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„Es wäre traumhaft, wenn manch Gremium auf uns hörte“

Kroeppelshagen „Es wäre traumhaft, wenn manch Gremium auf uns hörte“

„Optimismus ist Pflicht!“ lautete das Motto des diesjährigen Kreislandfrauen-Tages am Donnerstag in Schwarzenbek. Wenn so explizit an die Zuversicht appelliert wird, könnte man vermuten, dass bei den Landfrauen einiges im Argen liegt. Die LN sp

Herzogtum Lauenburg. „Optimismus ist Pflicht!“ lautete das Motto des diesjährigen Kreislandfrauen-Tages am Donnerstag in Schwarzenbek. Wenn so explizit an die Zuversicht appelliert wird, könnte man vermuten, dass bei den Landfrauen einiges im Argen liegt. Die LN sprachen daher mit der Kreisvorsitzenden der Landfrauen im Herzogtum Lauenburg, Ingetraud Schmidt- Bohlens aus Kröppelshagen.

Lübecker Nachrichten: Wie lange sind Sie schon „Landfrau“?

Ingetraud Schmidt-Bohlens: Ich bin 1978 ziemlich jung mit 29 Jahren, damals war ich mit dem dritten Kind schwanger, in den Ortsverein Schwarzenbek eingetreten und wurde gleich als Beisitzerin in die Vorstandsarbeit eingebunden.

LN: Braucht man als Landfrau eine spezielle Berufsausbildung?

Schmidt-Bohlens: Ich habe Mitte der 1960er Jahre eine Ausbildung in der ländlichen Hauswirtschaft gemacht, meine Abschlussprüfung in Lübeck absolviert. 1971 habe ich in dem Beruf sogar meinen Meistertitel erreicht. Aber das ist keine Voraussetzung, bei den Landfrauen aufgenommen zu werden. Landfrau ist nicht gleichzusetzen mit Bäuerin. Aktive oder ehemalige Landwirtinnen machen höchstens ein Viertel unserer Mitglieder aus. Die übrigen sind Geschäftsfrauen, Selbstständige oder einfach politisch und gesellschaftlich interessierte Frauen aus unserem ländlich geprägten Raum. Wir sind jedenfalls für alle interessierten Frauen offen und versuchen auch ein breites Spektrum an Veranstaltungen anzubieten.

LN: Warum lautete Ihr Motto gerade „Optimismus ist Pflicht“?

Schmidt-Bohlens: Wir hatten die Motivationstrainerin Ingeborg Pflicht für den Festvortrag engagiert. Sie referierte grundsätzlich über das positive Herangehen an Probleme, um sie leichter lösen zu können.

LN: Das Motto hat also eine Doppeldeutigkeit?

Schmidt-Bohlens: Probleme gibt es in allen möglichen Situationen oder Lebenslagen. Die von Frau Pflicht vorgestellten Lösungsmöglichkeiten sind sehr interessant und erfrischend. Aber sie sind nicht auf den Zustand der Landfrauenvereinigung bezogen.

LN: Die demographische Entwicklung ist zurzeit ein beliebtes und strapaziertes Stichwort, wenn es um Probleme geht – in Schule und Beruf, in der Alten- und Krankenversorgung, in den Mitgliedschaften von Vereinen und Verbänden. Wo liegt der Altersdurchschnitt bei den Landfrauenvereinen?

Schmidt-Bohlens: Das ist von Verein zu Verein verschieden. In Berkenthin, Breitenfelde oder Schwarzenbek sind viele „Junge“, also Frauen unter 60. Dagegen gibt es in Nusse und Gudow kaum jemand unter dieser Altersgrenze.

Wir haben uns in vergangenen Jahren lange falsch orientiert und wollten vor allem 30- und 40-Jährige für die Landfrauen ansprechen. Erfahrungsgemäß sind die Frauen in dieser Altersgruppe noch vollauf mit der Berufsfindung oder Familienbildung beschäftigt. Erst wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, bleibt den Müttern Zeit, sich bei uns zu engagieren.

LN: Mit welchen Themen oder auch Problemen beschäftigen sich die Landfrauen in ihrer normalen Vereinsarbeit?

Schmidt-Bohlens: Zu Beginn waren es vor allem Vorträge aus den Bereichen Land- und Hauswirtschaft oder Bevorratung, die wir unseren Mitgliedern präsentierten. Mittlerweile gibt es auch Veranstaltungen über Gesundheitsthemen wie Essstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brustkrebs oder Diabetes. Wir bieten zudem Ausflüge und Bildungsreisen an. Auch Kultur und Kunst kommen nicht zu kurz mit Dia-Vorträgen oder Plattdeutsch-Lesungen. Außerdem „bastelten“ wir zu den Landesgartenschauen in Schleswig selbst geschweißte Blumen aus Metall oder in Norderstedt große, bunte Hühnerfiguren. Die jeweiligen Ergebnisse kamen sehr gut an und wurden anschließend versteigert, wobei Erlöse in fünfstelliger Höhe zusammen kamen.

LN: Woher rekrutieren Sie Ihren Nachwuchs. Offensichtlich nicht mehr allein aus der Landwirtschaft?

Schmidt-Bohlens: Dass wir Mütter und Töchter gleichzeitig in einem Ortsverein haben, ist eher ungewöhnlich. Normal kommen die Neuen über Mund-zu-Mund-Propaganda zu uns. Für einige (Zusatz-)Ausbildungen, die man bei uns mit Zertifikat machen kann wie Tagesmutter, Kräuterexpertin, Büroagrarfachfrau oder Ernährungsberaterin, ist eine Mitgliedschaft erforderlich. Dadurch haben wir eine Menge junger Frauen gewonnen, die erst bei uns hereingeschnuppert haben und dann geblieben sind. Der finanzielle Aufwand mit einem jährlichen Mitgliedsbeitrag von rund 25 Euro ist auch nicht sehr groß.

LN: Auf Ihrem Kreislandfrauentag in Schwarzenbek wurde an die Mitglieder appelliert, sich politisch mehr zu engagieren . . .

Schmidt-Bohlens: Wer sich bei uns in der Vorstandsarbeit engagiert, tut dies oft auch in ihrer Gemeinde. Aber ich habe schon von einigen gehört, die sich für das Seminar „Kommunalpolitik für Einsteigerinnen und Fortgeschrittene“ angemeldet haben.

LN: Haben Landfrauen heute einen politischen oder gesellschaftlichen Einfluss?

Schmidt-Bohlens: Das wäre traumhaft, wenn manche Gremien öfter mal auf uns hören würden. Aber das ist eher weniger der Fall. Wir werden immer gern gefragt, wenn es etwas auszurichten gilt, wie zuletzt beim Landeserntedankfest. Aber wenn in einem Gemeindehaus eine Teeküche eingebaut wird, darüber entscheiden leider immer noch weitgehend die Männer alleine.

Interview: Joachim Strunk

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