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Lauenburg Fest in Buchhändlers Hand: Traditionshaus Herrenstraße 10
Lokales Lauenburg Fest in Buchhändlers Hand: Traditionshaus Herrenstraße 10
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21:21 19.10.2017
Harald Weber zeigt auf eine alte Aufnahme seines Hauses. Quelle: Fotos: Baumm
Ratzeburg

In Zeichen knallharten Wettbewerbs und zunehmenden Online- Handels haben „stationär inhabergeführte Buchhandlungen“, wie Harald Weber es nennt, schwer. Trotzdem bereuen seine Frau und er es keinen Moment, Buchhändler geworden zu sein und vor 24 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben.

Vor genau 150 Jahren erwarb ein gewisser Max Schmidt das Haus an der Herrenstraße 10 in Ratzeburg. Das wäre keine Nachricht wert – wäre der Berliner nicht Buchhändler gewesen. So aber konnten Harald und Christiane Weber jetzt auf 150 Jahre Buchhandlung in ihrem Haus anstoßen.

150 Jahre, 5 Eigentümer

1867 eröffnete der Berliner Max Schmidt die Buchhandlung an der Herrenstraße in Ratzeburg.

5 Besitzer haben die Buchhandlung bis heute geführt: nach Max Schmidt Gerhard Schetelich, Friedrich Kutscher, Arno Bergner und jetzt Harald Weber.

Wie spannend die Geschichte ihrer Hauses ist, wie viel Tradition in den alten Mauern steckt: Das ist dem Ehepaar erst nach und nach während der Vorbereitung dieses stolzen Jubiläums klar geworden.

Viele Fragen, die in diesem Zusammenhang aufkommen, lassen sich – noch! – nicht genau beantworten. Sicher scheint zumindest, dass der Begründer der Tradition, Max Schmidt, nach Ratzeburg kam und hier die Buchhandlung eröffnete, weil wenige Jahre zuvor nur wenige Meter entfernt das Gymnasium eröffnet wurde. „Eine höhere Lehranstalt und die dort unterrichtenden Pädagogen versprachen einen gesicherten Umsatz“, sagt Weber. Ob aber die Hausnummer der Buchhandlung damals die 10 oder die 11 war? Man weiß es nicht.

Zunächst gab es bei Max Schmidt auf etwa 60 Quadratmetern Bücher. Die zweite Haushälfte beherbergte Wohnräume, der Eingang führt damals über einige Treppen und war in der Mitte des Hauses gelegen.

Das zeigt Harald Weber anhand einer Fotografie in dem Büchlein „Ratzeburg“ aus „Die Reihe Archivbilder“, das sein Freund Horst-Otto Müller herausgegeben hat. „Wir haben den Eingang im Laufe von Umbaumaßnahmen an die Seite verlegt, so dass die Kunden nicht mehr Treppen steigen müssen“, erzählt Weber.

Die Umbaumaßnahmen 2009 waren bitter nötig, denn: Das Haus ist ziemlich schief. „Stimmt!“, pflichtet Harald Weber bei. „Das ist übrigens nicht nur auf den moorigen Untergrund zurückzuführen, sondern auf den Bau der Post.“ Die sei, erklärt der Buchhändler, „so schwer, dass das Haus gebrochen ist!“. Darum wurden zeitgleich mit der Verlegung des Eingangsbereichs Stahlträger eingearbeitet, die den Giebel stabilisieren. Was leider nicht zu sehen ist: Das Haus ist in verputzter Fachwerkbauweise auf Holzbalken gebaut. Dass es nun schief und gebrochen ist, tut dem Charme des Hauses keinen Abbruch.

Plattschnacker wissen das: En beten scheef hett Gott leef!

Die Kunden jedenfalls fühlen sich wohl bei Christiane und Harald Weber. Die Eheleute freuen sich auf 25 Jahre Inhaberjubiläum im November kommenden Jahres und auf 20 Jahre Filiale am Markt.

Gestern aber haben sie erst einmal mit ihren Kunden angestoßen. Als Dank für lange Jahre Treue durften die Bücherfreunde ein Memory-Spiel mit nach Hause nehmen.

Und Webers überlegen – mit fachkundiger Hilfe – die Geschichte des Hauses genau zu recherchieren und herauszugeben. Denn auch das hat Tradition: Dass die Buchhändler von der Herrenstraße Regionalgeschichtliches verlegen.

Dorothea Baumm

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