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Lauenburg Ex-Sozialdemokrat wirbt für die AfD
Lokales Lauenburg Ex-Sozialdemokrat wirbt für die AfD
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20:51 29.08.2017
Guido Reil holte für die AfD bei der Landtagswahl in Nordrhein Westfalen das beste Ergebnis aller Kandidaten. In den Landtag zog er nicht ein. Quelle: Hm

Die Veranstaltung war von der AfD umfangreich gegen mögliche Störungen gesichert. So waren vor und in dem Gebäude etwa ein Dutzend nicht näher gekennzeichneter Türsteher postiert. Die Männer, teilweise mit Motorrad-Lederweste, T-Shirt, Cargohose, Sicherheitsstiefeln und muskelbepackten Oberarmen, schützten den Saal vor ungebetenen Gästen. Andere patrouillierten im und vor dem Saal in Hemd, Jackett und mit Sonnenbrille. „Es ist leider so. Die Leute haben Angst. Und wir müssen für Sicherheit sorgen“, erklärte AfD-Kreissprecher Markus Scheb aus Ratzeburg. Am Eingang des Saales selbst wurden die Gäste kontrolliert und mit farbigen Armbändern als Mitglieder, Gäste oder Medienvertreter gekennzeichnet.

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Der Wahlkampfauftritt von Guido Reil in Mölln war von hohem Sicherheitsaufwand begleitet.

Als schließlich Dr. Bruno Hollnagel (69), Spitzenkandidat der AfD in Schleswig-Holstein, ans Mikrofon trat, saßen etwa 65 Zuhörer in dem mit knapp 200 Stühlen ausgestattetem Saal. Nicht alle, aber die meisten klatschten immer wieder, während der Portfoliomanager und Wirtschaftsanalyst über den Euro und dessen aus seiner Sicht schädliche Auswirkungen redete.

Unruhe kam im Saal auf, als eine 15 bis 20-köpfige Gruppe junger Leute die Autokennzeichen der vor dem Quellenhof parkenden Autos fotografierte. Die Türsteher lieferten sich Wortgefechte mit der Gruppe, schließlich rückte die Polizei an, ein Teil der AfD-Wachleute nutzte anschließend einen Balkon des Quellenhofes als Ausguck. Im Saal berichtete wenig später der AfD-Wahlkampfmanager von der „Störung“.

Schließlich, nach fast einer Stunde Warten, durfte „Steiger“ Guido Reil ans Mikrofon. Der ehemalige Bergarbeiter und Ex-Sozialdemokrat aus dem Ruhrpott – bei der Landtagswahl von der AfD auf einen aussichtslosen Listenplatz 16 gesetzt – ist nicht nur auf Wahlkampf-, sondern auch auf Promo-Tour für sein Buch. In Mölln erzählte er von den „guten“ Ausländern, mit denen er unter Tage kameradschaftlich zusammengearbeitet habe. Und von den anderen, die sich in libanesischen Familienclans zusammentun würden und bei denen der Staat für Hausdurchsuchungen mit der GSG 9 anrücke. Das Publikum hörte gebannt zu.

Die AfD im Kreis

Bei der Landtagswahl im Mai erzielte die AfD im Wahlkreis Lauenburg-Süd mit 7,7 Prozent der Erst- und 8,1 Prozent der Zweitstimmen jeweils landesweit ihr bestes Ergebnis.

Die Mitgliederzahl der AfD im Kreis kann Kreissprecher Markus Scheb nur schätzen. Er gehe von der gleichen Zahl „wie beim letzten Mal, also so um die 80“ aus. Viele davon seien von der CDU zur AfD gewechselt.

Ehemalige Sozialdemokraten, wie Guido Reil einer sei, habe die lauenburgische AfD bislang allerdings nicht in ihren Reihen, so Scheb.

 Holger Marohn

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