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Lauenburg Ernteschmutz: Polizei kontrolliert Bauern
Lokales Lauenburg Ernteschmutz: Polizei kontrolliert Bauern
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00:00 21.10.2012
Herzogtum Lauenburg

Groß Schretstaken – Riesige Traktoren mit ebensolchen Anhängern sind derzeit überall auf den Straßen im Kreisgebiet unterwegs, um den gehäckselten Mais zu den Biogasanlagen oder auf Bauernhöfe zu transportieren. Wo diese Ungetüme fahren, bleibt oftmals im Umkreis der Feldausfahrten der Schlamm und Modder auf der Straße und entlang der gesamten Fahrstrecke verteilt sich das Häckselgut entlang der Fahrbahn. Die LN waren einen Nachmittag mit einer Streife des Polizeiautobahn- und Bezirksreviers Ratzeburg unterwegs und schauten den Beamten Thomas Gruß und Hanka Grahntz über die Schultern. Bei Niendorf an der Bundesstraße 207 brauchen die beiden nicht lange warten, bis das erste Gespann vorbei kommt. „Das kann man schon von weitem sehen, dass der was verliert“, sagt Thomas Gruß und winkt den Fahrer auf die Bushaltestelle. Während seine Kollegin die Papiere kontrolliert, erklärt Gruß dem Fahrer, dass er so nicht fahren dürfe. Er habe zu hoch geladen und durch den Fahrtwind wehe ständig Häckselgut auf die Straße. „Und bevor Sie das Feld verlassen, müssen sie die Reste vom Anhänger fegen, denn auch das verlieren sie während der Fahrt.“ Der Landwirt nickt verständnisvoll und gelobt Besserung. „Ich sage den Landwirten das ja nicht, weil ich das so haben will, sondern weil das Gesetz es so vorsieht“, sagt Gruß, ehe es mit dem Gespann im Schlepptau weiter zur Biogasanlage nach Bälau geht. „Wir gucken uns jetzt noch einmal das Gewicht an, das ist Routine“, erklärt Gruß. Die Waage bleibt bei 32 500 Kilogramm stehen. Das, so Gruß, sei zwar knapp an der Grenze aber noch in Ordnung. Die Kontrollaktion hat offenbar Wirkung gezeigt. Als wir wieder zurück in Richtung Talkau fahren, ist bei allen Maistransportern, die uns entgegen kommen, kein Berg mehr auf dem Anhänger zu finden. Die Bauern sprechen sich halt auch ab. „Es ist doch gut, wenn das so funktioniert“, sagt Gruß. In Groß Schretstaken stoppen die beiden Kommissare gegen 16 Uhr einen Traktor mit leerem Anhänger. Was die beiden Beamten hier vorfinden, ist haarsträubend. Alle vier Reifen des Anhängers sind abgefahren, teilweise schon völlig blank. Die Bremsanlage in einem katastrophalen Zustand. Die löst sich sogar von allein während der Kontrolle, so dass der Fahrer schnell in den Trecker springen muss, um die Handbremse zu ziehen. Gruß erklärt dem Fahrer, dass er diesen Anhänger nur noch zurück auf den wenige Meter entfernten Bauernhof fahren darf und erst dann wieder benutzen darf, wenn die Mängel beseitigt sind.Doch der Fahrer, Angestellter eines Schretstakener Bauern, reagiert ungehalten, will das so nicht machen und will erst einmal seinen Chef holen. Als der einige Zeit später an den Kontrollort kommt, zeigt auch der sich nicht wirklich einsichtig. Nicht, als es um den keinesfalls verkehrssicheren Anhänger geht und schon gar nicht, als ihm die Polizei erklärt, dass er das Häckselgut erst abfegen muss, ehe er vom Feld fährt. Dabei sind auf der Straße deutliche Spuren von Mais zu sehen. „Wenn die Polizei das so will, kann sie ja einen Mann abstellen, der das abfegt. Wir haben dafür keine Zeit“, raunzt der Bauer den Beamten an. Minuten später allerdings verspricht der Landwirt, dass er nach getaner Arbeit die Straße mit einer Bürste am Traktor reinigen werde. Am Ende bekommen Fahrer und Landwirt eine Anzeige wegen der Mängel am Anhänger. 50 beziehungsweise 75 Euro zuzüglich Verwaltungsgebühr werden sie zahlen müssen und jeder bekommt noch drei Punkte in Flensburg dazu. „Hätte der Mann den Anhänger auf dem Hof abgestellt, wäre es beim erhobenen Zeigefinger geblieben“, sagt Gruß. Später kontrolliert Gruß noch einen Traktor mit Anhänger, der auch zu hoch beladen ist, kurz hinter dem Ortsausgang von Schönberg. „Der Chef fährt selbst und hat verstanden, was ich ihm erklärt habe. Er hat sofort seine Fahrer angewiesen, nicht mehr so hoch zu laden“, sagt Gruß. So sollte es eigentlich immer sein, doch oftmals stellten sich die Landwirte quer und seien uneinsichtig, glaubten, man wolle sie ärgern und habe es nur auf sie abgesehen, sagt Gruß. Es ist 18.40 Uhr, als wir erneut durch Groß Schretstaken kommen. Der gut zwei Stunden zuvor kontrollierte Landwirt hat seine Arbeit offenbar fertig, denn der große Häcksler steht bei ihm auf dem Hof. Die Straße allerdings hat er nicht, wie zuvor versprochen gereinigt. Dort liegt inzwischen noch etwas mehr Häckselgut als bei der Kontrolle am Nachmittag.

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