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Lauenburg Fahrerflucht in Mölln: Verfahren eingestellt
Lokales Lauenburg Fahrerflucht in Mölln: Verfahren eingestellt
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22:03 19.04.2016
So stellte sich die Situation in der Möllner Hauptstraße unmittelbar nach dem Unfall im September 2015 dar. Ein heute 21 Jahre alter Mann soll ein Mädchen angefahren haben und geflüchtet sein. Es herrscht dort Tempo 20. Dass es tatsächlich zu einer Kollision gekommen war, bestreitet der Möllner. Er sei ausgestiegen und habe sich nach dem Mädchen erkundigt. Zeugen berichten vor Gericht das Gegenteil. Quelle: Holger Marohn
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Ratzeburg/Mölln

Der Möllner Metallbauer Timo S. (alle Namen von der Redaktion geändert) fuhr am 8. September gegen 16.45 Uhr die Hauptstraße in Mölln in Richtung Zob entlang. Auf der anderen Straßenseite staute sich der Verkehr. „Ich bin sofort in die Eisen gestiegen“, beschreibt S. den Moment, als die zu der Zeit acht Jahre alte Anna zwischen den stehenden Autos auf die Straße gelaufen sei — „Wie aus der Kanone geschossen.“ Der Angeklagte sagt, zu einer Berührung sei es aber nicht gekommen. Dennoch sei er ausgestiegen und habe sich nach dem Befinden der Kleinen erkundigt. Eine Frau, die er für die Mutter gehalten habe, habe ihm gesagt, dass alles ok sei. Dann sei er gefahren. „Er hat darauf vertraut“, wird sein Anwalt Wolf Dietrich Witte später sagen.

Zeugen geben vor dem Ratzeburger Gericht an, S. habe zwar gehalten, sei aber nicht ausgestiegen. Stattdessen sei er nach kurzem Warten losgefahren. Auch Rufen und Winken hätten den jungen Mann nicht zum Anhalten bewegt.

Fahrerflucht kommt immer öfter vor. 645 Mal haben sich im vergangenen Jahr im Kreis Fahrer aus dem Staub gemacht, nachdem es gekracht hatte — weit mehr als 60 Mal häufiger als noch 2013. Einzig in Schwarzenbek ging die Zahl der Fahrerfluchten zurück. Über die Aufklärungsquote führe die Polizeidirektion Ratzeburg keine Statistik, sagt Sprecher Holger Meyer.

Die Zeugen im Fall S. berichteten von einer ganz leichten Berührung, zu der es gekommen sei. Vor Gericht sind sie aber unsicher. In einem Punkt sind sich die drei Zeugen aber einig: Timo S. sei nicht aus dem Wagen ausgestiegen und habe sich auch nicht nach dem Befinden des Kindes erkundigt.

Verteidiger Witte kritisiert Richter Frank Rose. Dieser hätte die ermittelnden Polizisten als Zeugen laden sollen, denn diese schreiben in ihrem Bericht davon, dass S. ausgestiegen sei. Sie würden ihn also entlasten. „Es muss also Zeugen geben, die bestätigen,was der Angeklagte sagt“, so der Anwalt. Personalien fehlten aber in dem Bericht. Für den Anwalt scheint klar: Die Polizei habe nicht ausreichend ermittelt. Ob es zu einer Berührung kam und ob S. wirklich einfach wegfuhr, bleibt ungeklärt. „Nirgendswo ist das Denunziantentum größer als bei vermeintlicher Unfallflucht“, sagt der Rechtsanwalt.

2015 kam es zu 89 Unfällen mit Kindern. 93 Kinder waren dabei beteiligt, 88 von ihnen wurden dabei verletzt. Seit 2012 hat es keinen Todesfall mehr gegeben. In den allermeisten Fällen (51) sind die Kinder mit dem Fahrrad unterwegs. Seit 2013 nimmt die Zahl der Unfälle mit Kindern zu.

Richter, Gerichtshelfer und Anwalt sind sich einig: Timo S., der einen vernünftigen Eindruck mache, habe unter der Anklage gelitten. Das ist wohl auch der Grund, warum der 21-Jährige die Einstellung des Verfahrens mit der Auflage, 150 Euro an einen guten Zweck zu zahlen, akzeptiert. Sein Anwalt hätte gern noch die Polizisten gehört.

Hintergrund

Als unerlaubtes Entfernen von einem Unfallort gilt, wenn ein Beteiligter den Ort des Geschehens verlässt, ohne dass seine Person, sein Fahrzeug oder die Art seiner Beteiligung festgestellt werden konnte, oder er keine angemessene Zeit darauf gewartet hat. Es wird mit einer Geldstrafe oder mit bis zu drei Jahren Haft bestraft.

Von Philip Schülermann

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