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Lauenburg Ex-AfD-Kreischef Gallandt will die Partei „entlarven“
Lokales Lauenburg Ex-AfD-Kreischef Gallandt will die Partei „entlarven“
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22:10 12.01.2017
Nico Gallandt Quelle: Schülermann/LN-Archiv
Mölln

Der ehemalige AfD-Kreisvorsitzende Nico Gallandt will sich nach seinem Austritt aus der AfD politisch nicht zurückziehen. Im Gegenteil: In die Landtagswahl will der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende in Güster nun mit einer Art Anti-AfD-Kampagne eingreifen und sich ansonsten „die neue Mannschaft der FDP mal genau anschauen“. Zumindest der lauenburgische Kreisverband hat dazu allerdings eine klare Meinung.

„Ich bin Realist genug, um zu wissen, dass die Welt nicht auf Nico Gallandt wartet“, sagt Gallandt gegenüber den LN. Nachdem er mit seinem Ansinnen gescheitert ist, die AfD mit seinen Vorstellungen zu prägen, will Gallandt nun „verhindern, dass diese AfD mit ihrem Vorhaben durchkommt“. Es gibt einen Bereich, der derzeit von keiner Partei vertreten werde. „Es muss verhindert werden, dass da ein Vakuum entsteht, das die AfD nutzen könnte“, sagt Gallandt. Dass derzeit in der Mitte der Gesellschaft ein bedeutender Teil bürgerlicher Demokraten zurückbleibe, die von der Politik kein Angebot bekämen, sei im Wahljahr „ein gefährlicher Zustand“.

Um die AfD zu entlarven, sei er bereit, mit seinem Insiderwissen im Wahlkampf bei Veranstaltungen – egal welcher Partei – über die AfD und die Vorgänge innerhalb der Partei zu berichten. „Was sich da zusammengerottet hat, ist alles andere als demokratisch“, sagt Gallandt. Außerdem plane er, „in der Tradition von Helmut Schmidt und Helmut Kohl so etwas wie einen Gesprächskreis konservativer Demokraten“ ins Leben zu rufen. Das solle ausdrücklich keine Partei werden, denn es müsse um die Sache und nicht um persönliche Karrieren gehen. „Ich selbst habe mit meinen Geschäft genug zu tun“, sagt Gallandt.

Dabei setzt Gallandt auch auf von der Merkel-Politik enttäuschte CDU-Mitglieder. So wolle er „ein paar alte Kontakte bemühen“. Außerdem werde er jetzt nach seinem AfD-Austritt auch AfD-Mitglieder kontaktieren, „die ich als demokratisch kennengelernt habe“. Allerdings maße er sich auch nicht an, ein „Wallraff bei der AfD“ zu sein.

Und dann sind da ja auch noch Gallandts neue Sympathien für die Freien Demokraten der FDP. „Wenn ich mir die Äußerungen der letzten Zeit anhöre, bin ich ganz dicht bei FDP-Parteichef Christian Lindner und ganz weit weg von CDU-Generalsekretär Peter Tauber“, sagt Gallandt. Wenn es bei der FDP eine Möglichkeit für ihn gebe, sich zu beteiligen, wolle er es versuchen. „Ich weiß allerdings noch nicht, auf welche Reaktionen das stößt.“

FDP-Kreisvorsitzender Christopher Vogt hat dazu eine klare Meinung: „Ich kann niemandem verbieten, Sympathien für die FDP zu haben. Ich kann es sogar gut verstehen“, sagt Vogt. Aber jemand, der sich bis zuletzt so in der AfD engagiert habe, habe „in der FDP nichts verloren“. Immerhin hatte Gallandt als CDU-Fraktionschef einst in Güster einen von Skandalen gespickten Kampf gegen den nach der Kommunalwahl sehr erfolgreichen FDP-Ortsverband geführt.

Für die Grünen belegen Gallandts Äußerungen die rechtspopulistische Ausrichtung der AfD. Der öffentliche Austritt Gallandts aus der AfD zeige entlarvend, mit welchen stillosen Mitteln die AfD arbeite, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz und des Landtagsabgeordneten Burkhard Peters. Auch das Engagement des einschlägig in rechtsextremen Kreisen verorteten Anwalts Björn Clemens lasse tief in den braunen Gesinnungssumpf der AfD blicken. Nicht ohne Absicht wähle die Partei genau diesen Mann mit diesen Hintergründen zu ihrem Prozessverteidiger.

In den Darlegungen von enttäuschten Funktionären wie Gallandt und anderen werde erneut deutlich, wie die rechtspopulistische Partei am rechten Rand nach Wählerstimmen fischt und sich dabei „für keine Schmutzigkeit“ zu schade sei.

Ob im Kreis oder im Land: Lösungsorientierte und differenzierte Programmatik scheine der AfD fremd zu sein, genauso wie eine interne Kommunikation, die untereinander respektvoll im politischen Ton sei.

AfD sucht neuen Direktkandidaten

 Aus den Reihen der AfD werden schwere Vorwürfe gegen den Kreisvorsitzenden Christian Waldheim erhoben. Durch sein langes Abwarten nach seinem Rücktritt als Direktkandidat für den Wahlkreis Lauenburg-Süd habe er der Partei schweren Schaden zugefügt. Bei einer neuen Wahlkreisversammlung zur Nachwahl seien nicht die erforderlichen 30 Mitglieder anwesend gewesen, heißt es. Nach LN-Informationen soll Waldheim anschließend erklärt haben, nicht erneut kandidieren zu wollen. Damit muss die Partei nun für einen am Sonnabend geplanten erneuten Wahlversuch beim Landesparteitag kurzfristig einen neuen Kandidaten finden. Sofern dieser gewählt würde, müsste der innerhalb von sieben Wochen 100 Unterstützerunterschriften aus seinem Wahlkreis sammeln. Diese Zeit sei extrem knapp, heißt es. Waldheim selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Waldheims Wahl war ungültig, weil Waldheim an der Versammlung teilgenommen hatte, obwohl er noch nicht sechs Monate im Lauenburgischen wohnte. Da es sich um eine Versammlung für zwei Wahlkreise gehandelt hatte, muss auch die Kandidatin für den anderen Wahlkreis neu gewählt werden. hm

 Holger Marohn

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