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Lauenburg „Familienzeiten müssen im Beruf selbstverständlicher werden“
Lokales Lauenburg „Familienzeiten müssen im Beruf selbstverständlicher werden“
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20:18 01.08.2015
Während ihrer Sommertour legte Nina Scheer auch einen Stopp beim Möllner Stadtspiel im Luisenbad ein. Quelle: Celine Kleinhempel/hfr

Lübecker Nachrichten: Sie machen gerade Wahlkreis-Sommertour. Welches war für Sie das wichtigste Thema?

Dr. Nina Scheer: Ich habe mich auf ein Thema konzentriert: Arbeit und Soziales. Dieses wichtige Thema berührt viele Menschen.

LN: Sie haben viel Input erhalten. Was machen Sie mit diesen Informationen. Werden Sie einige geschilderte Probleme in Berlin ansprechen?

Scheer: Die umfangreichen Infos sind eine große Herausforderung. Ich werde ausloten, wo die größten Handlungsbedarfe sind und wo gute Aussichten bestehen, Wege zu finden. Vieles in der Politik läuft nach dem Motto ‘Steter Tropfen höhlt den Stein‘.

LN: Das Betreuungsgeld wurde gerade abgeschmettert. Sie haben selbst eine Tochter. Was halten Sie von der sogenannten ‘Herdprämie‘?

Scheer: Sie war ein völlig falsches Signal. Staatliches Betreuungsgeld sollte sozialpolitisch wirken und die Integration fördern. Es sollte in Kita-Einrichtungen und dortige pädagogische Arbeit fließen und zur Reduzierung der Kitagebühren beitragen.

LN: Ihre Tochter ist 11. Wie haben Sie die Aufgabe Kind/Beruf damals gelöst?

Scheer: Ich habe als alleinerziehende Mutter damals in Berlin schnell einen Kita-Platz gefunden. Ich hatte aber in den ersten zwei Jahren eine privilegierte Situation, denn ich schrieb gerade an meiner Dissertation, mit der ich bei Kinderkrankheiten flexibel war. Klar ist aber auch: Kinder und Beruf sind nur vereinbar, wenn in der Arbeitswelt Familienzeiten selbstverständlicher werden.

LN: Und wie lösen Sie die Betreuungsfrage heute?

Scheer: Auf eigenen Wunsch besucht meine Tochter seit zwei Jahren ein Internat. Es liegt in Mecklenburg-Vorpommern und damit nah genug, dass sie jedes Wochenende nach Hause kommen kann. Das war meine Bedingung.

LN: Sie sind relativ neu im Bundestag. Entspricht die Arbeit Ihren Erwartungen?

Scheer: Ja, bereits über mein Elternhaus erfuhr ich Vieles und auch als Geschäftsführerin eines Wirtschaftsverbandes, UnternehmensGrün e.V., gewann ich über gut sechs Jahre wertvolle Einblicke in das Wirken des Bundestages. Es hängt viel von der eigenen Initiative ab, auch die Themen betreffend. Ich möchte an vielen Stellen etwas bewegen.

LN: Reicht da eine 50- bis 60-Stundenwoche?

Scheer: Selten, es sind eher 80 bis 90 Stunden.

LN: Für Griechenland soll ein drittes Hilfspaket geschnürt werden. Wie haben Sie abgestimmt?

Scheer: Ich habe zugestimmt, damit die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Ein Nein hätte in Griechenland Zahlungsunfähigkeit und eine humanitäre Katastrophe bedeutet, die auch so schon begonnen hat. Inhaltlich stimme ich vielen Bedingungen der EU nicht zu. Es müssen Konjunkturpakete geschnürt, eine Verwaltungsstruktur muss aufgebaut werden. Klar muss es hierbei Bedingungen geben, die müssen aber auch zielführend sein. Ein Mehrwertsteuersatz von 23 Prozent würde auch bei uns einen Aufschrei bedeuten und trifft die Schwächsten am ehesten. Solche Maßnahmen sind kontraproduktiv.

Sorge bereitet mir generell in Bezug auf die EU, dass häufig die Europäische Kommission die Vorgaben setzt. Das sind Verwaltungsleute und keine gewählten Volksvertreter. Das Europäische Parlament hat meiner Ansicht nach zu geringe Befugnisse. Darin liegt ein Demokratiedefizit, das auf Dauer den Zusammenhalt in der EU bedroht. Das wird auch in anderen Bereichen deutlich, etwa bei den aktuell verhandelten Freihandelsabkommen.

LN: Ihr beruflicher Weg ist ziemlich ungewöhnlich. Von der Musikerin zur Politikerin. Wie kam der Wandel?

Scheer: Vorweg: Auch Musiker können und sollten Politiker sein — es ist ja ein Querschnitt der Bevölkerung gefragt. Ich habe bereits als Kind viel Flöte, Klavier und Geige gespielt, so wurde die Musik Teil der Identität. Aber eben auch nur ein Teil. Politisch interessiert und aktiv war ich immer — in verschiedenen Ausprägungen: von der Schülerzeitungsleitung über Vereins- und Verbandsarbeit bis hin zur Parteipolitik. Vieles hat sich mit dem Lebensweg und der Suche nach gern zu erfüllenden Aufgaben ergeben.

LN: Nach der Sommertour beginnt Ihr Urlaub. Wo geht es denn hin?

Scheer: Für eine Woche nach Dänemark. Das hat sich meine Tochter gewünscht. Dort ist die Islandpferde-Weltmeisterschaft.

LN: Sie sind von Berlin nach Geesthacht gezogen. Warum an die Elbe?

Scheer: Ich wollte gern ins Herzogtum ziehen, auch weil hier der größte Teil meines Wahlkreises liegt. Außerdem habe ich hier früh eine starke Bindung erfahren, zumal ich in Geesthacht direkt gewählt worden bin.

LN: Haben Sie einen Lieblingsplatz in diesem Kreis?

Scheer: Viele! Es ist eine wunderschöne Gegend mit den vielen Seen und Orten. Wenn ich am Tag mal ein bisschen Luft und Sonne brauche, bin ich gern im Elbkantinchen in Geesthacht.

Interview: Silke Geercken

Zur Person
Nina Scheer ist in Baden Württemberg und im Rheinland aufgewachsen, hat in Bonn Geige studiert, dann Jura.



Die SPD-Bundestagsabgeordnete
(43) wohnt mit
ihrer Tochter Lilli (11) jetzt in Geesthacht — und hofft auf gutes Wetter in Dänemark. Da will sie nach Ende ihrer Sommertour in der nächsten Woche nämlich hin. Auf Wunsch der Tochter, die Islandpferde liebt.

LN

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