen Besitzer, ein Designer-Ehepaar aus Hamburg, erwarben das Anwesen in recht desolatem Zustand vor 20 Jahren und sind seitdem bemüht, so viel nostalgische Mühlen-Stimmung wie möglich zu erhalten oder sogar wiederherzustellen. „Beide sind große Technik- Freaks“, erzählt Mühlenwart Arno Nieswand, der sich mit viel Sachkunde und Leidenschaft um den Erdholländer kümmert. Dazu zählt auch, dass sich die Flügel drehen, auch wenn dadurch kein Korn mehr gemahlen wird.

Das Bauwerk ist von unten bis oben liebevoll restauriert worden und dient heute als Wohnung. Dass dies aber kein normales Haus, sondern eine echte Windmühle ist, kann man an jeder Ecke sehen – besser gesagt, an jeder Rundung, denn allzu eckig ist das Bauwerk in Kogel ja nicht. Riesige Zahnräder hängen an der Decke, einer der ursprünglich zwei Mahlgänge ist noch komplett vorhanden, die Treppen sind schmal und steil, die acht dicken tragenden Balken durchziehen alle Stockwerke, nur die alten Mühlsteine stehen inzwischen draußen im Garten.

Oben am Kopf drehen sich die Bilau-Flügel. Die ersten, die an der Kogeler Mühle montiert wurden, bestanden noch aus Blech. Die jetzigen sind aus seewassergeschütztem Aluminium und damit extrem haltbar. Ohnehin wirkt die inzwischen 119 Jahre alte Mühle so, als würde sie bei guter Pflege noch ein paar Jahrhunderte überstehen.

Patentrechte zur „Windkraftmaschine“ stammen aus Jahr 1931

Kurt Bilau, nach dessen Ideen die Kogeler Windmühle im Jahr 1936 umgebaut wurde, lebte von 1872 bis 1941. Im Jahr 1931 erhielt er die Patentrechte auf eine, wie es im Behördendeutsch hieß, „Windkraftmaschine mit waagerechter Drehachse, deren Flügel stromlinienförmig ummantelt sind“. Bilau gewann die im pommerschen Vordamm ansässige Mühlenbaufirma Karl Kühl dafür, die neuen Flügel herzustellen. Die Nachfrage war groß, allein in Schleswig-Holstein wurden nach und nach 30 Windmühlen umgerüstet, in Niedersachsen 22.

„Die Windkraft ist unser größtes und unerschöpfliches Nationalvermögen.“ Dieser Ausspruch von Kurt Bilau zeigt, dass er ein echter Visionär war. Kurz vor seinem Tod stellte er noch ein Buch mit dem Titel „Die Windausnutzung für die Krafterzeugung“ fertig, in dem es vor allem um die Elektrizitätserzeugung geht.

Norbert Dreessen

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