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Lauenburg Ernst Barlachs lebenslange Sehnsucht nach Ratzeburg
Lokales Lauenburg Ernst Barlachs lebenslange Sehnsucht nach Ratzeburg
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21:20 15.04.2016
Marianne Berg gehört zum Mitarbeiterteam des Barlach-Museums in Ratzeburg und kann den Besuchern eine Menge über den Künstler und seine Skulpturen erzählen. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Er ist in dieser Stadt nicht geboren und nicht gestorben und er hat nicht einmal ein Zehntel seiner 68 Lebensjahre dort verbracht. Doch der Künstler Ernst Barlach hat Ratzeburg geliebt, und so ist es nur konsequent, dass man ihm zu Ehren hier ein Museum eingerichtet hat. Es liegt mitten auf der Insel und trägt den schönen Namen „Altes Vaterhaus“

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Der Künstler Ernst Barlach hat Ratzeburg geliebt — In seinem „Vaterhaus“ an der Petrikirche gibt es jederzeit Einblick in sein Werk und sein Privatleben.

— schließlich hatte sein Vater, der Arzt Dr. Georg Barlach, in diesem Haus direkt neben der Kirche St. Petri im Jahr 1878 eine Praxis und eine Wohnung für die Familie eingerichtet.

Das Traufenhaus mit den vier toskanischen Säulen zur Gartenseite ist um 1840 im Stil des ländlichen Klassizismus erbaut worden. Wer es entwarf, weiß man nicht genau, doch wird es dem königlich dänischen Hofarchitekten Christian Frederik Hansen zugeschrieben. 13000 Mark hat Dr. Barlach beim Einzug für das schmucke Gebäude bezahlt. Ernst Barlach erblickte 1870 in Wedel das Licht der Welt. Bevor die Familie nach Ratzeburg zog, lebte sie im mecklenburgischen Schönberg. Dass er die Stadt Ratzeburg schon vor dem Umzug dorthin kannte, geht aus Ernst Barlachs Autobiographie „Ein selbsterzähltes Leben“ hervor. Darin heißt es: „Als mein Vater zu mir sagte: Wir ziehen nun bald nach Ratzeburg, da fragte ich hellhörig zurück: Ist das da, wo das schöne Wasser war? — Das war es.“

Die Familie samt der vier Kinder fühlt sich im Haus neben der Kirche wohl, doch 1844 trifft sie ein Schicksalsschlag: Dr. Georg Barlach, erst 45 Jahre alt, stirbt an einer Lungenentzündung.

Damit geht die Ratzeburger Zeit schon wieder zu Ende. Die Mutter zieht bald zurück nach Schönerg und hält sich mit Zimmervermietungen finanziell über Wasser. Ernst Barlach hat Ratzeburg später immer mal wieder besucht. So berichtet er, im August 1911 mit seiner Mutter und seinem Sohn Nikolaus dort gewesen zu sein und schreibt schwärmend: „Schöne Tage, es war viel Wind, und die Wälder rauschten denselben Ton wie vor dreißig Jahren.“ Noch im November 1937, als er den Ruheplatz des väterlichen Grabes erwirbt, schreibt er: „Ratzeburg ist und bleibt schön“.

1938 starb Ernst Barlach in Rostock. Kurz zuvor hatte der Künstler, der seit 1910 im mecklenburgischen Güstrow Wohnung und Atelier besaß, erklärt, er wolle im Familiengrab auf dem Friedhof der Ratzeburger Vorstadt neben seinem Vater beigesetzt werden. So kam es. Zwar hatte Barlach 1934 bekundet, dass er „zu des Führers Gefolgschaft“ gehörte, dennoch war seine Kunst den Nazis ein Gräuel.

Mehr als 400 seiner Werke wurden im Dritten Reich als „entartete Kunst“ aus öffentlichen Sammlungen entfernt. 1937 belegte ihn die Reichskammer der bildenden Künste sogar mit einem Ausstellungsverbot. Heute sind Barlachs Werke in vielen Museen zuhause, vor allem in jenen beiden Häusern, die die Barlach-Gesellschaft Hamburg betreibt: in Wedel, wo der Künstler geboren wurde, und eben in Ratzeburg, wo er begraben liegt. Das Fachwerkhaus am heutigen Barlachplatz wurde vom Künstler selbst als das „Alte Vaterhaus“ bezeichnet und ist seit 1956 zugänglich. In immer wieder wechselnden Präsentationen führt das Museum in zwei Stockwerken durch sein Werk . Der Bildhauer, Zeichner und Schriftsteller gehört immerhin zu den berühmtesten Künstlern des deutschen Expressionismus.

Dass Barlach heute noch weltweit geschätzt wird, lässt sich am Gästebuch erkennen, das am Eingang „seines“ Museums in Ratzeburg ausliegt. Da finden sich Texte von Besuchern auf Englisch, Spanisch, aber auch Schriftzeichen, die ein Europäer kaum zu deuten weiß.

„Schön ist, dass eigentlich alle Gästebuch-Einträge unser Museum loben“, freut sich Mitarbeiterin Marianne Berg. Eine Stamm-Besucherin, so erzählt sie, sei eine Dame aus der Schweiz, die regelmäßig in Travemünde Urlaub mache und von dort stets einen Abstecher nach Ratzeburg ins Museum unternehme. Gut kommt nach Marianne Bergs Worten auch an, dass die Barlach-Gesellschaft die Werke öfter mal mit denen anderer Künstler kombiniert — aktuell mit den Bildern des Spaniers Jorge Rando.

Ernst Barlach trifft auf Jorge Rando

Im Ernst-Barlach-Museum in Ratzeburg wird am morgigen Sonntag, 17. April, um 16 Uhr eine Ausstellung unter dem Motto „Ernst Barlach — Jorge Rando — Begegnung“ eröffnet. Sie ist bis zum 10. Juli zu sehen. Am letzten Tag der Ausstellung wird Jorge Rando, der aus Spanien stammt, aber seit vielen Jahren in Deutschland lebt, persönlich ab 17 Uhr anwesend sein.

Rando, 1941 in Malaga geboren, gilt in seinem Heimatland als der bedeutendste Vertreter der neoexpressionistischen Malerei. Im Barlach-Museum in Ratzeburg sollen, so Xenia Grafeneder von der Bachlach-Gesellschaft, ein Vierteljahr lang „80 zum Teil großformatige Gemälde Aquarelle und Miniaturen Jorge Randos in Dialog mit den Figuren Ernst Barlachs treten“.

Von Norbert Dreessen

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