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Lauenburg Fehler bei Methadon-Abgabe? Ermittlungen gegen Chefarzt
Lokales Lauenburg Fehler bei Methadon-Abgabe? Ermittlungen gegen Chefarzt
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21:39 12.07.2016
Archivbild: Das Johanniter-Krankenhaus Geesthacht, aufgenommen am 25.06.2013 in Geesthacht. Quelle: Ulrich Perrey/dpa

Der Verdacht: Er soll gegen das Betäubungsmittelgesetz und das Apotheken-Monopol verstoßen haben.

Methadon wird an ehemals Drogenabhängige im Zuge der so genannten Substitution verabreicht. Am Johanniter-Krankenhaus gibt es die Methadon-Ambulanz, die aktuell 94 Menschen versorgt. Seit 2013 führte der Mediziner die Regie in der Ambulanz. Im Rahmen der sogenannten „Take home“-Abgabe von Methadon sollen Patienten das Medikament für bis zu sieben Tage in der Ambulanz mitbekommen haben. Nicht ungefährlich, wie der Fall Chantal 2012 in Hamburg zeigte: Das damals elfjährige Mädchen nahm Methadon seiner Eltern ein und starb. Tatsächlich hätte das Methadon in der Geesthachter Ambulanz gemäß der gesetzlichen Vorgaben von den Patienten nur direkt konsumiert werden dürfen oder sie hätten es sich per Rezept aus einer Apotheke holen müssen. Doch man hatte dort offenbar jahrelang anders verfahren.

„Es gab eine Durchsuchung in der Klinik, in deren Zuge riesige Mengen an Unterlagen sichergestellt wurden, die jetzt gesichtet und ausgewertet werden müssen“, erklärte gestern Ulla Hingst, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, auf LN-Anfrage. Der Mediziner fuhr gestern nach Lübeck, um die Ermittlungen zu unterstützen und zu den Vorwürfen auszusagen. Er räumte gegenüber den LN die gegen ihn erhobenen Vorwürfe weitgehend ein, betonte aber: „Es ist niemand zu Schaden gekommen.“ Er habe nichts zu verbergen, sagte er und sicherte volle Kooperation bei den Ermittlungen zu.

Carsten Schwaab, der Geschäftsführer des Krankenhauses, stellte klar, der Mediziner „bleibt unser Chefarzt“. Um ihn aus der Schusslinie zu nehmen, hat der Arzt seine Ermächtigung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) für die Methadon-Abgabe zurückgegeben. Eine Oberärztin ist jetzt verantwortlich. Außerdem ist der Arzt nicht mehr für die zwangseingewiesenen Patienten zuständig, um keine zusätzliche Angriffsfläche zu bieten, gelten diese Fälle doch als schwierig.

Schwaab kündigte an, dass man sich aus dem Projekt zurückziehen werde. „Uns ist wichtig, dass die nahtlose Versorgung der Patienten gesichert ist. Aber man muss sich jetzt eine andere Lösung suchen. Wir werden das auf Dauer nicht mehr machen“, sagte er. Der Geschäftsführer geht von der Eröffnung eines Verfahrens aus, setzt aber auf ein gutes Ende. Laut Staatsanwaltschaft wird es Monate dauern, die Akten zu sichten und den Fall aufzuklären.

Klinikärzte brauchen eine Ermächtigung

14 Ärzte in Schleswig-Holstein sind ermächtigt, Substitutionsbehandlungen durchzuführen und über die Kassenärtzliche Vereinigung (KVSH) abzurechnen. „Die allermeisten davon sind Krankenhausärzte“, sagte KVSH-Sprecher Marco Dethlefsen. Die Ermächtigung muss beantragt werden und ist nur auf Leistungen beschränkt, die über die niedergelassenen Vertragsärzte nicht oder nicht ausreichend abgedeckt werden. Dauer, Ort und Art der Leistungen sind in einer Ermächtigung genau geregelt. Daneben gebe es es in den Praxen rund 110 Ärzte, zum Beispiel Hausärzte, die eine spezielle Genehmigung zur Substitution haben.

cri

Von Timo Jann

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